Die Meinung der Redaktion zu „Leben am Limit“ von SXTN

Frauen die auch gerne mal Pöbeln? Leider wenig erstaunlich sorgte das erste Auftreten von SXTN in der Szene für empörte Aufschreie bei zahlreichen Rapfans. Die Aufmerksamkeit mit nur einem, auf Anhieb Viral gehenden Videos bereits im Rücken, wurde nicht lange gefackelt, mit dem „Asozialisierungsprogramm“ wurde im Frühjahr 2016 eine Debüt-EP vorgelegt, die zwar nahtlos an den lauten Sound des Türeintreters „Deine Mutter“ anschloss, gleichzeitig aber auch durchaus durch reflektierte Texte aus Frauen-Sicht bestach. Rund ein Jahr ließen sich Juju und Nura schließlich Zeit für das eigentliche Debütalbum. Gemeinsam mit dem Hausproduzenten Krutsch entstanden 12 featurelose Songs, die erste LP „Leben am Limit“ war fertig. Wir haben das erste Lebenszeichen über volle Albumlänge des Berliner Duos besprochen.  

SXTN – „Leben am Limit“ kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 7/10
    Niels: "Nachdem ich durch das Video zu 'Deine Mutter' auf SXTN aufmerksam wurde, fiel es mir zunächst irgendwie schwer, so richtig warm mit den Berlinerinnen zu werden und ich muss zugeben, dass ich die Musik der beiden sehr schnell für mich unter 'durchschnittlichem Rap auf partytaugliche Beats' abgestempelt habe. Als ich dann aber die EP 'Asozialisierungsprogramm' ein paar mal öfter gehört habe, landete sie immer häufiger in meiner Playlist. Die großen Stärken waren für mich allerdings nicht etwa die Kifferhymne oder Geschichten übers Feiern, sondern vielmehr die gesellschaftskritischen Tracks wie 'Ich bin schwarz' und insbesondere 'Made 4 Love'. Ziemlich ähnlich verhält es sich mit 'Leben am Limit'. Sicher gehen 'Die Fotzen sind wieder da' und 'Von Party zu Party' live ordentlich ab, sollte ich mich auf meine Favoriten festlegen, würde meine Wahl allerdings auf 'Ausziehen' und 'Frischfleisch' fallen. Klar sind diese Songs mindestens genauso feiertauglich, was den Sound von SXTN auch zweifelsohne ausmacht, dieser Mix aus Partytrack mit kritischen emanzipatorischen Texten feier ich aber umso mehr." - 7/10
  • 7/10
    Jakob: "'Leben am Limit' ist ein starkes Debütalbum, welches Juju und Nura hier hingelegt haben. Vor allem Nura hat für mich raptechnisch seit der 'Asozialisierungsprogramm' EP eine krasse Entwicklung genommen, Juju gefiel mir da von Anfang an eh schon top. Leider finde ich es immer noch sehr schade, wie die beiden unter ihren Videos krass auf ihr Äußeres reduziert werden, auch wenn man zugeben muss, dass sie gerne und offen damit spielen. Man sollte trotzdem anerkennen, dass diese beiden Frauen einfach auch gut rappen können, welches sie auf einem super ausproduzierten und modernen Beatgerüst umso besser umsetzen können. Stellenweise ist sind mir die Gesangseinlagen zu einfach gestrickt und wirken noch poppiger, als sie manchmal schon sind. Thematisch ist es zwar nicht sonderlich vielfältig, doch SXTN schafft es oftmals, gleiche Themen mit einer etwas anderen Herangehensweise anzugehen - und das überzeugt. Tracks wie 'Bongzimmer' und 'Feuerzeug' gefielen mir fast am besten, da sie 'alltägliche' Probleme auf eine erfrischende Weise vortragen konnten. Ich frage mich nur jetzt schon, wie das zweite Album aussehen wird. Denn auf Dauer könnte das schmale Themengerüst etwas einbrechen. Achja und noch was: Zwölf Tracks auf einem Debütalbum? Perfekt!" - 7/10
  • 5/10
    Marvin: "Seit ihrem Aufstieg ist SXTN ja irgendwie überall ein Thema. Sexismus hier, Erotik da. Irgendwie finde ich die Beiden schon seit längerem cool, auch weil ich ein bisschen in Juju verliebt bin. Die Auskopplungen haben mich musikalisch bisher nicht überzeugt, weil mir das irgendwie alles Partylastig war. Nach mehrmaligem Durchhören ist das auch eher die Stimmung, die die Beiden transportieren wollten mit ihren Songs. Viel interessanter finde ich eigentlich die beiden Personen hinter der Musik, die es durch geschickte Inszenierung und das Spielen mit eben den Vorurteilen, die es schon immer im Rap gibt, geschafft haben, in die obere Liga der Rapper zu kommen. Und das eben in einer Domäne, die fast ausschließlich von Männern dominiert wird. Die Musik muss ja nicht jedem (mir) gefallen, weil die ja bekanntermaßen Geschmackssache ist. Die beiden Persönlichkeiten hinter dieser Musik, die es durch eine Mischung aus Sexappeal, Witz und Stumpfheit schaffen, mir eine (relativ) gute Bewertung rauszuleiern, obwohl ich die Musik halt nicht so geil finde, wird man in Zukunft vermutlich weiterhin auf der Bildfläche sehen können, und darauf bin ich gespannt." - 5/10
  • 7/10
    Yannick W.: "Diese bestimmte Attitüde der Beiden habe ich schon mit den ersten Songs mit offenen Armen in der Szene willkommen geheißen. Und nach der – zumindest in meinen Augen – großartigen ersten EP schließt das Album ziemlich gut an, denkt das Potential des Duos auch in Sachen Sound noch einmal weiter. Die Roughness von 'Asozialisierungsprogramm' wird stellenweise zurückgefahren, Anleihen aus Richtung Pop und Party-Sound pointiert eingesetzt. Dabei stechen besonders die Hochglanz-Produktionen von Krutsch hervor, die zwar eingängig und teils poppig, dabei aber immer noch laut und wuchtig ausfallen. Und ähnlich wie schon auf der musikalischen Visitenkarte werden neben den rüden Club-Bangern erneut durchdachtere Songs untergebracht, die, oft im schönen Kontrast zum Inhalt, genauso knallen, wie es die Singles tun. Und auch wenn, oder gerade weil das laute Auftreten, das Spielen mit Klischees um zu triggern, so einigen Rapfans massiv vor den Kopf stoßen wird, ein beachtlicher Einstand über Albumlänge. SXTN sind wohl endgültig in der Szene angekommen." - 7/10
  • 7/10
    Elias: "Mir fällt es auf der einen Seite sehr schwer das Album zu bewerten, auf der anderen Seite habe ich eine klare Meinung zu 'Leben am Limit'. Eigentlich wäre das, was Nura und Juju machen, gar nicht meins, allerdings feier' ich es, dass da zwei Frauen stehen die ernsthaft guten Rap machen und auch dahinter stehen. Objektiv ist es ein gut produziertes Album und auch technisch finde ich es gut. Den Inhalt der Lyrics kann man kritisieren, aber auch gut finden. Es ist ein Zwischending aus Sinnlosem und emanzipatorischen Botschaften, die nur oft falsch verstanden werden, was man gut unter diversen YouTube Videos sehen kann. Klar kann es auch sein, dass ich mich Irre, aber ich lasse das jetzt so stehen, da es für mich so rüber kommt. Wie auch immer die Message von dem Ganzen sein mag, fest steht für mich, dass es ein durchwachsenes Album ist, irgendwo zwischen der Etablierung von Frauen im Rap und 'wir geben einen fick auf Alles'. Dennoch ist es am Ende eine, im wahrsten Sinne des Wortes, runde Platte geworden." - 7/10
  • 6/10
    Peter: "SXTN. Das Berliner Duo, dessen erster Track trotz mehrer Tabu-Wörter dafür sorgte, dass Nura und Junu überall zwischen Circus HalliGalli und 1Live stattfinden. Ihre junge Diskografie war bisher beinahe makellos - ohne unangenehme Ausrutscher oder Skandale anderer Art. Daran kann auch ihr 'Leben am Limit' wenig ändern: Das klingt alles rund und erstaunlich ausgereift für ein Debüt. Meiner Meinung nach fehlt es SXTN aber innerhalb ihrer Musik immer noch etwas an Persönlichkeit." - 6/10
  • 7/10
    Cedric: "Ein weiser Mensch sagte einst 'Rap ist der Spiegel der Gesellschaft'. Dieser Spiegel scheint auch heute noch ein wenig unvollständig, da ein paar Scherben fehlen. Deshalb bin ich ziemlich froh, dass SXTN mit ihrem Album eines dieser fehlenden Teile zum Spiegel hinzufügten. So decken sie thematisch mit einer Mischung aus Hass und Humor recht viel ab, was sonst selten angesprochen wird. Das lässt sich leider nicht so ganz auf die Musik an sich übertragen. Auf mich wirken die Beats schon etwas angestaubt und auch der dauerhaft aggressive Ton mit recht ähnlich klingenden Flows hat mich auf Dauer angestrengt. Da war ich ziemlich froh, wenn die Stimmung auf Songs wie 'Bongzimmer' und 'Ich hab kein Feuerzeug' etwas ruhiger wird. Arg fällt das allerdings nicht ins Gewicht, da sich die beiden an die heilige Zahl '12', für Lieder auf einem Album, gehalten haben. Gespannt bin ich trotzdem, ob und wie die Beiden sich auf zukünftigen Alben weiterentwickeln." - 7/10
6.6/10

Kurzfassung

Mit ihrem Debütalbum lassen SXTN kaum etwas anbrennen, punkten mit entschlossenem Auftreten, gekonnt eingesetzten Pop-Anleihen und starken Produktionen. Lediglich der persönliche Geschmack und stellenweise auffallende Eintönigkeit schmälern ein ansonsten solides Gesamtprodukt.

 

 

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

1 Comment

  1. BeamSight

    29. Juni 2017 at 21:47

    Das ganze Album behält das typische, chaotische SXTN Soundbild. Worüber ich sehr froh bin, weil der Sound vom Asozialisierungsprogramm mich mitgenommen hatte und es mir gefallen hat, wie die Stimmen von Juju und Nura für den Sound zugeschnitten waren. Catchy, laut und dynamisch ist das Leben am Limit aber auch ein paar Tracks spiegeln das ruhige und melancholische wieder. …weiterlesen auf BeamSight.de

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