Suff Daddy: „Ich hänge super viel auf dem Sofa rum und dafür ist diese Platte gemacht.“

Am 24. Juni erschien das instrumentale Album „Birdsongs“ von Suff Daddy über Jakarta Records. Die 11 Track starke Platte ist gefüllt mit entschleunigenden Beats vom Düsseldorfer Musikproduzent und zeigt seine Kunst, bis auf ein Mayer Hawthorne-Feature, in purem Gewand. Wir trafen uns mit dem in Berlin lebenden Beatmaker, anlässlich der Platte, zum Interview im Uebel & Gefährlich in Hamburg. In dem Gespräch im historischen Bunker „Flakturm IV“ an der Feldstraße in St. Pauli wurde nicht nur über den neuen Longplayer geredet. Suff Daddy erzählt einerseits über seinen Kontakt zu US-Superstar Mayer Hawthorne, die moderne von Hektik und Zeitdruck geprägte Leistungsgesellschaft, 50 Cents Karrierebeginn und die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten. Andererseits geht es auch um seine Heimatstadt Düsseldorf, sein Jahr in Australien, das diesjährige Splash! Festival, das Live-Trio „The Lunch Birds“, seine Konsolenliebe, Pokémon Go und über die Zukunft der Betty Ford Boys. Doch das war längst nicht alles, überzeugt euch selbst. 

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Dein Album „Birdsongs“ ist am 24. Juni erschienen. Apropos „Birds“: Ein Huhn gehört auch zur Klasse der Vögel. Zum Einstieg würde mich deine Theorie zum „Huhn-Ei-Problem“ interessieren: Was war zuerst da? Das Huhn oder das Ei?

Suff Daddy: Wahrscheinlich war das Huhn zuerst da. Bevor die Hühner ihre Eier gelegt haben, wurde vermutlich irgendetwas anderes gelegt und das hat sich dann irgendwie so entwickelt, dass die Schale drum kam. Keine Ahnung. Die größten Wissenschaftler der Welt können diese Frage nicht beantworten. Ohne Huhn kein Ei. Aber ohne Ei kein Huhn. Ey, ich weiß es nicht. Das ist so philosophisch. Zu deep.

„Die größten Wissenschaftler der Welt können diese Frage nicht beantworten.“

Du hast als Produzent die Wahl, Künstler auf deine Instrumentals zu packen. Wieso hast du dich bei „Birdsongs“ für die Variante „Album ohne Rap“ entschieden?

Suff Daddy: Ich hatte voll Bock auf instrumentale Beats. Außerdem hatte ich kein Bock mit Leuten zusammenzuarbeiten. Das ist so ein bisschen der Faulheit geschuldet. Ich bin super gern allein in meinem Kämmerlein und mach da meine Beats. Es wäre einfach zu viel Extra-Anstrengung, da jetzt noch Rapper für zu suchen. Es sind mehrere Gründe. Meine Beats sind auch manchmal so voll. Wenn ich den Rappern meine Beats gezeigt habe, meinten viele auch: „Der Beat ist zu voll. Da kann ich gar nicht mehr drüber rappen.“. Die sind halt schon so fertig für sich. Ich mach das jetzt schon seit vielen Jahren so, sehr viel instrumental. Ich hab früher auch Rap gemacht aber irgendwie hatte ich voll Bock auf das Soloding.

Also hast du vorher klar abgewogen zwischen den Vor- und Nachteilen, die Kooperationen mit sich bringen?

Suff Daddy: Es war von Anfang an klar für mich. Ich habe in den letzten Jahren nur Kollaborationen gemacht. Das hieß immer: Mit anderen Leuten arbeiten, Kompromisse finden, diskutieren. Darauf hatte ich einfach null Bock, sondern ich wollte in meinem eigenen Kämmerlein Musik machen.

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Dennoch ist der US-amerikanische Singer/Songwriter Mayer Hawthorne auf deiner Platte. Wie entstand die Zusammenarbeit mit dem Grammy-nominierten Artist?

Suff Daddy: Der Mayer Hawthorne-Song ist drauf gekommen, weil ich den seit ein paar Jahren kenne. Ich hab es einfach mal probiert. Ich hab ihm den Beat rübergeschickt und gesagt, dass ich ein neues Album mache. Also hab ich ihn gefragt, ob er Bock hat was drauf aufzunehmen. Vier Tage später hat er das dann zurückgeschickt. Da hatte ich also auch null Stress mit.

„Der Song ist dadurch die einzige Up Tempo-Nummer geworden und sticht heraus.“

„Paper Proclamation“ mit Mayer Hawthorne sticht im Vergleich mit den anderen Songs ziemlich hervor. War das gewollt?

Suff Daddy: Ich hab den Beat gemacht, der war erst so bei 80 oder 85 BPM. Dann bin ich zufällig an den BPM Slider bei ACID gekommen. Das geht ganz einfach. Da kannst du mit der Maus das Tempo einstellen. Das ist dann voll schnell geworden und ich fand das ziemlich geil und hab es einfach so gelassen. Ist gar nicht so schlecht, Sachen erst so langsam einzuspielen und dann schneller zu machen. Das so schnell einzuspielen, habe ich vielleicht gar nicht so drauf. Der Song ist dadurch die einzige Up Tempo-Nummer geworden und sticht heraus. Der ist also durch Zufall entstanden. Sonst kamen nur langsame smoothe Sachen raus. Das fand ich aber auch ganz gut, dass es so noch eine Abwechslung auf dem Album gibt.

Woher kommt dein Kontakt zu einem Superstar wie Mayer Hawthorne?

Suff Daddy: Da gibt’s so ‘nen Typen namens Robert Winter, ein Fotograf. Der hat auch alle meine Cover gestaltet und Pressefotos gemacht. Der ist auch ein guter Freund geworden in den letzten sieben, acht Jahren. Der ist down mit Mayer Hawthorne, weil der mal für ihn Fotos gemacht hat. Immer wenn Mayer in Deutschland ist, ruft der Robert an und meint: „Lass mal abhängen.“. Dann hat Robert einmal gesagt: „Ich kann nicht. Ich bin gerade mit Suff Daddy auf Tour“. Dann meinte Mayer Hawthorne: „Ach was. Ich bin Fan von Suff Daddy. Der ist aus Deutschland? Wusste ich gar nicht“. Er hatte mir auch mal einen Remix-Auftrag gegeben zu „Crime“ mit Kendrick Lamar. Das war schon geil. Seitdem sind wir in Kontakt. Dann hab ich gedacht: „Hey, probier ich einfach mal.“. Mayer ist auch super krass auf dem Boden geblieben, ein ganz normaler Dude ohne Allüren. Einfach Musikliebhaber.

Weiter geht’s auf Seite 2 („Birdsongs“-Sound, moderne Leistungsgesellschaft, 50 Cent und Literatur)

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Moin, ich bin Freddy aus der besten Vorstadt Berlins: Bernau. Rapliebhaber, Fussballfanatiker, Sneakerfreak. Immer unterwegs durch die weitläufige Medienlandschaft. Jetzt bei BACKSPIN. #WKM$N$HG?

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