Die Meinung der Redaktion zu „Sentinos Way 3“ von Sentino

Die Karriere von Sentino ist seit über einer Dekade geprägt von Berg- und Talfahrten. Erstmals einem großen Publikum durch seine Auftritte auf Bushidos zweitem Soloalbum „Electro Ghetto“ bekanntgeworden, entwickelte er sich Mitte der Nullerjahre zu einem Act, der besonders von der Kritik gefeiert wurde. Zahlreichen geschäftlichen Pannen und Labelpleiten zum Opfer gefallen, blieb ein kommerzieller Erfolg nach den Mixtapes „Sentinos Way“ und dem zweiten Teil, sowie dem Debütalbum „Ich bin deutscher Hip-Hop“ noch immer aus. Einige Jahre später – in der Zwischenzeit war der Berliner abgetaucht – meldete er sich schließlich mit seinem zweiten Album „Stiller Westen“ zurück, schaffte es allerdings erneut nicht, dem ihm zugesprochenen Talent gerecht zu werden. Dann wieder ein Schnitt. 2016 taucht er an der Seite von Fler wieder auf der Mattscheibe auf und lieferte mit „Unterwegs“ wahrscheinlich einen der Hits des Jahres, nur um sich – trotz eines bereits angekündigten Mixtapes –  danach erneut abzusetzen. Mittlerweile öffentlich mit Fler zerstritten, gibt es eben dieses Mixtape zu hören, den dritten Teil der Reihe „Sentinos Way“ mit der die Solokarriere startete. Gäste sucht man vergebens, die Beats darauf stammen weitestgehend von PhatCrispy. Wir haben das neue Mixtape besprochen. 

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Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 4/10
    Lukas: "Relativ kurz gesagt finde ich das Album sehr... austauschbar. Es gibt wirklich nichts, was ihn aus meiner Sicht in irgendeiner Weise eigen macht und ihm einen Vorteil gibt gegenüber anderen. Produktionen sind in Ordnung, Flow ist, bis auf ein paar holperer an manchen Stellen auch okay, aber eben alles nur durchschnittlich. Ein Album, was meiner Meinung nach auch jeder andere hätte machen können, wenn ihm die gleichen Mittel zur verfügung stehen. Wirklich nichts besonderes." - 4/10
  • 5/10
    Niko: "Mit 'Unterwegs' hat er mich 2016 überrascht und Deutschrap geprägt, dieses Mixtape hier ist dagegen leider zu wenig griffig. Mir fehlt es an Highlights." - 5/10
  • 6/10
    Yannick W.: "Ganz egal, was dort vorgefallen ist, dass es mit Maskulin nicht geklappt hat, ist genau so schade, wie bezeichnend für die Karriere Sentinos. Ich habe das Gefühl, unter dem Mantel Flers hätten wir es bekommen können, das eine Sentino-Album, das wir uns alle wünschen. Doch man hört 'SW3' seine Unfertigkeit an, ähnlich wie schon auf 'Stiller Westen' wirkt es nicht zu Ende gedacht. Den Produktionen fehlt der letzte Schliff, das ganze Tape fühlt sich eher nach Selbstzwang als nach Lust an. Die Leichtigkeit eines 'La Vida Loca' will einfach nicht aufkommen, sogar der Flow holpert hier und da. Demgegenüber steht Realtalk, ein Sentino, der sich selbst über das bisherige Scheitern seines Weges als 'Wunderkind' bewusst ist. Nur leider wird das so unattraktiv verpackt, dass es diesen Werdegang noch einmal unterstreicht. Das ist zwar nie wirklich schlecht, aber eben am Ende einfach mittelmäßig. Selten schwingt beim Hören eines Releases so viel Wehmut mit, wie hier, dennoch ist es schön, sich alte Glanzstunden an der Seite von Kid Kobra in den Kopf zu rufen. So bleibt 'SW3' nur ein weiteres Beispiel dafür, dass es nicht nur auf den Künstler, sondern eben auch aufs Businessumfeld ankommt." - 6/10
  • 5/10
    Anna S.: "Abgesehen von ein paar Ausnahmen wie 'Kopf über Herz', ist das Ganze sowohl inhaltlich, als auch musikalisch sehr beständig und stimmig. Die Abrechnungs-Thematik wird hier und da durch klassische Straßenrap-Elemente gelockert - Trotzdem ist das alles sehr vorhersehbar. Für meinen Geschmack etwas zu festgefahren und daher auch wenig spannend." - 5/10
  • 4/10
    Sara: "Ich muss mir immer noch die Frage stellen, was Sentino mit dem Album ausdrücken will. Zusammenhanglos und irgendwie alle Stile durchprobiert. Das, was am Ende hängen geblieben ist, ist der schlechte Fler Diss. Ein vermeintlich harter Diss auf einen laid back sommertauglichen, entspannten Beat? Wie kommt man darauf, dass so etwas den richtig Vibe transportieren könnte? Funktioniert nicht. Egal mit welcher Verteidigung. Naja, insgesamt wurde ich leider unbeeindruckt zurückgelassen." - 4/10
  • 5/10
    Cedric: "Darüber, dass Sentino einer der begabtesten deutschen Rapper ist, muss man nicht mehr reden. Leider klingen die Beats auf dem Tape für mich manchmal etwas altbacken. Auch die Texte der Songs können mich nicht immer mitnehmen, da sich manche Themen all zu oft wiederholen. 'SW3' ist nicht die Abrechnung mit deutschem Rap geworden, die ich mir erhofftt hatte, zeigt aber mal wieder, dass Sentino auf einem 'richtigen' Album immer noch mit den meisten mithalten könnte." - 5/10
4.8/10

Kurzfassung

Mit seinem neuen Tape schafft Sentino es weder, uns zu überzeugen, noch an die Vorgänger der Reihe anzuknüpfen. ‚SW3‘ wirkt in puncto Sound nicht zeitgemäß genug und fällt auf inhaltlicher Ebene zu einseitig aus.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

2 Comments

  1. Sentinofan

    29. März 2017 at 22:36

    Wenn mit Flerdiss die Zeile mit dem „ich wollt wie Fler sein, […] wurde zu meim Erzfeind“ gemeint sein sollte, dann ist das meiner Ansicht nach kein Diss. Für mich klingt da eher das Bestreben eines Künstlers (Sentino) „fleißiger“, produktivier und verkaufbarer (Fler) sein zu wollen heraus, was jedoch auf Kosten der künstlerischen Freiheit und seines persönlichen Anspruchs an seine Kunst gehen würde. Laas Unltd. hat das ja schonmal ähnlich formuliert in einem Interview, dass Fler vermarktungsorientiert und vermeintlich weniger kunstorientiert ihm Tipps gegeben hat. Zu mindest hab ich das so verstanden.

  2. Sentinofan

    29. März 2017 at 22:22

    Erstmal grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ihr kritischer mit sw3 umgeht als beispielsweise mit Kolle & Farid aber auch Fler Produkten (die meiner Einschätzung nach Ghostparts von Sentino im Verlauf ihrer Karriere bekamen). Ich finde auch das sw3 (bis auf Milieu, Kopf über Herz & IdV) an vorherige Sentino Releases nicht rankommt. Mit der Namensgebung hat er sich meiner Meinung nach keinen gefalen getan, weil dadurch (wie ihr in euren Kommentaren auch aufzeigt) die Problematik der Trilogiekontinuität und der zeitgemäßen Erwartungshaltung auftrat, dem er meiner Ansicht nach versucht beidseitig gerecht zu werden. Außerdem gabs bezüglich der Aktualität und auch Featureparts auch die rechtlichen Einschränkungen durch den Vertrag bei Maskuins, sodass das Release ja eigentlich eher auf Anfang letztes Jahr datiert werden muss.
    Flerdiss hab ich nicht rausgehört…
    Für mich war das Intro aber ein kleiner Kollegahseitenhieb, weil er da den Kollegahstyle (meiner Ansicht nach in besser) sehr nah ist und ich da auch Kollegahentsprechend 2 Flow“fehler“ gehört hab.
    PS: Die Einschätzung zu Stilller Westen kann ich nachvolziehen aber die sind mit dem Remixalbum Wilder Westen für mich deutlich relativiert worden, sodass es für mich zusammen mit Ich bin deutscher HipHop (2006 Sidefact: Ich bin diese Mukke – Punchline des Jahres 2015?!) schon zwei Classicreleases von Sentence/Sentino gibt.
    Props an Seperate, der das bezüglich Ich bin deutscher HipHop auch so sieht.

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