Die Meinung der Redaktion zu “Started from the Bottom/Krabbenkoke Tape” von Spongebozz

Schon mit seinem ersten Auftreten im Juliensblog Battle vor mittlerweile über vier Jahren polarisierte Spongebozz in der Netzgemeinde ungemein. Technisch unglaublich versiert, aber mit verstellter Stimme und im Spongebob-Kostüm rappte sich der “Newcomer” in dem Turnier prompt zum Sieg, fällt durch teils 20-minütige, durchgespittete Battletracks auf und kann mittlerweile hohe achtstellige Klickzahlen auf seinen Videos verzeichnen. Und auch der Sprung, weg vom Turnier-Rapper, hin zum Albumkünstler gelingt – zumindest kommerziell – auf einem bis dahin nicht dagewesenen Level. Mittlerweile ist das Geheimnis um die Identität des Schwamms gelüftet, das hartnäckige Gerücht, hinter der Maske stecke Kollegahs ehemaliger Weggefährte Sun Diego, bestätigt. Mit dem zweiten Album und einer noch größeren Fanbase als zu Zeiten des Debüts greift Spongbozz jetzt mit gleich zwei LPs an. Auf dem Doppelalbum, bestehend aus “Started from the Bottom” und dem Follow Up zum “Planktonweed Tape”, dem “Krabbenkoke Tape” battlet sich Sun Diego aka Spongebozz durch die halbe Deutschrap Szene und findet dabei lediglich vereinzelt Unterstützung durch den Sidekick Patrick Bang von der Bikini Bottom Mafia. Wir haben das 26 Song starke Release besprochen. 

Spongebozz – “Started from the Bottom/Krabbenkoka Tape” kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 4/10
    Yannick W.: "Ich kann das Phänomen Spongebozz - gleichwohl ich überhaupt keinen Zugang zu seinen Alben finde - absolut nachvollziehen. Trotz Maske verkörpert Sun Diego auf der neuen LP einen krassen Charakter. Wenn allerdings schon zu Beginn eines Doppelalbums auf überladenen Beats ein einziger Song mit EP-Laufzeit ohne Hook durchknallt, dann bin ich einfach raus. Skills on Top in allen Ehren, gehören für mich auch musikalisch-innovatives Gespür und durchdachte Struktur zu einem guten Gesamtprojekt - und das ist auch nach dem zweiten Release noch deutlich ausbaufähig. Wenn es dann doch melodiöser wird, bedient man sich entweder gängigen Club-Rezepten oder aktuellen Trendsounds à la KMN (die Sunny zugegebenermaßen bereits vor Jahren antizipierte) während eben dieser Stil permanent Kritik einsteckt. So ist 'SFTB/KKT' schon ab den ersten Minuten von Widersprüchen geprägt, wenn z.B. Drizzy oder Trend-Anbiedern und Frankreich-Anleihen angeprangert werden, gleichzeitig allerdings Drake sogar für den Albumtitel Pate steht und Hooks mit Autotune-Gesangspassagen sowie Anflügen von Latin- und Karibik-Riddims im Ohr bleiben. Wieso sich dazu ein 90er-Ausflug oder Sponge-Remixe zu Songs von Skrillex und sogar Slam! gesellen, macht das Sound-Rätsel perfekt, die inhaltliche Überzeichnung seiner selbst als Actionfilm-Charakter setzt dem Ganzen die Krone der Belanglosigkeit auf. Irgendwie wirkt das Projekt zu kalkuliert, dabei gleichzeitig aber zu einfallslos und unstrukturiert um wirklich hervorzustechen. Dass Sun Diego sich dessen ein Stück weit sogar bewusst zu sein scheint, zeigen allein die große Inszenierung und das Diss-Feuerwerk, die dafür sorgen, dass das Album zum Top-Gesprächsthema wird, die Musik selbst dabei allerdings zur Randnotiz gerät. Das Talent, die prägnante (und über zwei Stunden leider auch anstrengende) verstellte Stimme und das Standing würden einiges mehr zulassen. Als Untergrund-Artist vor noch einigen Jahren war Sun Diego derartige Innovationslust anzumerken. Mit der neu gewonnenen Fanbase würde ihm die sicherlich kein zweites Mal das Genick brechen. Warum sich also auf überbediente Trends verlassen, wenn man doch die Szene tatsächlich bereichern könnte? Ich weiß es nun wirklich nicht." - 4/10
  • 4/10
    Anna S.: "Ich kann dem Ganzen nicht viel abgewinnen. Abgesehen von ein paar starken Doubletime-Einlagen werden die Tracks von einer gewissen Monotonie überzogen. Sowohl die Aufmachung der einzelnen Stücke, als auch deren Inhalten sind wenig originell. Keiner der Tracks sticht aus der recht überladenen Soundkulisse hervor und sorgt somit für einen Mehrwert – lediglich die Samples wie auf 'Rhythem is a Gangster' oder 'Bikini Bottom Gangster II' sorgen für einen kurzen Earcatcher, treffen in diese Aufmachung aber nicht meinen Geschmack." - 4/10
  • 1/10
    Elias: "Um mich nicht lange mit irrelevanten aufzuhalten und trotzdem zu erklären, warum SpongeBozz mit seinem neuen Album ungefähr nichts richtig macht, fange ich bei der Länge an. 26 Tracks sind einfach zu viel, vor allem, wenn jeder Text so überladen ist, dass man das Gefühl hat sich in einem Actionfilm zu befinden. Das mag vielleicht dem einen oder anderen gefallen, zeugt für mich aber am Ende nur davon, dass versucht wurde mit viel, das Schlechte zu übermalen. Das funktioniert an dieser Stelle nicht ansatzweise und macht alles noch schlimmer, als es eigentlich ist. Auch bei den Instrumentals ist mir dasselbe aufgefallen. Sie sind überladen, hektisch und verschlucken meiner Meinung nach oft seine Stimme. Die Texte haben, außer dass er ab und zu andere Rapper fertig macht, keinen Sinn und keine sinnvolle Aussage. Durchgehend schießt er um sich und bringt eine Punchline nach der anderen, die allerdings in keinem Zusammenhang miteinander stehen und meiner Meinung nach zum Teil eher lächerlich sind als, dass ich mir denke - wow krass. Letztendlich ist es seine Musik in Verbindung mit einem Spongebob Kostüm, warum ich ihn nicht ernst nehmen kann." - 1/10
  • 3/10
    Marvin: "Man würde lügen, wenn man sagen würde, dass man an ein Spongebozz Album nicht mit einer gewissen Skepsis ran geht. Man hört hier und da, was der gelbe Herr da so treibt, hat sich aber noch nie wirklich umfassend informiert. Das tue ich jetzt, indem ich mir sein (leider wenig überraschend) ellenlanges Album anhöre. Ich hatte gehofft, irgendwie ein Wunder zu erleben und zu merken, dass ich all die Zeit falsch über den Schwamm gedacht habe. Ich war schon immer ein großer Fan des (alten) Kollegahs, und Sun Diego ist ja raptechnisch ja schon irgendwo da in der Ecke einzuordnen. Und damit kommen wir schon zur Wurzel des Problems: Warum sollte ich jemanden hören, der (inzwischen) wie eine schlechte Kopie des Originals klingt? Wer mag denn lieber Brillen von Ray Berry als die von Ray Ban? Superlange, verschachtelte Reime, Doubletime bis zum Erbrechen gepaart mit einer gewissen Arroganz. Das Erfolgsrezept, mit dem Kollegah damals berühmt wurde, bis ihm Sun Diego in die 'Bossaura' grätschte. Bei Kollegah war das damals cool, Sun Diego schafft es aber, jeden Reim irgendwie vollkommen belanglos wirken zu lassen. Die verschachtelten Reime sind oft zweckmäßig so weit hergeholt, dass sie einen irgendwie auch nicht mehr mitnehmen. Double Time war schon damals nicht mein Fall, das hat sich bis heute nicht geändert, dafür kann Sunny aber nichts. Interessant ist für mich auch, dass ich 'Bossaura' damals, mitsamt Autotune und Singsang, gefeiert habe. Auch, oder gerade wegen Sun Diegos Einflüssen. Irgendwann hat das finanziell für ihn mit dieser Schiene nicht geklappt, woraufhin er sich das Schwammkostüm angezogen hat, was ich schade finde. Im Zweifelsfall gilt also: Wenn man mit seinem eigenen Zeug nichts reißen kann, einfach hinter einem Kostüm verstecken und kopieren. Ganz schlimm auch die Beatauswahl: 'Palmen aus Plastik: Anfänge mit Garageband' wäre ein passender Kinotitel für die lieblosen 'afrikanischen' Rhythmen, auf denen man dann circa vier Wörter pro Sekunde über sich ergehen lassen muss. Nach all dem stellt sich mir nur die Frage, wie er damit so erfolgreich sein kann. Die nächste Frage die ich mir dann stelle, ist 'Bin ich einfach zu alt dafür?' Und genau diese Erkenntnis macht mir, obwohl ich Neuem gegenüber sehr offen bin, ein bisschen Angst für die Zukunft. Einsicht ist wohl doch nicht der erste Schritt zur Besserung." - 3/10
  • 5/10
    Cedric: "Auf dem Doppelalbum frühstückt Sun Diego rein musikalisch so ziemlich jedes derzeit beliebte Subgenre der modernen Hip-Hop Musik ab. Ob das dann noch wirklich ein Diss ist und beweist, dass er das alles genau so kann wie die anderen weiß ich nicht. Für mich klingt das eher austauschbar. Das ist auch allgemein das Problem mit dem Album. Auch wenn er rein technisch und textlich so einiges kann, wiederholen sich über die 26 Lieder immer wieder ähnliche Punchlines, es werden immer wieder dieselben Rapper gedisst. Außer dem dealen von Koks scheint SunDiego kaum ein eigenes Thema gefunden zu haben. Das scheint vielleicht mal durch, wenn er von seiner Lebensgeschichte erzählt, aber das ist auch nur das erste Lied. Klar, das ist Battlerap, aber trotzdem fehlt mir hier die Abwechslung." - 5/10
  • 3/10
    Jakob: "Ich habe Spongebozz nun 26 Lieder Zeit gegeben mich von seiner Musik zu überzeugen. Ich hatte da aber von Anfang an keine großen Hoffnungen und somit ist die große Überraschung ausgeblieben. Ja, rein technisch gesehen ist Spongebozz auf jeden Fall unter den Top Drei in Deutschland. Aber ich bin schon lange aus dem Silbenzählenrap raus und auch Double- und Tripletimepassagen können heute wenig bei mir auslösen. Aber ich muss auch sagen, dass die Qualität auf 26 Tracks, was ja wirklich viel ist (auch wenn es ja glaube ich ein Doppelalbum ist), stetig das Niveau halten kann. Es gibt so gesehen keine Wegwerf-Tracks, auch wenn mir kein einziger gefällt. Trotzdem catcht mich einfach nichts am Album. Weder Beats, noch die Texte beziehungsweise die 500 Disses gegen alles und jeden - es löst alles nichts aus bei mir. Ich bin aber auch nicht die Zielgruppe von Spongebozz, ich denke, dass dieser eher ein deutlich jüngeres Publikum anspricht. Und diese feiern den eigentlich immer noch recht profillosen Schwamm - auch wenn er durch sein Sun Diego Outing etwas an Profil dazugewonnen hat, richtig ab und das spiegelt sich dann auch in den Verkäufen wider. Denn Technik und Disses kommen beim Jungvolk halt super an, doch sollte es bei Rap nur um Technik und Disses gehen? Nein, ganz sicher nicht. " - 3/10
3.3/10

Kurzfassung

Mit seinem Doppelalbum kann Spongebozz in unseren Augen leider nur bedingt abliefern. Auch wenn “Started from the Bottom/Krabbenkoke Tape” konstant auf einem technisch sehr hohem Niveau stattfindet und durch prägnante Delivery hervorsticht, mangelt es sowohl inhaltlich als auch in puncto Sound-Unterbau an Kreativität und Alleinstellung.

 

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