Die Meinung der Redaktion zu „#DIY“ von Trettmann

Ein derartiges Märchen hat die deutsche Musikszene nur selten vorzuweisen. In der DDR der 70er und 80er Jahre großgeworden, entdeckt Trettmann mit der Volljährigkeit und einem Besuch im karibischen Jamaika Reggae und Dancehall für sich. Aber der Importversuch scheitert, Deutschland ist noch nicht bereit für den Karibik-Sound – auch nicht in Parodie-Form mit überpräsentem sächsischen Dialekt. 2016, drei Jahre dann dem letzten größeren Lebenszeichen, dann der Neustart. Aus Ronny Trettmann wird nur noch Trettmann, mit Soul Force Records Kumpel Fizzle formt sich das Kollektiv KitschKrieg um ihn herum. Mit unterkühltem Cloud-Sound gelingt es Trettmann dieses Mal endlich Fuß zu fassen, das Autotune gurgelt so schön. Als (vorläufigen) Höhepunkt eines Outputjahres, wie man es selten erlebt und das ganze drei Solo-EPs, ein Kollaboprojekt mit Megaloh und Auftritte auf einigen der wichtigsten Platten der Zeit hervorbrachte, gibt es nun das erste ganze Album ohne ‚Ronny‘ im Namen zu hören. Die Features könnten mit GzuzMarteria, Haiyti, RAF Camora & Bonez MC und Joey Bargeld kaum näher am Zeitgeist stattfinden, die Produktion und Visualisierung wurde natürlich – so wie alles, das mit dem Label ‚Trettmann‘ versehen ist – von KitschKrieg in die Wege geleitet. Und damit fand das Album seinen Titel im Produktionsprozess, in dem man komplett auf Hilfe von außerhalb der eigenen Kreises verzichtete – alles „Do it yourself“. Ob dieses Arbeitsprinzip aufgeht, haben wir besprochen.

Trettmann – „#DIY“ kaufen
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Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 9/10
    Yannick H.: "Mit 'Grauer Beton' vielleicht den Ohrwurm des Jahres abgeliefert, stellt der Chemnitzer sein Können auch auf Albumlänge unter Beweis. Gut, dieses fällt mit rund 37 Minuten Spielzeit zwar verhältnismäßig kurz aus, jedoch bringt '#DIY' so auch eine enorme Qualitätsdichte mit sich. In seinem Mix aus R&B, Soul und Dancehall gibt Trettmann viel von seiner Persönlichkeit preis. Dabei nimmt er den Hörer mit auf eine Reise durch die Vergangenheit, um letztendlich in der Jetzt-Zeit anzukommen, die vom fast schon surreal wirkenden Hype um den Mittvierziger geprägt ist. Unterstützung erhält Tretti dabei von illustren Gästen wie Marteria, Gzuz oder Haiyti, die sich makellos einfügen." - 9/10
  • 10/10
    Jakob: "Kurz und knapp. Das beste und perfekteste Album, was ich seit langer Zeit gehört hab. Alles stimmt, der Sound, die Texte, die Features, der Spannungsbogen. Ich liebe es, wenn ein Album seine Höhen und Tiefen hat. Und diese hier sind einfach unglaublich stark umgesetzt. Von der Lobeshymne ans Leben in 'Knöcheltief' bis hin zum alten Freund auf "Geh ran", der seine letzte Zuflucht im Selbstmord findet. Selbst der Track mit Bonez und RAF hat mich noch einmal abgeholt, obwohl mir der Sound schon zu den Ohren raushängt. So ein starkes Album habe ich seit "Russisch Roulette" nicht mehr gehört - und ich glaube sogar, dass ich es besser finde. Am liebsten würde ich dem Album eine Hundert geben. Großartige Arbeit, Tretti!" - 10/10
  • 9/10
    Niklas: "Trettmann schafft etwas, was es schon länger nicht mehr gab in der deutschen Hip-Hop-Szene: Fast alle können sich auf '#DIY' einigen. Der Kitschkrieg-Sound umarmt Trettmanns Stimme in Perfektion und kreiert in einer Melange aus Trap-Trends von Übersee und dem melancholisch ruhigen Blues vergangener Tage etwas sehr Neuartiges. Vor allem an den von Trettmann, sowie einem Großteil der modernen Rap-Generation, eher ungekannten, ruhigen Stellen überzeugt '#DIY' auf ganzer Linie. Die Ehrlichkeit und Trettmanns nüchterner Vortrag entwaffnen einen auf anhieb. Ebenfalls schafft es die Kitschkrieg-Familie, dass sich Gäste wie Protagonisten dem jeweiligen Song unterordnen. Es geht immer um den bestmöglichen Track. Das merkt man vor allem an 'Fast Foreward' mit Marteria. Hier trägt der Gast beide Strophen vor und füllt den Inhalt des Songs quasi im Alleingang. Trotzdem gliedert sich der Song grandios in die Platte ein und bringt gleichzeitig einen der wohl besten Marteria-Parts hervor. Man gönnt kaum jemandem wie Trettmann den Erfolg und den Wahnsinn, die diese Platte in den vergangenen Wochen völlig zurecht auslösen konnte." - 9/10
  • 9/10
    Sabrina: "Trettmann hat es auf DIY geschafft durch einfaches Erzählen ein unfassbar ehrliches und dadurch extrem glaubwürdiges Album zu erschaffen, das man in fast jeder Situation hören möchte." - 9/10
  • 9/10
    Yannick W.: "Hier hat wohl jeder Beteiligte die Vision gespürt. KitschKrieg versenken wunderschön melancholische Pianos oder karibische Gitarren in eiskalten, mechanischen Drums und verleihen dem Album gleichzeitig einen intensiven, nachdenklichen Grundtenor, der dennoch Tristesse und Kahlheit vermittelt. Und Trettmann, ja, der erzählt einfach frei heraus und zeigt, dass die simpelsten Bilder teils die packendsten sein können. Einsamkeit, Aufbruch, Verlust, Liebe, aber auch Erfolg und das Endlich angekommen sein prägen dieses Album, das sich jetzt schon zu den besten der letzten Jahre zählen kann. Mir persönlich fehlt zwar noch immer ein wenig der Zugang zum Sound, der mit RAF und Bonez kreiert wurde, dennoch passt auch dieser reine Dancehall-Auseißer gut ins Gesamtbild. Vielleicht würden Joy Division anno 2017 – zumindest stellenweise – genau so klingen." - 9/10
  • 10/10
    Josh: "Ein ganz heißer Anwärter für das Album des Jahres. Durch die ganze Platte zieht sich ein stringenter, stimmiger Vibe, den Trettmann durch seine Stimme und die eindringliche Erzählweise kreiert. Hinzu kommt, dass ich hier zum vielleicht ersten Mal von einer 'erwachsenen' Platte sprechen würde, ohne damit 'angepasst' oder 'langweilig' zu meinen. Sondern reflektiert, reif und durchdacht. Funktioniert sowohl im Club, in der Bahn, im Auto, nebenbei Zuhause – kurz: immer." - 10/10
  • 9/10
    Anna S.: "Mir gefällt der Minimalismus des Albums, der eine eingängige, langlebige Soundästhetik erschafft und Trettmanns nüchterner Delivery Melodie verleiht. Einschlägige, präzise Richtung - Sehr geschmackvoll!" - 9/10
9.3/10

Kurzfassung

Zu bemängeln finden wir an „#DIY‘ nahezu nichts. Trettmann schafft ein kohärentes, durchdachtes und emotionales Album über sein Leben, das kaum Fragen offen lässt und sich damit vorerst zu unserem besten Anwärter auf das Album des Jahres macht.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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