Soundtrack: „Rubble Kings“ (Review)

Soundtrack Cover WP

Immer wieder dienen Filme als Inspirationsquelle für Rapper. Dass „The Warriors“ aus dem Jahre 1979 eine nicht selten genutzte Quelle ist, verwundert aufgrund der Thematik wohl kaum. Der Kultfilm über eine Gang in New York, die für eine Nacht zum Jagdobjekt der restlichen Gang-Landschaft wird, ist wie prädestiniert für die amerikanische Hip-Hop-Welt. Nun gibt es auch eine Dokumentation über die „wahren“ „Warriors“ und das düstere Gangleben im New York der 70er-Jahre. Dass es hierzu auch einen ordentlichen Soundtrack geben muss, ist quasi selbstverständlich. Schlussendlich war schließlich die Musik auch ein Ausweg aus dem Strudel der Gewalt zur Zeit der Gang-Kriege.

Produziert wurde das Album ausschließlich vom New Yorker Producer Little Shalimar, was der Homogenität des Albums sicherlich gut tut. Dieser zeigt sich nämlich auch für die eigentliche Filmmusik verantwortlich und kann somit die passende musikalische Atmosphäre zum Film garantieren. Diese bedient sich zu großen Teilen astreinem Funk and Soul, der direkt den Clubs der 70er Jahre entsprungen sein könnte und einen Mitten in die Epoche der „Warriors“ und ihrer Gegenspieler beamt. Garniert wird das Ganze mit Skits aus dem Film, die eine passende Einleitung zu den meisten Tracks liefern.

Damit neben drumlastigen Instrumentals („Bouncy 3“), die mitunter das Disco-Fever ausbrechen lassen („Partytime“), auch die notwendigen Gang-Geschichten zum Leben erweckt werden, hat man sich einer Reihe hochkarätiger MCs bedient. So liefern Killer Mike und El-P den explosiven Theme-Song „Rubble Kings Theme (Dynamite)“, was die Wartezeit auf ein weiteres Run-The-Jewels-Album umso schwieriger macht. Killer Mike gibt sich zudem auf „Savage Habits“ ein weiteres Mal neben Bun B und Cuz Lightyear die Ehre, um auf einem elektronisch angehauchten Beat das Biest im Mann rauszulassen. Weniger kraftvoll, aber dafür umso gewohnt düsterer geht es auf KasDelaney Card“ zu. Auf einem maßgeschneiderten minimalistischen Beat entführt uns Ka in ein aussichtsloses Gang-Leben, in Sachen Atmosphäre wohl der beeindruckendste Track des Albums. Was das Kopfkino angeht, darf in jedem Fall auch der Solo-Auftritt von eXquire nicht unerwähnt bleiben. Auf einem dominanten E-Gitarren-Riff begibt sich der Brookyln-MC hautnah in die Umwelt der verarmten und Drogenverseuchten Gang-Welt. Dagegen wirkt sogar der Auftritt von Ghostface Killah auf „Same Damn Thang“ geradezu gewöhnlich, was in diesem Fall allerdings keine Schande ist.

Generell bin ich bei Soundtracks eher skeptisch. Zu oft gilt das Prinzip der vielen Köche, die den Brei ungewollt verderben. Das Endergebnis ist eher ein Sammelsurium einzelner zusammenhangsloser Tracks, die den Bezug zum Film nur dürftig erkennen lassen. „Rubble Kings: The Album“ schafft es, dieses Manko mit Bravour zu umschiffen. Sicherlich ist es bei der Thematik auch etwas einfacher, allerdings wird durch die exzellente Sounduntermalung seitens Little Shalimar alles in einem passenden Gefüge gehalten. Dadurch entsteht einer der hochwertigsten Hip-Hop-Soundtracks der letzten Jahre – und das auch noch umsonst: „Can You Dig It?“.

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Daniel hat seine Ausbildung im Büro der Schädlingsbekämpfung gemacht und anschließend Informationswissenschaft studiert. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Rap4Fame ist er bei der Backspin gelandet und hilft seit 2011 als freier Mitarbeiter aus.

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