Die Meinung der Redaktion zu Ufo361s „Ich bin 3 Berliner“

Aller guten Dinge sind drei, das ist schon seit jeher bekannt. Und wie könnte man einen Hype besser nutzen, als dem Tape, das eben diesen lostreten konnte, eine Trilogie folgen zu lassen. Dass die Aufmerksamkeit mit dem großen Finale einen Peak erreicht, dürfte dabei nur die wenigsten verwundern. Die Stil-Neuorientierung Ufo361s kann man nun, ziemlich genau ein Jahr nach dem Startschuss „Ich bin ein Berliner“ getrost als gelungen verbuchen. Nicht nur, dass die Songs des Trap-Ufos teils rund das zehnfache der Klicks zählen als noch zu Hoodrich-Zeiten. Auch einen Top 10 Erfolg mit ausschließlich digitalen Verkäufen konnten der Lokalpatriot aus Kreuzberg verbuchen. Und das spornt natürlich an. So holt sich U-F-O die oberste Riege des Deutschrap – zu der er sich mittlerweile wohl selbst auch zählen darf – als Unterstützer an seine Seite. Seine Berliner Dreifaltigkeit feiern mit ihm Sido, RAF Camora, Gzuz Haftbefehl, Yung Hurn, Xatar, Hanybal, Olexesh, Namika, Capital Bra und Joshi Mizu. Wir haben „Ich bin 3 Berliner“ besprochen.

Ufo361 – „Ich bin 3 Berliner“ kaufen

 

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 7/10
    Shana: "Ohne Scheiß: Ich war sowohl von 'IB1B' als auch von 'IB2B' wirklich geflasht und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen, als 'IB3B' angekündigt wurde. Im Endeffekt hört man auf dem dritten Teil der Trilogie die konsequent logische Weiterentwicklung vom Boy aus 361. Dass nicht plötzlich 4023929 neue Thematiken aus dem Boden schießen, die man auf einem Beat thematisieren kann, ist völlig verständlich und nicht weiter schlimm. Was hingegen schlimm ist: Warum zur Hölle machst du 27 Tracks? Du kannst noch so gut sein, mit einer Fülle von 27 Tracks ist die Gefahr, dass es austauschbar wird so groß, dass man sich als Künstler doch selbst ins eigene Bein schießt. Aber nun gut, er wird seine Gründe haben. Abgesehen von den Füller-Tracks bleibt Ufos Output aber genauso, wie ich ihn schätze: Ignorant und innovativ." - 7/10
  • 6/10
    Elias: "Ein klassischer Fall von 'nicht mein Geschmack'. Ufo bringt mit 'Ich bin 3 Berliner' ein sehr traplastiges Album, was aber auch klar war. Die beiden Vorgänger waren schon in dem selben Stil und den führt er fort. Ich verstehe, warum Ufo so erfolgreich ist – immerhin macht er genau das, was gerade gefragt ist. Mir ist das Ding, wie oben schon erwähnt, leider zu Autotune- und Traplastig. Für meinen Geschmack fehlen einfach die Lyrics und die Tiefe. Ich finde die Platte an sich sehr inhaltslos wobei es bei Trap ja eh nicht so um Inhalte geht, sondern eher um das Feeling. Leider ist mir das Album auch einfach zu lang. Um es dennoch objektiv zu bewerten, muss ich ihm auf jeden Fall lassen, dass er weiß was er macht. Er setzt das Trap-Ding super um und hat es geschafft, sich ein Wiedererkennungwert anzueignen. Ein bis zwei Tracks sind auf jeden Fall drin, die ich ganz gut finde, aber sonst leider überhaupt gar nicht das, was mich anspricht." - 6/10
  • 7/10
    Yannick W.: "Vorne weg: Auf 'IB3B' wird es mir persönlich zu viel. Das heißt allerdings nicht, dass das Tape schlecht ist – im Gegenteil. Denn auch wenn die Hit-Dichte im Vergleich zum Vorgänger zurück geht, ist der Abschluss Ufos Reihe weitestgehend gelungen. Verträumt aber entschlossen auf Drill-artigen Beats performend sticht Ufo aus dem aktuellen Trend-Sumpf entscheidend hervor, ohne sich abseits des State of the Art zu positionieren – seiner authentischen und unglaublich unterhaltenden Person sei Dank. Seine Glanzmomente erlebt das Tape genau dann, wenn Ufo und die Broke Boys mit Normen brechen. Seien es experimentelle Arrangements ('Der Pate'), sperrige, bitterböse Bretter als Single ('Mister T') oder beim Überstrapazieren des eigenen Flow-Klischees ('Für die Gang'). Warum trotzdem die anfänglich angesprochene Ernüchterung? Da wäre a) das wahrscheinlich hier ohnehin breitgetretene Thema der Überlänge und b) das daraus resultierende Problem der fehlenden Konstanz. Denn auch wenn Ufo textlich kaum thematische Ausbrüche wagt oder sich große Ausrutscher leistet, kippt der Vibe stellenweise. So gut wie keine der Kollaborationen auf dem Tape will wirklich zünden, mit Ausnahme von Gzuz, Sido und Yung Hurn geraten die namhaften Gäste samt der Songs, die sie eigentlich veredeln sollen, in Vergessenheit. Die RAF Camora-Zusammenarbeit 'Wann wenn nicht jetzt' schafft es sogar konkurrenzlos den Tiefpunkt der 27 Songs zu bilden, da passt wirklich überhaupt Nichts. Am Ende ist es aber auch eine Mixtape-Reihe und da herrscht in Zeiten von Streaming-Diensten einfach Track-Business. Dass er zurecht ganz Oben mitspielt, beweist er mit den starken Momenten des Tapes auf jeden Fall, dass man bei so vielen Schüssen nicht nur Treffer landen kann, allerdings auch." - 7/10
  • 7/10
    Marvin: "Ich beobachte Ufo seitdem er seine Hymne 'Ich bin ein Berliner' veröffentlicht hat. Seitdem kann man ihm langsam dabei zuschauen, wie er immer tiefer in seinen Film eintaucht und abgehobener, stylischer und ignoranter wird, was bei ihm aber alles positive Attribute sind. Für 'IB3B' hatte ich mir einiges erhofft, da ich seinen Sound schon immer sehr gut fand, da er sich ja auch bekanntermaßen stark von den Amerikanern beeinflussen lässt, was auch nicht verwerflich ist. Das große Problem wird sofort beim ersten Blick auf das Album klar: Die massive Tracklist. Es ist für mich völlig unnachvollziehbar, wie Ufo auf die Idee kommt, 21 Tracks (27 mit Bonus EP) auf sein Album zu packen. Für jeden Künstler ist das, meiner Meinung nach, ein Schuss ins eigene Knie, bei Ufo aufgrund seiner sehr ähnlichen Thematik in vielen Songs aber um so mehr. Durch eben diese vielen Tracks kommt man nicht wirklich zum Hörgenuss, obwohl die Tracks oft sehr stark sind. Beispiele hierfür sind 'Mister.T' oder das legendäre 'Für die Gang'. Diese Aufzählung könnte man so weiter führen, allerdings kommt so noch kein gutes Album zustande, da die Songs immer auf die ätzende Albumlänge gestreckt werden. Hätte er das Album auf 12, 13 Songs reduziert, hätte es ein Meilenstein in der 'IBxB' Reihe werden können. So sind für mich die guten Songs in der Masse untergegangen, was für so ein qualitatives Album schade ist." - 7/10
  • 6/10
    Jakob: "Nachdem 'IB2B' für mich eines der besten Releases 2016 war, ist der Nachfolger wirklich eine krasse Enttäuschung. Ich habe mir jeden Track einmal vorgenommen und ihn dann zur Sortierung einmal mit 'Brett', 'Schwach' oder 'Durchschnitt' bewertet. Somit kam ich dann nach einer ganzen Stunde auf folgendes Ergebnis. Sieben Bretter, neun schwache Songs und fünf Durchschnittstracks, die wenig bis gar nichts bei mir auslösen konnten. Schon bei Release der Tracklist wurde mir mulmig zumute, als ich von 21 bzw. 27(!) Tracks las. In Deutschland hat das wohl noch niemand geschafft, mit so vielen Tracks ein gutes Album abzuliefern. Ufo scheitert hiermit gnadenlos. Man hätte problemlos die neun von mir als schwach gewerteten Tracks rausnehmen können. Und dann hätte man noch zwölf Tracks, von denen mehr als die Hälfte richtige Bretter wären. Aber so, mit diesen 21 Track Werk, habe ich ein Album von dem mir ein Drittel gefällt, ein weiteres Drittel wirklich missfällt. Tracks wie 'Der Pate' und 'Für die Gang' sind so unfassbare Übertracks, aber dann holt einen mit 'Traum' und 'Wann wenn nicht jetzt' die harte Realität wieder ein. Dabei macht Ufo eigentlich vieles richtig. Schöne Melodien sind wieder einmal gegeben, aber textlich geht Ufo dieses Mal krass unter. Was auf 'IB2B' bei mir noch wunderbar geklappt hat, klappt nun gar nicht mehr. Ufos Lifestyle scheint sich auch etwas gewandelt zu haben. Etwas weg von der Straße, dafür mit viel mehr Glamour in seinen Texten – damit kann ich zu wenig anfangen. Bei den Adlibs war Ufo dieses Mal auch alles andere als innovativ. Jede dritte Zeile 'Jaja' – naja. Featuretechnisch gibt es wirklich fast nur große Namen, aber bis auf Gzuz, Yung Hurn und Sido kommt niemand nicht einmal ansatzweise gut weg. Das Namika Feature ist mir ein großes Rätsel, der Afrotrapausflug mit RAF war auch eher ein Eigentor. Deutschlands Straßenrapking Haft rotzt einen Part hin, Xatar habe ich nicht einmal wirklich wahrgenommen, obwohl er doch so eine krasse Stimmenpräsenz hat. Schade um das Potenzial von Ufo, schade um die ganzen Reihe. Nach einem guten, aber nicht ausgereiften 'IB1B', einem 'IB2B' auf dem Höhepunkt von Ufos Trapschaffen, ist dieses Album eine wirklich große Enttäuschung für mich. Vielleicht bin ich auch hier wieder zu kritisch und mecker auf hohem Niveau, aber gerade Ufo habe ich wirklich mehr zugetraut. Ich bin sehr gespannt, wie die Zukunft von Ufo aussehen wird, so ganz ohne Broke Boys. Die Beats von den anderen Produzenten waren oftmals auch gut, aber Ufo ohne Broke Boys? Das kann ich mir zurzeit noch nicht vorstellen." - 6/10
  • 7/10
    Anna S.: "Das Album knüpft, wie anhand der Aufmachung schon zu erwarten war, am Stil der Vorgängerwerke an. Eingängige Soundatmosphäre mit eigenwilliger Delivery. Der markante Charakter kann bei der Spiellänge aber nicht vollständig beibehalten werden – ein paar Wiederholungen hätten vermieden werden können. Dementgegen stehen aber ein paar starke Featuregäste, die mit ihren Parts den beständigen Sound auflockern." - 7/10
6.7/10

Kurzfassung

Zwar finden sich mit der Überlänge, thematischer Eingeschränktheit und teils zu unauffälligen Featuregästen einige Kritikpunkte an Ufos drittem Berliner-Mixtape, dennoch weiß uns die konsequente Art und das musikalisch hohe Niveau seit Ufos stilistischer Neuorientierung weitestgehend zu überzeugen.

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