Die Meinung der Redaktion zu „Love Hotel“ von Yung Hurn

Kaum ein musikalisches Phänomen sorgte in den letzten 18 Monaten für so viel Diskussionsstoff wie Yung Hurn. Mit seinem dadaistischen, verkappten Sprechgesang von vielen Hip-Hop Fans kritisiert, baute der Österreicher dennoch rasend schnell eine Fangemeinde um sich auf und lieferte mit „Bianco“ an der Seite von Rin im letzten Frühjahr schließlich den Hit, auf den sich doch irgendwie fast alle einigen konnten. Auch der Wille, keinen bekannten Weg zu gehen, war dem Wiener schnell anzumerken, so wurde das Jahr 2016 nach nur einer zwei Free-Tapes umfassenden Diskographie mit dem ersten Best-Of beendet. Bevor im Sommer dann das heiß erwartete Debütalbum erscheinen soll, präsentiert Yung Hurn allerdings erst einmal die neue EP „Love Hotel“, die bereits im vergangenen Herbst durch die erste Single angeteasert und maßgeblich in Zusammenarbeit mit Ex-Beatlefield-Hälfte Stickle entstand. Außerdem beteiligt an der Produktion waren HPF-Kumpel Lex Lugner und Bausa. Wir haben uns den Wegbereiter für das erste Album angehört.

Yung Hurn – „Love Hotel“ kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 6/10
    Niko: "Das ist irgendwie weder von der Ästhetik noch vom Sound meine Baustelle, aber ich sehe schon, wie gut hier die offensichtliche Botschaft und künstlerische Linie von Yung Hurn transportiert wird. Das wirkt schon, fesselt mich aber nicht so." - 6/10
  • 7/10
    David: "Auf 'Love Hotel' präsentiert sich Young Hurn um einiges erwachsener und selbstreflektierter als auf seinen bisherigen Projekten. Ansonsten schwebt Hurn wie gewohnt butterweich über die Beats und vereint Romantik und Kitsch auf seine ganz besondere Weise. Mit Bausa holt er sich ein Feature an die Seite, das sich perfekt in das Soundbild einfügt. Insgesamt besticht das Album mit seinem homogenen Sound und liefert wieder eine neue Facette von Yung Hurn." - 7/10
  • 8/10
    Yannick W.: "Genau die Platte, die Yung Hurn jetzt machen musste. Wie viel Kreativität und Können in ihm schlummert, hat er in den letzten Monaten unglaublich gut bewiesen. Aber manchmal braucht es eben einen Visionär wie Stickle, der die Ideen, Ansätze und Einflüsse ordnet und zu einem zusammenhängenden Projekt verschmelzen lässt. Und so findet sich auf 'Love Hotel' ein großer Genre-Pool. Der 'Cloud-Rap' der bisherigen Solo-Projekte wird mit Future-R’n’B, 80er-Sythies oder Afrobeat vermengt und einer kleinen Prise K.Ronaldo nachgewürzt. Man positioniert sich eine Hand breit abseits jeglicher Trends. Es gelingt der von Liebe, Sex und Herzschmerz durchzogenen Platte, nie zu sehr dem Kitsch zu verfallen. Neben der sphärischen Instrumental-Grundlage ist dies auch der hurnschen, bewusst Pop-Grenzen austestenden, Performance und schnörkellosen, reduzierten und unprätentiösen Texten geschuldet. Selten wurde Liebeskummer so nah und gleichzeitig so wenig greifbar präsentiert. Ein Feature hätte es da gar nicht gebraucht." - 8/10
  • 7/10
    Peter: "Einfach so bringt Yung Hurn dieses ein Album raus. Mich hat er damit überrascht, obwohl das ganze Soundbild doch so nah am - Achtung: Unwort - Zeitgeist ist, wie es nur geht. Vor allem die erste Hälfte von 'Love Hotel' geht mir wunderbar ins Ohr, bevor ich mich in der zweiten Hälfte etwas verloren fühle, welche jedoch wieder schön beendet wird. Meiner Meinung nach funktioniert die Mischung aus den Instrumentals, seinem gewohnten Texten und vor allem seiner Delivery, welche immer weiter weg vom klassischen Rap geht, erstaunlich gut. Dies ist vor allem seiner Kunstfigur geschuldet: Durch seine konsequente Selbstinszenierung klingt das gesamte Release beeindruckender weise nicht nach Klamauk. Krass." - 7/10
  • 8/10
    Sara: "Ich habe mich immer ein wenig geweigert mich auf Yung Hurn einzulassen oder mich mit ihm zu beschäftigen. Ein Fehler wie sich jetzt herausstellt. Bin unheimlich angetan von dieser atmosphärischen Platte. Die hat diesen schwerelosen und unbekümmerten, verstrahlten, ich-lass'-los-Vibe. Die Texte und die Vocals sind so moderat eingesetzt, dass sie eben die Kirsche auf der Torte sind und lassen dem Instrumental genug Platz zum wirken. Künstlerisch toll umgesetzt. Hut ab, Yung Hurn." - 8/10
  • 6/10
    Yannick H.: "Smoother Sound, der mich aber nicht so richtig in seinen Bann ziehen kann. Klingt über weite Teile zu kitschig und pathetisch und kommt mir vielleicht sogar zu überraschend daher. 'Diamant' und 'Vorbei' mit einem gut aufgelegten Bausa punkten bei mir, mit dem Rest kann ich mich nicht anfreunden. Hat auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung, aber zu 100% will sich mir das Phänomen Yung Hurn weiterhin nicht erschließen." - 6/10
  • 8/10
    Shana: "'Love Hotel' hat mich wirklich unheimlich überrascht. Es mag ignorant klingen, aber ich habe bei Cloud-Rappern wie Yung Hurn immer noch gewisse Vorteile, die mich denken lassen, dass eine gewisse Ernsthaftigkeit fehlt. Das muss keineswegs schlecht sein. Allerdings kam dann mit 'Love Hotel' eine so tiefgehende und atmosphärische EP daher, mit der ich wirklich nicht gerechnet hätte. Riesen Shoutout an Yung Hurn, gib mir bitte bitte bitte mehr davon. Achso und außerdem gibt’s Extrapunkte für das Bausa-Feature.“ - 8/10
  • 7/10
    Lukas: "Was ich auf jedenFall sagen kann: Ich bin überrascht. Ich war mir nicht sicher, ob Yung Hurn auf dem gesamten Projekt den 80er Band Stil einhält. Zum Glück hat er das nicht getan. Ein Album mit Love Songs, auf neudmodische Beats klingt nicht so ansprechend, wie es tatsächlich geworden ist. Auch, wenn die thematische Vielfalt nicht so ganz da ist, wird das von der hervorragenden Produktion und Yung Hurns Art überdeckt. Eine schöne Abwechslung vom Alltag." - 7/10
7.1/10

Kurzfassung

Mit seiner neuen Platte schafft Yung hurn es, einige zu überraschen, allerdings auch nahezu alle, zu überzeugen. Die Love-Songs wirken selten kitschig, auch die Produktionen kommen einheitlicher und strukturierter daher, als zuvor.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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