Die Meinung der Redaktion zu „Mortem & Makeup“ von Sookee

Wirft man einen Blick auf die Riege politisch motivierter Rapper und Rapperinnen in Deutschland, steht Sookee in der ersten Reihe. Seit rund einer Dekade spricht die Rapperin ihre Meinung sehr offen und deutlich aus, macht sich stark gegen jegliche Form der Diskriminierung und ist damit neben ihrer Tätigkeit als Musikerin auch gern gesehener Gast in Talkrunden. Für die neue, mittlerweile vierte LP ändert sich diese Motivation nicht. Im Punkt der musikalischen Untermalung ihrer kritischen Texte sollte für dieses Album allerdings ein deutliches Maß an Professionalisierung stattfinden. An ihrer Seite findet man auf den insgesamt 13 Songs lediglich die Zugezogen Maskulin Hälfte grim104 und Sängerin Charlotte Brandi. Wir haben die neue LP besprochen. 

Sookee – „Mortem & Make-Up“ kaufen

 

  • 7/10
    Anna S.: "Sookee ist eine starke Rapperin. Mal präsentiert sie sich mit harter und präziser Delivery, dann wieder mit melodisch gesungenen Hooks – Autotune hätte man sich daher in den meisten Fällen sparen können. 'Mortem & Makeup' klingt gut durchdacht – Sehr abwechslungsreich, vor allem wenn man die Ebene der Vocals betrachtet. Keiner der Tracks macht den Anschein ein Lückenfüller zu sein – Jeder steht mit einer straighten Message für sich und findet mittels Sookees bildreicher Sprache Ausdruck. Was ich aber an der sonst sehr eingängigen Soundkulisse auf Dauer anstrengend finde, ist diese typische Untergrund-Abmischung, in der die Stimme stets etwas untergeht – Gerade weil das Album ansonsten sehr ausgereift klingt." - 7/10
  • 6/10
    Yannick W.: "Ich habe ein entscheidendes Problem mit Sookees neuer Platte: Ich lasse mir Meinungen ungern mit dem Hammer in den Schädel prügeln – und genau das macht 'Mortem & Makeup'. Das Album ist in seinem Umgang mit den Thematiken sehr offensiv, subtile Song-Konzepte oder einen zu suchenden doppelten Boden, wie es 'H*******n' bietet, findet man zu wenig, obwohl das, was Sookee kritisiert genug Raum für so etwas bietet. Das wirklich ärgerliche: Mit dem, was sie zu sagen hat, hat sie Recht, ihre Wut ist nachvollziehbar, ihre Kritik trifft die richtigen Punkte. Musikalisch findet das Ganze zwischen angenehm sperrig und anstrengend unabwechslungsreich statt. Allerdings scheint es auch nahezu unmöglich, das, was sie transportiert, massenkompatibel oder einfach zugänglich zu verpacken. Und irgendwie hört sich das hier alles schlechter an als ich es meine. Denn mit 'Mortem & Makeup' ist eine mutige Politik-Rap-Platte entstanden, die sich durch die Themenauswahl sogar innerhalb des 'Zeckenraps' noch einmal eine Nische gesucht hat und die durchaus für Denkanstöße sorgen kann."  - 6/10
  • 4/10
    Jakob: "Eigentlich bin ich Fan von Rap mit politischen Inhalten. Aber mit Sookes Album werde ich wohl niemals warm werden. Zwar gefallen mir an einigen Stellen die Texte und die Missstände, auf die sie hinweist, jedoch empfinde ich das Album musikalisch als unheimlich anstrengend. Ich war nach 45 Minuten froh, mit dem Album durch zu sein. Sookee kann weder mit ihrem Flow noch mit ihrer Stimme bei mir punkten. Obwohl ich eigentlich kein Fan von Alben mit zehn Features bin, würde ich mir hier schon fast mehr wünschen. Sookees Stimme und Stimmung hätten mich fast schon erdrückt, deswegen taten die beiden Features von grim104 und Charlotte Brandi gut. Beattechnisch kann ich dem Album auch nichts abgewinnen. Am Ende bleiben viele interessante Themen, die musikalisch grausam verpackt werden." - 4/10
  • 6/10
    Cedric: "Das Album klingt, was die Beats betrifft, wesentlich besser als die Vorgänger. Leider klingt Sookee, für mich, auf diesen zu oft wie jemand, der in der Universität Kurse zur Hip-Hop Kultur besucht hat. Das theoretische Wissen hat Fundament, aber irgendwie wirkt das dann doch oft realitätsfern. Zu verkrampft wirken die Versuche in wirklich jedes Lied eine Message zu packen. Zu gewollt wirken die Versuche 'rough' und 'real' zu klingen. Das wirkte für mich in Songs, wie 'You only die once' so, bei denen die Adlips so gezwungen 'cool' wirken, dass es beim hören unnatürlich wirkt. So klingt es oft so, als ob die Herangehensweise war, schlaue Sätze irgendwie auf einen Beat zu packen. Trotzdem finde ich es wichtig, dass es eine Künstlerin in diesem Genre gibt, der genau die Themen anspricht und der damit so kompromisslos ist, wie sie." - 6/10
  • 3/10
    Lukas: "Grundsätzlich sind die meisten Themen, die Sookee anspricht, wichtig zu thematisieren. In der Welt. In der Rapwelt sehe ich das allerdings überhaupt nicht und schon gar nicht auf Albumlänge und in so einer Verbissenheit. Es ist einfach viel zu viel in jedem Track und jeder Zeile zu hören, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und wenn du keine Schwulen magst, dann mag ich dich nicht. Alles Aussagen die okay sind, aber nicht so. Man bekommt das Gefühl, Sookee suchte eine Möglichkeit Leuten ihre Standpunkte reinzudrücken und ist über Rap gestolpert. Für mich ist das Musikalische und Künstlerische komplett in den Hintergrund gerückt und bis auf ein oder zwei Hooks, die dann auch Melodie enthalten, einfach weggelassen worden. Die Produktionen sind nach zehn Jahren im Game natürlich nicht grottig, aber ragen für mich definitiv nicht heraus und flowtechnisch war der ein oder andere Schnitzer drin, der es für mich wirklich anstrengend gemacht hat das Album zu hören." - 3/10
  • 6/10
    Niko: "Ich finde es äußert wichtig und erhellend für die Vielfalt von Rap, dass Sookee für ihre Werte einsteht und sie musikalisch thematisiert. Bei der Bewertung des Albums muss man aber zwischen Inhalt (Botschaft kommt an) und Performance (mitunter etwas zu sperrig für die Thematik) unterscheiden, was am Ende auch gemischte Gefühle hinterlässt: Ich folge ihrer Aussage, setze mich gern damit auseinander, da Musik aber auch Konsum ist, fehlt mir (bis auf das Grim104-Feature) ein wenig Abwechslung." - 6/10
  • 5/10
    Marvin: "Leider muss ich sagen, dass Sookee überhaupt nicht meinen Geschmack trifft. Der Rote Politfaden zieht sich, mal mehr mal weniger, durch das gesamte Album und führte bei mir des öfteren für ein zähes Hörerlebnis. Die Beats haben mir – bis auf wenige Ausnahmen ('Der Schrank', 'H*******n') – kaum getaugt, da mir keiner wirklich im Kopf geblieben ist. Mein persönliches Highlight war die Hook auf 'Absurdität', wo Sookee kurzerhand eine Autotune-Hook abliefert, bei der selbst Juicy Gay der Bucket Hat vom Kopf fällt. Ich bin mir sicher, dass Sookee sich inzwischen eine anständige Fanbase errapt hat, die dieses Album sicherlich auch feiern wird. Für mich ist es allerdings nichts, was sich in meiner Bewertung auch widerspiegelt." - 5/10
  • 6/10
    Shana: "Vorweg: Ich feiere Sookee für ihr politisches Engagement in der Szene, das steht außer Frage. Auch mit politischem Rap kann ich prinzipiell was anfangen, dennoch habe ich leider so meine Probleme mit 'Mortem & Make Up'. Zwar ist dieses Album schon wesentlich zugänglicher gestaltet als seine Vorgänger, dennoch sind die Inhalte stellenweise so komplex, dass es wahnsinnige Konzentration erfordert, dran zu bleiben und sich mit dem Album in Länge wirklich auseinandersetzen zu können. Es ist eben eine Frage der Intention, mit der man Musik hört und ich bin mir sicher, dass diese Platte ihre dankbaren Hörer finden wird. Ich höre Musik allerdings in erster Linie, um (nebenbei) unterhalten zu werden, hier ist 'Mortem & Make Up' nicht gerade ideal. Zuletzt möchte ich jedoch anmerken, dass sich Sookee technisch weiterhin auf einem soliden Level befindet und prinzipiell (stimm)technisch angenehm anzuhören ist. Lange Rede, kurzer Sinn: 'Mortem & Make Up' ist schwere Kost, ihr solltet euch dennoch mal die Zeit nehmen und euch selbst ein Bild von dem Album machen, denn verdient hat es das auf jeden Fall.“ - 6/10
  • 7/10
    Niels: "Als jemand, der sich in seinem Studium viel mit Gender Studies auseinandersetzt, war ich schon sehr gespannt, als ich von dem neuen Release von Sookee erfahren habe. Auch mir hat es in letzter Zeit besonders an Platten mit Inhalt und vor allem Haltung gefehlt. Das kann man Sookee nun wirklich nicht vorwerfen. Musikalisch trifft zwar nicht jeder Track zu hundert Prozent meinen Geschmack, dafür machen es allerdings die Inhalte wieder gut, die sich zum Großteil mit Themen auseinandersetzen, welche ruhig öfter meiner Meinung nach angesprochen werden dürften. Highlight der Platte ist für mich eindeutig die Single 'Queere Tiere'. Auf simple aber auch sehr intelligente Art und Weise wird hier all jenen Schlaubergern die Stirn geboten, die noch immer die Steinzeitmeinung vertreten, dass Homosexualität oder andere queere Lebensformen 'gegen die Natur' wären. Props dafür!" - 7/10
  • 6/10
    Peter: "Es fällt mir überdurchschnittlich schwer eine Meinung zu Sookees neuem Album zu verfassen. Erschwert wird dies durch ihren konträren Themen- und Soundkatalog. Manche Klänge und beschriebenen Szenarien sind nah an meiner persönlichen Ästhetik, andere gehen mir nicht ins Ohr. Dennoch bleibt auch nach wenigen Durchläufen sehr viel hängen. Allerdings springt sie mir zu oft zwischen verschiedenen Erzählperspektiven und ihre Produktionen stechen nicht durchgängig hervor." - 6/10
5.6/10

Kurzfassung

Mit ihrem neuen Album polarisiert Sookee in unseren Reihen. Während die einen die klare politische Botschaft auf ‚Mortem & Make-up‘ zu schätzen wissen, stören sich andere an der dadurch in den Hintergrund rückenden musikalischen Untermalung.

The following two tabs change content below.
Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.