Die Meinung der Redaktion zu „Rest in Peace“ von Sierra Kidd

Der nette Emdener Junge, der über die Probleme des Aufwachsens rappt, ist Sierra Kidd schon lange nicht mehr. Bereits mit der letzten LP „FSOD“ läutete der einen Stilwechsel ein, orientierte sich an modernen Sounds und warf offensichtlich einen Blick über den großen Teich. Um das Bild seines Kopfvilla-Ichs nun endgültig in der Wahrnehmung auszuradieren, steht nach der Grabrede auf der EP ‚B4Funeral‘ nun der Tod der Kunstfigur Sierra Kidds, wie sie über einige Jahre wahrgenommen wurde, an. Der Titel der Platte dementsprechend: „Rest in Peace“. Klanglich nah an Trends aus Übersee, tut er sich auf den 15 Songs neben seinem Team Fuck Sleep Kollegen Mena auch mit Danju und Pop-Jungstar Mike Singer zusammen. Wie sich das vorläufige Finale der Charakterentwicklung von Sierra Kidd macht, haben wir besprochen. 

Sierra Kidd – „Rest in Peace“ kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 7/10
    Lukas: "Ich muss zugeben, dass ich von Sierra Kidds ersten Gehversuchen und auch Veröffentlichungen nichts mitbekommen habe, denn zu der Zeit habe ich mich mit Deutschrap, vor allem dieser Art, überhaupt nicht beschäftigt. Nachdem ich mir rückwirkend ein paar Sachen angeschaut habe muss ich sagen: Zum Glück. Denn zu der Zeit hätte ich Sierra Kidd absolut nicht ernst nehmen können und das hätte sich wahrscheinlich auch sehr schwer ändern lassen. Umso besser, dass ich zu Rest in Peace dazugestoßen bin und unvoreingenommen sein kann. Bei Interviews schwanke ich wirklich jedes Mal zwischen mega sympathisch und ultracringe und ähnlich ist es mit der Musik. Zwar bezieht er all seine Inspirationen und Einflüsse aus den gleichen Quellen wie ich, trotzdem wirkt es manchmal einfach nur zu hart versucht. Trotzdem kann ich mindestens die Hälfte der Tracks extrem feiern, vor allem 'Go Go' und 'Shots' sind meine Favoriten und wenn er selbst sagt, es gibt in Deutschland grade niemanden der macht, was er und sein Team machen, muss ich ihm recht geben. Ob das jetzt positiv oder Cringy ist, hängt von der Situation ab, mutig ist es aber so oder so. PS: Ich habe an einigen Stellen hier erst ähnlich viele Anglizismen wie Kidd geschrieben, sie aber dann der Seriosität wegen mit dem deutschen Äquivalent ersetzt. Wer sie alle findet, bekommt eine Hohe Fünf." - 7/10
  • 6/10
    Anna S.: "Sehr stilvolle, atmosphärische Soundkulisse, die mit kühlen und dennoch melodischen Elementen einen markanten Rahmen um die Tracks spannt. Das hohe musikalische Niveau kann mit den Lyrics allerdings nicht beibehalten werden - überwiegend oberflächliche Thematiken und abstruse Lines zieren die Instrumentals und schwächen das Gesamtwerk in meinen Augen erheblich. Trotzdem präsentiert Sierra Kidd auf diesem finalen Album einen starken, charakteristischen Sound, der trotz zeitgenössischer Linie eine eigene Richtung einschlägt." - 6/10
  • 7/10
    Jakob: "Das Movement um Sierra Kidd und seine Fans kann ich absolut nachvollziehen. Da ist so ein 20-jähriger Junge mit Facetats und macht einfach das, worauf er Bock hat, ohne Rücksicht auf Verluste. Beattechnisch fand ich das ziemlich grandios für deutsche Verhältnisse, also gerade, weil es ja sehr nah am amerikanischen Trap gehalten ist. Auch Sierra Kidd flowt gut und variabel durch die Songs und verleiht durch seine Texte, die zwischen mystisch und Nonsense hin und her schwenken jedem Song sein Alleinstellungsmerkmal. Von der Länge her ist das Album auch nahe zu perfekt, mit "Don't do it Juri" setzt er dem Ende noch ein schönes und emotionales Ende. Schlussendlich scheidet "Rest In Peace" einfach am persönlichen Geschmack, da mich die krassen Sprachwechsel auf Dauer nerven und Kidds Style, so einzigartig er in Deutschland auch sein mag, anstrengend werden kann. Trotzdem, Kidd bereichert die deutsche Rapszene mit diesem Album ungemein." - 7/10
  • 8/10
    Marvin: "Sierra Kidd hat ja momentan irgendwie einen schweren Stand in der Szene. Seine Interviews sind im Internet momentan Opfer zahlreicher Memes geworden, was er natürlich auch zu einem großen Teil selber Schuld ist. Ungeachtet all dieser Tatsachen muss man sich natürlich immer fragen, inwieweit die Persona des Künstlers in den Gesamteindruck des Albums hineinspielt. Für mich ist Sierra Kidd irgendwie das, was mit mir passieren würde, wenn ich in so einem jungen Alter plötzlich berühmt werde. Okay minus ein paar Anglizismen und vielleicht ein Facetat weniger. In Anbetracht dieser Tatsache gilt für mich bei dem Album fast ausschließlich das Musikalische, ungeachtet seiner teilweise echt bizarren Vorstellung in diversen Interviews. Wo soll ich anfangen? Kidds Album ist für mich eines der besten Deutschrap-Releases dieses Jahr. Pause. Statement. Mir ist Deutschrap dieses Jahr an sehr vielen Stellen zu ähnlich zu dem, was momentan halt so in ist. Kidd, natürlich krass von den Amis inspiriert, bringt einen Sound, den so kein anderer macht. Ich bin eben großer Fan vom Amisound, und wenn mir jemand den, in einer abgewandelten Form, das es auf deutsch cool klingt, bringen kann, wieso sollte ich das nicht feiern? Mindestens 60% des Albums sind für mich absolute Kracher, angefangen bei 'Cutthroat', über den verspielten 'GoGo' Beat bis hin zu 'Ic Ic', einer meiner liebsten Deutschraptracks dieses Jahr. Seit 'Xanny' macht Kidd für mich genau die Musik, die mir im Afrotapverseuchten Deutschland momentan fehlt, ungeachtet seiner oft absurden Interviewvorstellungen. Solange er nicht ausfallend wird, kann er von mir aus noch weitere Jahre über gefangene Körper reden, wenn die Musik dabei so gut bleibt." - 8/10
  • 6/10
    Elias: "Das neue Ding von Sierra Kid hat einen ganz bestimmten Vibe, mit dem ich zwar nicht wirklich viel anfangen kann, jedoch verstehe ich die Hörer sehr gut, die es feiern. Viele Samples auf dem Album - wenn es welche sind - finde ich sehr gut gewählt und fangen den Vibe perfekt ein. Textlich finde ich es mittelmäßig. Sinnvolle texte findet man hier nicht viele, aber das braucht das Album auch nicht meiner Meinung nach. Was mir auch gut gefällt ist, dass es etwas Eigenes hat und nicht wie 90 Prozent der anderen, neuartigen Deutschrap-Alben klingt. Im Endeffekt ist die Platte sehr gelungen, auch wenn es nicht meinen Geschmack trifft." - 6/10
  • 8/10
    Yannick W.: "Ein bisschen beeindruckt war ich ja schon, wie konsequent sich Sierra Kidd in den letzten 10 Monaten in meiner Wahrnehmung aus der Versenkung zurückgekämpft hat. Begonnen mit dem gelungenen 'B4Funeral', machte mich Sierra wirklich  neugierig auf 'Rest in Peace' und das, was danach passieren könnte. Und 'Rest in Peace' ist mit Blick auf die vergangenen Monate der Karriere des 20-jährigen einfach nur ein mutiges Rap-Album, das ich in dieser Konsequenz nicht erwartet hätte. Auf düster wummernden Beats, zumeist von Alecto beigesteuert, liefert Sierra eine Trap-Platte ab, die in puncto Vibe beinahe auf internationalem Niveau stattfindet und sich trotz seiner Kleinstadt-Herkunft selten einem US-Rap-Lebensstil anbiedernd anhört. Denn ich kaufe ihm nunmal diese leicht abgefuckte All-In-Ader ab, dieses 'Jetzt oder nie'-Gefühl in Kombination mit einer Menge Drogen und den Lobsängen auf seine Gang. Die 180° Kehrtwende ist in diesem Fall nicht nur geglückt, sondern stellt auch eine immense Qualitätssteigerung. Sierra Kidd ist Tod! Lang lebe Sierra Kidd!" - 8/10
  • 7/10
    Cedric: "Wenn man keine Heimat kennt und der einzige Ort an dem man machen kann, was man will und akzeptiert wird das Internet ist, entstehen viele Probleme. So identifiziert man sich zum Beispiel zu sehr mit einem Ort, der keiner ist. Je mehr man sich dort hineinsteigert, desto weiter entfernt man sich von dem, was für die meisten 'echt' ist. Keinem Album (mit Ausnahme von 'Because The Internet' ,da war es aber Programm) habe ich das jemals so sehr angemerkt wie diesem. Der Klang der Beats, die Adlibs, die Anglizismen, all das sind Dinge, die die geneigten (T)Rap-Fans meines Alters tief verinnerlicht haben. Da wundert es kaum, wenn all das wiederverwertet wird. Mir fehlt dabei leider oft ein eigener Anstrich, der zwar durch die durchgehend düstere Stimmung irgendwie anklingt, aber höchstens auf 'Sensor' und 'Don't do it Juri' wirkt es auf mich wirklich so, als hätte Sierra Kidd zwischen den ganzen anderen, seine eigene Stimme gefunden." - 7/10
7/10

Kurzfassung

Mit „Rest in Peace“ schafft Sierra Kidd es, uns beinahe gänzlich zu überzeugen. Die US-inspirierte, düstere Soundkulisse grenzt sich trotz Trend-Nähe von übrigen Deutschrap-Releases ab. Lediglich die zahlreichen Anglizismen gepaart mit dem Auftreten des Nachwuchs-Rappers sorgen stellenweise für unangenehme Momente.

 

 

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