Die Meinung der Redaktion zu „1220“ von Yung Hurn

Als eine kunstgetränkte, elitäre Stadt sozialisiert Wien ihren Musikernachwuchs zwar früh mit Hochkultur, Kunst und Elitärem, gleichzeitig bietet genau diese Ausstrahlung der Stadt massig Anreize zur Rebellion. Wenn beides aufeinander trifft, dann entstehen Figuren wie Yung Hurn. Seit dem ersten Tape, das er dem 22. Bezirk seiner Heimatstadt widmete und dessen Dada-Hit „Nein“ für Jubelarien und Hasstiraden gleichermaßen sorgte, sind mittlerweile auch wieder einige Jahre vergangen. Eine Zeit, in der das Exil-Hanuschplatz Flow-Member mehrfach zeigte, dass er ein sehr eigensinniges Kunstverständnis an den Tag legt. Da gab es ein Treffen mit Daniel Richter, ein Auftritt auf dem Melt-Festival und in mehreren Kunst-Galerien als Love Hotel Band mit kitschigem Sythie-Pop und ein überaus absurdes Interview. Ein Album allerdings nicht. Bei einem rebellischen Freigeist wie Yung Hurn vermochte das kaum zu stören, mit seinen rein digitalen Free-Releases verkörperte er ohnehin eine Zeit lang einen Gegenpol zu herkömmlichen Musikindustrie. Nun folgt mit „1220“ trotzdem das erste große Release, das in seiner Entstehung nach außen einen durchdachteren Eindruck machte, als es die impulsiven ersten Platten noch taten. Wir haben die LP, die in Zusammenarbeit mit Stickle entstand, besprochen.

Yung Hurn – „1220“ kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 9/10
    Yannick W.: "Die Konstellation Yung Hurn und Stickle mutet ein bisschen wie das 2018er Update des Gespanns Trio/Vormann an. In seiner weiträumigen Inhalts- und Belanglosigkeit gießt '1220' die Scheiß-Egal-Attitüde, die Yung Hurn zum Internetphönomen machte, in Vinyl. Dabei besticht die LP durch kalkulierte Trivialität gepaart mit fein ausgearbeiteten Instrumentals. Das klingt mal nach provoziertem Unfall, mal nach fluffiger Romantik und damit immer wahnsinnig gut." - 9/10
  • 5/10
    Josephine: "Würde der Soundcheck nicht anstehem, hätte ich mir das Album nie im Leben aus eigener Motivation angehört. Irgendwie werde ich mit dem Genuschel und dem Stil von Yung Hurn nicht warm. Es gibt auf dem Album keinen einzigen Track, den ich feiern kann. 'Ok cool' ist nämlich mittlerweile auch schon ausgelutscht. Als Feature in anderen Tracks hat er mir bis jetzt besser gefallen." - 5/10
  • 8/10
    Josh: "Mein größter Dorn im Auge ist dieses furchtbar wacke Feature, das zwei skipbare Songs mit sich bringt. Ansonsten ist '1220' voller großartiger Lovesongs und überzogenem Kitsch, der dem Wiener aber völlig ernst zu sein scheint. Große Gefühle, ehrliche Verletzlichkeit, eine Prise Humor und eine Vortragsweise, die den Hörer jede Emotion spüren lässt. In Sachen Lovesongs sind Yung Hurn und Rin in Deutschland unangefochten die Nummer Eins." - 8/10
  • 9/10
    Jakob: "Unspektakulär gut, da fast schon die Hälfte des Albums releast wurde. Zwar geht '1220' ein wenig der rote Faden verloren, der bei 'Love Hotel' noch unschlagbar wie unverzichtbar war, doch wechseln sich Representer und Oberkitsch-Lovesongs sehr gut ab und merzen diesen fehlenden roten Faden aus. Bis auf die Tracks mit Jonny5 (wo hast du deinen Style aus 'Grauer Rauch' gelassen, Bruder?) gefällt mir das Album wahnsinnig gut. Und das liegt nicht nur daran, dass Hurn sich von Deutschrap 2018 abhebt, sondern weil das Endprodukt, möge es trotzdem sehr wirr und schlecht minimalistisch für neue Hörer sein, einfach abliefert. Immer noch sagt Yung Hurn sehr wenig, aber er drückt nach wie vor viel mehr aus. Ein alteingesessener Romantiker halt, wenn er nicht auf chemischen Betäubungsmitteln Groupies bespaßt." - 9/10
  • 7/10
    Alexios: "Ich hasse es ja, wenn die Hälfte des Albums schon vorher rauskommt. Dann kennt man die größten Hits schon und die restliche Hälfte ist im Prinzip nur Beiwerk. So geht es mir auch hier. Aber insgesamt ist ein stabiles Album mit noch etwas Luft nach oben." - 7/10
  • 5/10
    Kevin W.: "Die eigensinnige Ästhetik von Yung Hurn ist wohl auch das interessanteste an seiner neuen Platte. Durchzogen von wenigen Höhen und mehreren Tiefen wirkt sie dann am Ende einfach zu Dröge. Stärkere Tracks wie 'Mhm', 'Ok Cool' oder 'Eisblock' sind dabei, für ein spannendes Konzept hinter einem Album aber zu charakterlos." - 5/10
7.2/10

Kurzfassung

Erwartungsgemäß werden auch wir uns zum Debüt von Yung Hurn nicht einig. Die einen finden keinen Zugang zum vernuschelten Stil des Wieners, andere stoßen sich an der Promophase voller Auskopplungen. In der Summe seiner Teile überzeugt die Mischung aus Romantik und Ignoranz allerdings trotzdem.

Sag uns deine Meinung. Bewerte "1220" auf einer Skala von 1 bis 10.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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