Suff Daddy: „Ich hänge super viel auf dem Sofa rum und dafür ist diese Platte gemacht.“

Ansonsten wirkt das Soundbild relativ entschleunigend auf mich. Ein angenehmer Vibe in unserer hektischen, schnelllebigen Generation. Ich finde, das stellt den Gegenpol zu heutigen Trends, wie  Fast Food, Speed-Dating, Power-Napping, E-Mail-Kommunikation oder Multitasking dar. Aus welchen Gründen hast du dich dazu entschieden, dass die Musik so entspannt klingen soll?

Suff Daddy: Das war keine bewusste Entscheidung. Das kam einfach so aus mir raus. Eigentlich sollte ich sagen: „… um die Menschheit zu verbessern und ein Gegengewicht zu schaffen.“. Ich setz mich aber nicht hin und sag: „Ich mach jetzt das Album.“. Ich setz mich zuhause einfach immer nur hin, mach Beat für Beat und nach einem halben oder ganzen Jahr sag ich: „Ok, daraus such ich Dinge aus“. Es gibt kein Konzept. Ich mach mir davor auch keine Gedanken. Ich mach mir nie so Gedanken über Musik sondern setz mich einfach hin und dann küsst mich so die Muse. Im Moment ist bei mir einfach alles super entspannt, locker und easy. Da kann ich zuhause gar keinen stressigen Sound machen. Mit den Betty Ford Boys habe ich so viel „Hau-drauf-Musik“ gemacht in den letzten Jahren, dass ich da jetzt nicht so Bock drauf hatte sondern eher auf mehr Struktur und Arrangement. Das ist das Einzige über das ich mir Gedanken gemacht habe.

„Ich hänge super viel auf dem Sofa rum und dafür ist diese Platte gemacht.“

So ist die Stimmung auf „Birdsongs“ eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Was hältst du generell von der heutigen Leistungsgesellschaft und den modernen Zeitstrukturen?

Suff Daddy: Ich muss sagen, ich bin ja total blessed und ein Glückspilz. Ich hab diesen Stress nicht, weil ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Aber klar, ich mag die Leistungsgesellschaft so an sich nicht und dem kann man sich halt wirklich schwer widersetzen, wenn man nicht so Glück hat wie ich. Ich halte aber eigentlich nix davon. Deshalb ist aber der Entschleunigungsgedanke so geil. Ich hab nur gedacht, ich hänge super viel auf dem Sofa rum und dafür ist diese Platte gemacht. Nicht für den Club, sondern einfach zum zuhause rumhängen. Alle sollten sich mehr entspannen aber es schaukelt sich gegenseitig auf und man kann nicht aus dem Hamsterrad raus. Es ist auf jeden Fall eine negative gesellschaftliche Entwicklung.

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Im Hinblick auf Details des Plattensounds: Du hast „Candy Shop“ von 50 Cent gesamplet. Wieso hast du 50 Cent ausgewählt und ist „Candy Shop“ dein Lieblingssong von ihm?

Suff Daddy: Nee, ist nicht unbedingt mein Favourite von ihm. Früher als „The Massacre“ rauskam, hab ich 50 Cent überhaupt nicht gediggt aber Fifty hat super viele geile Songs gemacht, find ich so in der Retrospektive. Aber das war wieder voll der Zufall. Ich hab so einen Ordner mit hundert Trillionen A capellas von geilen Sachen über cheesy-billig Sachen. Und ich hör mir alles mal an, weil überall sind kleine Fetzen drin. Das hab ich mir von Brenk Sinatra abgeguckt, der lädt sich alle A capellas, egal ob von Lil Wayne oder Young Thug. Man findet überall was. Dann hab ich so den Beat von „What We Do“ gehabt und dachte mir: „Ok, hau ich mal wieder ein A capella drüber.“. Bin einfach an dem Fifty-Ding vorbeigekommen, hab es auf minus acht runtergepitcht und dachte mir so: „Alter, das passt so fucking geil!“. Die Bassline ist genauso wie der Gesang von der Melodiestruktur her, was unterbewusst wirkt. Das hat super geil gepasst. Voll der Banger.

„Als ich das zum ersten Mal gehört habe, ist mir die Kinnlade runtergefallen.“

Inwiefern hast du 50 Cents Karriere nach seinem Senkrechtstart Anfang der 2000er Jahre verfolgt?

Suff Daddy: Ich hab das gar nicht mehr so richtig verfolgt. „Get Rich Or Die Tryin‘“ hab ich damals erstmal überhaupt nicht gefeiert. „In Da Club“ hab ich natürlich mitbekommen. Als ich das zum ersten Mal gehört habe, ist mir die Kinnlade runtergefallen, weil ich mir dachte: „Alter, was ist das für ein krasser Banger.“. Der wurde aber überall tot gespielt, dann hab ich das irgendwie nicht mehr gehört. Es war mir dann irgendwie zu sehr Charts. Aber später hab ich mir das Album dann mit Abstand nochmal richtig angehört und es ist einfach ein krasses Album, da sind ja nur Hits drauf. Super geile Sachen. Aber die neueren Sachen hab ich kaum gehört, also ich höre sowieso wenig neuen Ami-Rap.

Im Video zu einem anderen Song, „Feel It“, liegt einiges an Literatur auf dem Boden, wie z.B. deine Platte „The Gin Diaries“ in Buchform und „Eine andere Wirklichkeit: Neue Gespräche mit Don Juan“ von Carlos Castaneda. Liest du viel und gern?

Suff Daddy: Im Moment lese ich eigentlich nicht so viel aber ich hab mir mit meiner Freundin ein E-Book geholt, damit das ein bisschen leichter ist. Ich lese eigentlich ganz gern aber ich hab so Phasen, da lese ich auch monatelang überhaupt gar nichts. Aber natürlich lese ich auch immer viel im Internet. Ich mag zwar Bücher aber ich muss sagen, so viel lese ich leider zurzeit nicht. Das „Don Juan“-Buch hab ich da gar nicht hingepackt. Das hat mein Fotograf Robert Winter da hingelegt, weil der die Bücher aus seinem Bücherregal als Requisite mitgenommen hat. Der hat damals auch das „The Gin Diaries“-Buch hergestellt, als wir das Album gemacht haben. Voll viele Leute sprechen mich genau auf das Buch von Carlos Castaneda an.

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Moin, ich bin Freddy aus der besten Vorstadt Berlins: Bernau. Rapliebhaber, Fussballfanatiker, Sneakerfreak. Immer unterwegs durch die weitläufige Medienlandschaft. Jetzt bei BACKSPIN. #WKM$N$HG?

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