Die Meinung der Redaktion zu Stormzys “Gang Signs & Prayer”

Mit dem Vorwurf, den eigenen Hype verschlafen zu haben, sahen sich in den letzten Jahren mehr als nur eine Hand voll Künstler konfrontiert, oft zieht sich die Arbeit am ersten großen Projekt nach dem Medienhype für das so schnell vergessende Internet zu lange hin. Ein Vorwurf, von dem man meinen könnte, auch Stormzy hätte mit ihm zu kämpfen. Drei Jahre sind mittlerweile vergangen, seit der Londoner mit dem wütenden Rundumschlag „Shut Up“ einen Überraschungserfolg sondergleichen hinlegte und sich nach nur zwei Underground-Releases den Stempel „nächster Superstar“ abholte. Doch was folgte war Funkstille. Mit Ausnahme von Gastauftritten und Freetracks, die man an seinen Fingern abzählen könnte, kam nichts, das Debüt, auf das so viele warteten, ließ auf sich warten. Doch der Hype schien nicht abzuflachen, mit dem Release der Debütplatte „Gang Signs & Prayer“ gelang dem Briten ein weiterer Achtungserfolg für sein Sub-Genre: Die Nummer Eins als Independent-Artist. Für die Produktionen auf „GSAP“ zeichnet mit Adele & Ellie Goulding Producer Fraser T. Smith immerhin ein erfahrener und renommierter Popmusiker verantwortlich, an seine Seite holt der Lohnender unter anderem Kehlani, MNEK, Raleigh Ritchie und Wretch 32 zur Seite. Wir haben das Debütalbum besprochen.

Stormzy – „Gangsigns & Prayer“ kaufen

 

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 9/10
    Freddy: "Londoner Grime erklimmt den Gipfel der britischen Charts. Nachdem es Skepta letztes Jahr mit 'Konnichiwa' auf die #2 der UK Album Charts schaffte, gelingt Stormzy auf Anhieb die Pole Position. Mit seiner Debüt-LP 'Gang Signs & Prayer' wächst Mr. Skeng über sich selbst hinaus und puzzled den Bounce und die Energie des Grime-Genres ('Cold', 'Big For Your Boots', 'Mr Skeng') mit ehrlich-nachdenklicher Selbstreflexion zusammen, die den Zuhörer tief in Stormzys Gedankenwelt blicken lässt ('100 Bags', 'Don’t Cry For Me'). 'Gang Signs & Prayer' als Titel bringt das Konzept auf den Punkt und kommt mit einer angenehmen Gesamtspieldauer. Meine Highlights sind der R'n'B Banger 'Velvet' mit NAO und der melancholische Streicher-Riddim 'Don’t Cry For Me' mit Raleigh Ritchie. Alles in allem liefert Stormzy ein starkes und mutiges Debüt, bei dem er musikalisch weit über die Grime-Genregrenzen hinaus arbeitet.“ - 9/10
  • 8/10
    Yannick W.: "Da sind wir wieder bei der Nummer mit den Erwartungen. Denn mit denen bricht Stormzy über rund die Hälfte der gesamten Platte. Auf der einen Seite bekommt man seine grimey Ader geboten, die druckvolle, einschüchternde Seite des Londoners, der dich droht, zusammenzufalten, weil du nur die Marke seiner Uhr falsch aussprichst, die Seite, die man über die letzten drei Jahre kennengelernt hat. Auf der anderen Seite bekommt einen sehr reflektierten, in sich gekehrten Stormzy zu hören. Die treibenden Grime-Beats werden ersetzt durch cleane R’n’B-Drums und Gospel-Referenzen, umfassende Arrangements samt freistehenden Streichern und Orgeln. Stormzy scheut sich nicht, zu singen und berichtet von Hoffnung, Liebe, Familie. Und damit gehen er und Fraser T. Smith, der Musiker an seiner Seite genau den richtigen Weg. 'GSAP' läuft zu keinem Zeitpunkt in Gefahr, als ein erneutes Grime-Manifest im Schatten Skepats 'Konichiwa' zu verblassen, sondern schafft es viel mehr, die Grenzen des aktuell boomenden Genres in den Pop ein Stück weit neu auszuloten - und das als immer noch vollkommen unabhängiger Künstler. Die Frage, ob es vernünftig war, sich so lange Zeit für die erste Platte zu nehmen, beantwortet sich damit quasi von selbst.“ - 8/10
  • 7/10
    Cedric: "'Gang Signs & Prayer' ist eines der stärksten Debütalben, das ich in den letzten Jahren gehört habe. Stormzy zeigt sich auf dem Album so wandelbar, wie man es von anderen Britischen Künstlern aus der Grime Ecke kaum gewohnt ist. Viele der Songs klingen überraschend ruhig und melodiös. Trotzdem hat der Rapper viel zu erzählen. Das Größte #problem sind für mich die Ausflüge in Richtung Pop, die mir manchmal etwas zu seicht sind. Trotzdem macht das Album Lust auf mehr und lässt mich wundern, was Stormzy wohl in der Zukunft macht. Das Warten hat sich definitiv gelohnt." - 7/10
  • 8/10
    Yannick H.: "Nach Devlin der nächste Londoner MC, der eindrucksvoll eine Lanze für Grime bricht, sich aber auch darüber hinaus gut aufgestellt zeigt. Denn das Fundament von Stormzys Debütalbum besteht aus modernem, qualitativ hochwertigem produzierten R&B, der sich Themen wie der eigenen Herkunft und der Liebe verschreibt. Klingt kitschig und pathetisch, ist es aber mitnichten. Vielmehr werden Themen reflektiert und erwachsen behandelt, was letztendlich der Musik zugute kommt. Mit Songs wie 'Big for Your Boots', meinem persönlichen Highlight, oder 'Cold' sind Grime-Bretter aber weiterhin vorhanden." - 8/10
  • 7/10
    Sara: "Britischer Rap trifft meinen Geschmack leider gar nicht. Aber da muss man fair sein und objektiv betrachtet ist das Album ein top solides Teil. Ich feier lediglich den Akzent im Rap nicht. Sprache ist eine Sache, die ein Werk um 180° drehen und das Soundbild komplett verändern kann. Aber das ist nur 'ne persönliche Sache und Geschmäcker sind einfach verschieden. Die softeren Tracks wie 'Velvet / Jenny Francis' und 'Blinded by your grace Pt. 2' sagen mir da wesentlich mehr zu. Dafür, dass ich Britisch eben gar nich feiere, hat mir das alles in allem gut gefallen - das heißt was." - 7/10
  • 8/10
    Lukas: "Definitiv nicht das, was man von einem Stormzy Album erwartet hat. Die Schnelligkeit und Power, die von den ersten Tracks aufgebaut werden, werden schnell wieder gebrochen. Dann stellt sich ein schneller Wechsel zwischen Grime-Bangern und eher nostalgisch/melancholisch angehauchten Tracks ein. Zur Produktion und Stormzys Rapkünsten muss man denke ich nichts mehr sagen. Für meinen persönlichen Geschmack insgesamt etwas zu ruhig. Ich hätte mir noch mehr Action erhofft. Trotzdem #merky" - 8/10
  • 7/10
    Anna S.: "'Gang Signs & Prayer' schafft es Grime und R’n’B-Einflüsse klangvoll zu vereinen. Die vordergründig düstere und treibende Soundkulisse wird ab und an von wärmeren Klängen, wie auf 'Cigarettes & Cush', aufgebrochen, verliert dabei aber nicht an Fahrt – Mir gefällt dieses wechselseitige Soundbild, was nicht zuletzt auf Stormzys dominante Delivery zurückzuführen ist. Trotzdem überzeugt er mich mehr auf den grimelastigen Tracks, da diese seinen Flow treffender auffangen können, als die leichteren Songs." - 7/10
7.7/10

Kurzfassung

Mit seinem Debüt setzt Stormzy, entgegen vieler Erwartungen, nicht ausschließlich auf Grime-Sounds, sondern lässt auf “Gangsigns & Prayer” zahlreiche Einflüsse aus R’n’B oder Gospel unterkommen. So entsteht ein vielseitiges und Grenzen überschreitendes Projekt, an dem es kaum große Kritikpunkte zu finden gibt.

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