Die Meinung der Redaktion zu „17“ von xxxtentacion

Während das XXL Magazine mit ihren alljährlichen Freshmen immer wieder junge Künstler und deren Musik ins Rampenlicht rückt, sorgt xxxtentacion für diese Aufmerksamkeit schon ganz allein. Beinahe im Wochentakt produziert der 19-jährige Musiker Skandale, die von Gewalt gegenüber seiner schwangeren Freundin über Konzert-Ausschreitungen bis hin zu kontroversen Musikvideos und Spoken Word Performances reichen. Doch während bei zahlreichen Skandal-Musikern die eigentliche Kunst auf der Strecke bleibt, schaffte der Jugendliche, auch mit seinem Debütalbum für Gesprächsstoff zu sorgen und damit ein direktes Gegengewicht zu den Negativschlagzeilen zu bilden. Denn neben dem erfolgreichen Einstieg auf Platz Zwei der US-Charts überschlugen sich die Stimmen der Fans und Kritik über das Album, dass sich stilistisch weit weg vom State of the Art platziert und Inspiration im Singer-Songwritertum suchte. Unsere Meinungen zu „17“ lest ihr hier.

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Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 8/10
    Yannick W.: "Kann man einem Künstler eine Plattform bieten, der mutmaßlich Gewalt gegenüber Frauen ausübt. Eigentlich sollte die Antwort darauf ein ganz klares Nein sein. Doch am Ende ist die Musik die dieser innerlich wohl vollkommen zerrüttete Jugendliche macht einfach wunderschön. Wunderschön in einer Art, wie Musik über inneres Leiden, das Erleben von Suiziden im direkten Umfeld und Zwischenmenschlichem Drama sein, vielleicht trifft es die Bezeichnung schaurig schön sogar noch besser. Mit dem Ausgraben und Rekontexualisieren vom Schaffen eines Shiloh Dynasty gelingt X ein Treffer direkt ins Schwarze, das unpeinliche Verschmelzen von LoFi-Gitarren, freistehenden Pianos und zurückhaltenden Drums, gepaart mit zerbrechlichem Gesang und Rap – auch wenn der auf '17' zugunsten der Kohärenz an Präsenz einbüßt. Einzig 'Fuck Love' mit seiner kühlen Trap-Ader stört das Gesamtbild und lässt den intensiven Vibe auf den rund 20 Minuten für einen kurzen Moment verpuffen. Trotz des moralischen Zwiespalts: Es ist ungemein spannend, wie viel ein gebrochener 19-jähriger dieser Szene geben könnte." - 8/10
  • 7/10
    Jakob: "xxx ist ein kaputter Mensch und das zeigt er auch nach außen hin. Das fängt schon bei seinem äußeren Erscheinungsbild an und geht bis zum Erhängen von weißen Kindern in seinen Videos. Natürlich ist vieles streitbar, gerade auch die ganzen Vorwürfe, die ihm angelastet werden. Doch hier geht es um Musik. Und '17' ist musikalisch einfach super spannend. Textlich wie soundtechnisch. Mal klingt es rockig, dann etwas nach Country, dann aber wieder nach Rap. Inhaltlich ist es wie erwartet - sehr düster, dystopisch, dunkel, xxxs Innenleben halt. Gerade bei diesem Release spielt die Länge der Platte eine entscheidende Rolle. Denn eine Stunde lang hätte ich mir das nicht anhören können. Aber so, auf 22 Minuten komprimiert, hat mir '17' gut gefallen. In Deutschland sucht man so etwas wie xxx vergeblich." - 7/10
  • 9/10
    Sabrina: "Intros wie auf '17' kannte ich bislang nur von mittelmäßigen Krimi-Hörbüchern und bis ich das Album das erste Mal ganz durchgehört habe, habe ich der Sache nicht wirklich viel Glaube geschenkt. Nach mehrmaligem Hören kann ich aber sagen, dass das Intro definitiv eine Daseinsberechtigung hat und man es ernst nehmen sollte. Wer keine Lust hat, sich auf die tiefen, vielschichtigen und dunklen Gedanken von xxxtentacion einzulassen, wird mit dem Album nichts anfangen können. Wer hingegen gerne mal abtaucht, um sich voll und ganz in kranken Welten anderer Künstler zu verlieren, kommt um '17' nicht rum. Seit Release ist es fester Bestandteil meiner Mediathek und wird da vermutlich auch noch eine Weile bleiben. Einzelne Lines auf dem 11-Track starken Album treffen heftig und harmonieren perfekt mit den Sounds, die einerseits extrem monoton sein können, aber trotzdem eine gewisse Vielfalt aufweisen. Einziges Manko ist die Länge der Songs, die nie länger als 2:45 Minuten sind. Eigentlich ein Künstler, den man aufgrund diverser Geschichten boykottieren sollte, den man aber nicht einfach ignorieren kann, weil er dafür einen zu guten Job macht. Ob der Mehrwert von Musik über dem Verhalten des jeweiligen Künstlers stehen sollte, muss letzten Endes jeder selbst entscheiden. Da es hier aber um das abgelieferte Album gehen soll, bewerte ich nur die künstlerische Leistung entsprechend meines Empfindens." - 9/10
  • 7/10
    Sara: "Wer sich entspannt zurücklehnen und sich gechilllte Mukke geben will, wird bei diesem Album nicht enttäuscht sein. Ich denke, es ist nicht ganz easy, einen konstanten Stil auf eine Platte zu bringen, ohne, dass es langweilig wird bzw. sich alles zu sehr ähnelt. Aber hier finde ich es gut umgesetzt. Definitiv ein in sich geschlossenes Projekt, was man auch hört, und dennoch genug Veränderung auf den einzelnen Anspielstationen. Smoother Sound, entspannte Klangfarbe der Stimme - ich kann es komplett durchhören, ohne, dass es mir irgendwie zu viel wird oder auf die Nerven geht. Thumbs up von mir." - 7/10
  • 5/10
    Marvin: "'17' sollte für X das Werk sein, welches ihn in der Rapszene 'offiziell' Fuß finden lässt. Für viele war er bisher nur diese mysteriöse Persona, die Fans schlägt oder über den Suizid spricht. Nun wollte er musikalisch beweisen, dass er mehr als nur die Personifizierung des Satzes 'Das ist nicht nur eine Phase Mama' ist, allerdings eher weniger erfolgreich. Kendrick Lamar bezeichnete das Album als 'Raw Feelings', was irgendwo auch richtig ist, den Hörgenuss allerdings nicht wirklich fördert, da es meistens eher eines ist: chaotisch. Songs, die eher wie Skizzen klingen machen mir am Anfang noch sehr viel Lust auf einen intimen Einblick, wirken allerdings nach dem 5. Mal abgedroschen. Sehr schade, da ich mir um einiges mehr erhofft hatte." - 5/10
  • 8/10
    Niklas: "Man merkt schon im gesprochenen Intro des Albums, dass es sich nicht um den alltäglichen Scheiß handelt bei '17'. xxxtentacion zeigt sich verletzlich und gebrochen. Die Songtitel allein zeugen von Depression, Tod und Resignation. Auf krass übersteuerte Bässe wartet man - zum Glück - vergeblich. Allerdings klingen auch die zumeist von Gitarren und Piano unterlegten Songs sehr roh produziert, was die Emotionalität der Platte fördert. Die Gitarren sind nicht glatt gezogen, Songs faden mit Sprachfetzen im Rückraum aus, 'Dead Inside' wurde direkt als Demo-Interlude auf das Album gepackt. Die ausproduzierten Songs 'Fuck Love' und 'Everybody Dies in Their Nightmares' fügen sich sowohl thematisch, als auch gesanglich in den Kontext ein. Das Album klingt wie der resigniert verkaterte Seufzer nach dem alles übertönenden Schrei, den 'Look at me' darstellte. Ein wirklich bewegendes, wie kaputtes Album, welches X hier aus dem Hut gezaubert hat. Leider muss ich zum Ende dieser Besprechung noch auf die Umstände eingehen, denen dieses Album zu Grunde liegt. Nämlich der Trennung von seiner Ex-Freundin, die dem jungen Künstler mehr als schwere Vorwürfe macht. Zwar haben sich diese noch nicht als bewiesen herausgestellt, dennoch rücken sie xxxtentacion und auch dieses Album in ein mehr als zweifelhaftes Licht. Dies löst wiederum die Frage aus, ob eine solche Vorgeschichte nun die Bewertung von Musik beeinflusst. Für mich tut sie das zumindest vorerst leider schon und macht mir das Album aktuell kaum hörbar. Allerdings soll die hier vergebene Note zunächst meine Meinung wiedergeben, die ich hatte, bevor die ganze Geschichte an die Öffentlichkeit gelangt ist. Bis die Umstände vollständig geklärt sind finde ich es trotzdem schwierig anzuhören." - 8/10
7.3/10

Kurzfassung

Mit „17“ präsentiert xxxtentacion trotz aller Kontroversen rund um seine Person ein beeindruckendes und tierschürfendes Debütalbum, mit dem er auf der einen Seite zwar den Vorschuss-Lorbeeren der Kritik gerecht werden kann, auf der anderen Seite aufgrund des Drumherums einen faden Beigeschmack hinterlässt.

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