Die Meinung der Redaktion zu „Alle gegen Alle“ von Zugezogen Maskulin

Mit dem Debüt hätte es für Zugezogen Maskulin kaum besser laufen können. Der Feuilleton liebte „Alles brennt“, auch bei der Hörerschaft mauserte sich die Debüt-LP der Wahl-Berliner zu einer der beliebtesten Platten des Jahres 2015, danach wurde es wieder weitestgehend still. Einen Song mit LGoony und Enaka, ein weiter Freetrack, sowie erfolgreiche Live-Touren überbrückten mittlerweile beinahe stolze drei Jahre zum zweiten Album von Testo und Grim 104. Das kommt, wie auch der Vorgänger komplett ohne Unterstützung von außen aus, wurde wieder beinahe gänzlich von Silkersoft produziert und steht erneut im Zeichen der Auflehnung. Nach den besorgten Bürgern auf „Alles brennt“ geht es auf „Alle gegen Alle“ dieses Mal gleichermaßen dem Dorf-Bürgertum, wie den aufgesetzt individuellen Wahl-Berlinern und einer Fashion-Blogger-Generation an den Kragen. Wir haben „Alle gegen Alle“ besprochen. 

Zugezogen Maskulin – „Alle gegen Alle“ kaufen
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Das sagt die BACKSPN Gang!
  • 9/10
    Sabrina: "'Alle gegen Alle' war eines der wenigen Deutschrap-Alben, auf die ich mich dieses Jahr wirklich gefreut habe. Nach 'Alles brennt' waren die Erwartungen extrem hoch. Für meinen Geschmack wurden sie vollkommen erfüllt. Sowohl musikalisch, als auch auf individueller Künstlerebene, haben sich Testo und Grim nochmals gesteigert. Das Album vermittelt eine unvergleichbare Stimmung und spricht Themen an, die vermutlich jeder Mittzwanziger zu einem gewissen Teil nachvollziehen kann. Scharfsinnige Lines gemischt mit abwechslungsreichsten Hooks. Trotz massig Pessimismus ein Album, das Spaß ohne Ende macht. 'Der müde Tod' hat für mich definitiv 'Deutschrap-Track des Jahres'-Potential. Flasht auch nach tausendfachem Hören immer wieder aufs Neue." - 9/10
  • 8/10
    Yannick W.: "'Alle gegen Alle' ist, wie zu erwarten, ein scharfzüngiges, lautes und durchdachtes Album, das es gleichzeitig schafft, Einzelgeschichten zu erzählen und diese dennoch auf ganze Gruppen zu projizieren. In dem Punkt haben Testo und Grim dem Rest der Szene in Sachen Ausnutzen und Kombinieren der jeweiligen eigenen Stärken einiges voraus. Dennoch wirkt 'Alle gegen Alle' am Ende nicht so geschlossen wie der Vorgänger, was gerade der unentschlossene Sound in der zweiten Albumhälfte mit sich bringt. So springt man von 'Teenage Werwolf' über 'Nachtbus' bis 'Yeezy Christ Superstar' – für sich allesamt starke Songs – von Mood zu Mood. Der kohärente Vibe des Vorgängers bleibt ein wenig auf der Strecke. Dennoch: Wie die Handpan auf 'Der Müde Tod' in Zeiten von 'Monica Bellucci Type Beats' im Deutschrap in Szene gesetzt wird, ist wirklich stark und beschert uns einen der besten Songs der bisherigen Spielzeit." - 8/10
  • 9/10
    Josh: "Nach '#DIY' das nächste ganz große Highlight für mich. Nach 'Alles Brennt' hatte ich natürlich riesige Erwartungen, die letzten Endes sogar übertroffen wurden. Besonders positiv ist mir die Entwicklung von Testo aufgefallen. Der liefert auf meinem persönlichen Lieblingssong 'Vor Adams Zeiten' oder dem Titeltrack mit seinen angedeuteten Gesangs- und Schreipassagen die perfekte Ergänzung zu Grims düsteren Parts. Tracks wie 'Teenage Werwolf' oder 'Uwe & Heiko' lassen bei mir die Frage aufkommen, woher die beiden Zugezogenen das alles über mich wissen. Identifikation iz da. Lediglich 'Stirb!' und 'Nachtbus' werden von mir regelmäßig geskippt, da ich mich trotz Dauerschleife einfach nicht an die anstrengenden Hooks gewöhnen will." - 9/10
  • 10/10
    Yannick H.: "So langsam neigt sich das Rapjahr dem Ende zu – und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit haben Testo und Grim mit 'Alle gegen Alle' mein jetzt schon persönliches Highlight in 2017 abgeliefert. Zugezogen Maskulin geben sich auf ihrem zweiten Album gewohnt zynisch, gesellschaftskritisch und wortgewandt, und wissen, wie es den Zeitgeist einzufangen gilt. Sicherlich, der Sound ist etwas massentauglicher geworden, die Hook des Titelsongs ist nur ein gutes Beispiel dafür – aber bedeutet dies gleichzeitig Qualitätsverlust? Mitnichten. Denn das Rap-Duo hat die sprichwörtliche Schippe draufgelegt und weiß nur so vor Energie (Grim) und melodischen Vocals (Testo) zu strotzen." - 10/10
  • 9/10
    Jonas: "Bisher auf jeden Fall mein Album des Jahres! Was die Beats, Texte und Raptechnik angeht haben sich ZM wieder krass weiterentwickelt, allerdings immer noch so, dass man einen logischen Zusammenhang in ihrem bisherigen künstlerischen Schaffen sieht. Sie haben es trotzdem hinbekommen, mich was die Auswahl der abgehandelten Themen angeht, zu überraschen. Das ganze Album bewegt sich generell auf einem sehr hohen Level. Sie haben es hingekriegt, nicht die naheliegendsten Thematiken, welche in das Schema ZM passen würden, anzusprechen und abzuhandeln. Sondern sind sich nicht zu schade, selbstreflektierte – und kritische, aber auch vor allem persönliche Texte zu schreiben. Auf Tracks wie zum Beispiel 'Alle gegen Alle', 'Steine & Draht' oder 'Der müde Tod' kann man in meinen Augen nichts besser machen. In meine Augen schaffen Zugezogen Maskulin etwas, was jeder andere deutsche Rapkünstler anstrebt: Sie sind nicht die deutsche Kopie einer amerikanischen oder französischen Vorlage, sondern schaffen es ein komplettes eigenständiges und rundes Alleinstellungsmerkmal und Soundbild zu kreieren. Zu erwähnen bleibt allerdings noch, dass auch ein bis zwei Tracks auf dem Album sind, die mir ein bisschen zu anstrengend sind um sie jeden Tag 20-mal zu hören und ich mich auch über zwei bis drei Lieder mehr gefreut hätte." - 9/10
  • 8/10
    Niklas: "Die Sophmore-Platte von Zugezogen Maskulin schließt klar an 'Alles brennt' an, allerdings ohne die Platte nur aufzuwärmen. Angekommen auf ihrem Zenit sind ZM leider noch nicht. Textlich haben sich sowohl grim als auch Testo weiterentwickelt und zeigen an vielen stellen auf 'Alle gegen Alle', was ihre Mischung so stark macht: Testo erzählt detailfokussierte Geschichten, die von grim diese in messerscharfen Punchlines zerlegt werden, bestens zu beobachten in 'Yeezy Christ Superstar'. Allgemein steckt die Stärke des Albums in den Texten. Musikalisch wirkt 'Alle gegen Alle' dagegen eher wie eine Übergangsplatte, der man anhört, dass sie verschiedene Produktionsphasen und soundtechnische Blaupausen durchlaufen hat. Die vielen Experimente, seien sie gesanglicher oder beatstruktureller Natur, gelingen meistens, gehen aber auch ab und an sehr krampfhaft daneben, wie beispielsweise in 'Teenage Werwolf' oder 'Steine und Draht'. Allgemein hätte ich mir den kühlen und dystopischen Soundentwurf auf Albumlänge gewünscht, der Songs wie den Titeltrack oder 'Uwe & Heiko' zu den authentischen und zeitgemäßen Großtaten machen, die sie zweifelsohne sind." - 8/10
  • 9/10
    Lukas G.: "'Alle gegen Alle' fängt schon einmal gut an. Das Intro baut erstmal Spannung auf, knallt dann rein und ist die perfekte Einleitung für den darauffolgenden Song. Der dritte Song 'Uwe und Heiko' gefiel mir beim ersten Hören nicht so gut, hat mich aber nach mehrmaligem Hören sehr überzeugt. Mein Lieblingslied dieses Albums ist 'Steffi Graf' mit einer der besten Lines dieses Jahres: 'Es ist zwölf Uhr, du kaufst dir Supreme. Soll noch einer sagen ‚Rapper haben nix zu erzählen‘.' Insgesamt schafft es ZM, eingängige Hooks zu machen, die man einfach nur mitgrölen will. Silkersoft trägt hier auch einen großen Teil dazu bei, ein in sich stimmiges Album zu schaffen, bei dem lediglich 'Yeezy Christ Superstar' nicht so recht ins Gesamtbild passt." - 9/10
  • 8/10
    Jakob: "Nach 'Alles brennt' und fast drei Jahren Abstinenz kann mich auch "Alle gegen Alle" wieder überzeugen, auch wenn das Album, wie die Beiden schon sagten, mehr beobachtend ist als noch der Vorgänger. Trotzdem bleiben gesellschaftliche und politische Nadelstiche nicht aus. Diese werden mit sarkastischem wie ironischem Unterton, der mit schönem Wortwitz glänzt, vorgetragen. Auch das Soundgewand fügt sich nahtlos dem Vorgänger an, hat aber natürlich sein 'Update' bekommen. Stellenweise klingt das Album aber auch etwas eingängiger und dadurch massentauglicher, was es nicht zwingend gebraucht hätte. Trotzdem hat sich das Warten gelohnt und dass die Beiden nach so langer Zeit ohne Features und nur einem Dutzend Anspielstationen wieder zurückkommen, bestärkt mich nur in meiner Ansicht, dass die Beiden einen immens hohen Qualitätsanspruch an ihre Musik haben." - 8/10
  • 9/10
    Anna S.: "Der sonst so brachiale und markante Sound wurde, mehr als mir tendenziell lieb ist, hinten angestellt - dafür ist das Ganze durchgehend auf der lyrischen Ebene stark und kann damit den ZM-Charakter aufrechterhalten. Mir gefällt es aber auch mit den ungewohnten Klängen - vor allem 'Nachtbus' kann ich so absegnen." - 9/10
8.8/10

Kurzfassung

„Alle gegen Alle“ schließt sowohl künstlerisch als auch qualitativ an den Vorgänger an, auch wenn es strukturell etwas loser gehalten wird. Mit ihrem zweiten Album bleiben Zugezogen Maskulin weiterhin überzeugend.

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