Die Meinung der Redaktion zu „Eros“ von Rin

Einen richtigen Star konnte die Soundbewegung rund um das Live from Earth Kollektiv – mit Ausnahme von Feuilleton-Liebling Yung hurn –noch nicht hervorbringen. Mit Rin scheint sich der erste dieser Art gefunden zu haben. Denn nach einer EP zum Einstand bei dem Kollektiv schoß er quasi ungebremst nach oben. Von LFE mittlerweile zum neuen frisch um ihn herum gebauten Label Division gewechselt, schaffte er es nur mit einer Hand voll Singles eine Fanbase aufzubauen, von der manch etablierter Künstler nur träumen kann, schraubte dementsprechend allerdings auch die Erwartungen an das Debüt beinahe ins Unermessliche. Mit den Offenbachern Michael und MarkusGibmafuffiWeicker aka The Factory als erfahrene Art Direktion im Rücken und Selfmade-Gründer Elvir Omerbeovic als Business-Mastermind im Hintergrund nahmen sich nicht umsonst gleich zwei Szene-Schwergewichte dem Newcomer an, auch die Produktionsliste strotzt mit Lex Lugner, Bazzazian, OZ, Alexis Troy, iLoveUPeter, Levou, DeadCrow, Rorschach und natürlich dem Partner in Crime Minthendo vor Prominenz. Die Zeichen, dass damit das Album nach dem Hype-Aufschlag mithalten kann, sind zumindest auf dem Papier vielversprechend. Ob das bei „Eros“ am Ende auch funktioniert haben wir besprochen.

Rin – „Eros“ kaufen

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Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 8/10
    ⁠⁠⁠⁠Marvin: "Bei der Bewertung von 'Eros' habe ich es mir sehr schwer getan. Einerseits, weil man versuchen muss, entgegen jeglichen momentanen Hypes einen klaren Kopf zu bewahren, andererseits, weil ich nicht so genau weiß, was ich von einem Rin-Album überhaupt erwarte. Im Endeffekt war das die korrekte Herangehensweise. Man bekommt genau das, was draufsteht: Autotune-Singsang, Beschönigungen von Lungenkrebs und natürlich der Fetisch für exklusive Designerklamotten. Das tut der Qualität bzw. der Catchyness des Albums aber absolut keinen Abbruch. Fast schon in einen Rausch versetzt fühlt man sich, wenn man die einlullenden Beats kombiniert mit Rins Sirenenartigem Gesang auf sich wirken lässt. Hat man ein lyrisches Feuerwerk erwartet, ist man hier wohl falsch. Trifft für mich auch den momentanen Zeitgeist der Jugend perfekt - Rauchen, Kleidung, Party, was sich in den Verkaufszahlen auch widerspiegelt." - 8/10
  • 7/10
    Jakob: "Wie kreiert man ein Album mit dem Prädikat 'Gut', obwohl der Inhalt völlig banal und belanglos ist? Die Verpackung macht es aus. In Rins Falle ist die Verpackung der Sound. Denn der Sound des Albums hält sich die Waage, wenn Inhalt immer merkwürdiger, abstruser und noch belangloser wird. Ich bin großer Fan von neuen Sachen, und ich finde, dass ein Rin auch neben 'richtigen Hip-Hoppern' existieren muss. Denn Hip-Hop braucht seine Entwicklung. Wie schade wäre es, wenn wir uns heute noch nach der hundertsten Neuauflage von 'Rappers Delight' sehnen würden? Das Soundbild von 'Eros' ist so durchdacht und am Ende so ästethisch, dass man von Inhalten absehen kann und es fast schon sollte. Persönlich muss ich sagen, dass die Singles um ein Vielfaches stärker waren als der Rest vom Album. Bei einigen Textpassagen schalte ich mental auch ab, da sie mir suspekt sind und ich sie mir nicht antun möchte. Schlussendlich hat Rin ein starkes Debütalbum abgeliefert, ohne wirkliche Schwächen (für den Style, den er fährt) und mit einem wunderbaren Soundgewand. Ob ein zweites Album dieser Art für die gleiche Zufriedenheit sorgen wird, bezweifel ich stark." - 7/10
  • 8/10
    Yannick H.: "Sicherlich, die Songs mit dem größten Ohrwurmpotenzial wurden bereits vor Release des Albums veröffentlicht. Nichtsdestotrotz wissen auch Tracks wie 'Bass' oder 'Vagabundo' direkt auf Anhieb zu überzeugen. Denn Rin scheint die Erfolgsformel gefunden zu haben, mit der sich Rezipienten durch wenige und vor allem einfache Worte in den Bann seiner Musik gezogen fühlen. Es müssen nicht immer 5-minütige Storyteller oder bis ins kleinste Detail ausgefeilte Reimketten sein, die für Qualität stehen. Vielmehr kreiert der Bietigheim-Bissinger einen sehr eigenen, eingängigen Sound, der smooth daherkommt und in den Hooks seine ganze Power entfaltet." - 8/10
  • 8/10
    Niklas: "Rins große Stärke sind zweifellos die Hook-Lines. Melodien, die einfach nicht aus dem Kopf zu bekommen sind. Es gibt wohl wenige Menschen, die wahrheitsgemäß behaupten können sich nicht schon einmal dabei erwischt zu haben, den Refrain von 'Bros' unterbewusst mit zu summen. Möge man von dem Song an sich, wie der Persona Rin halten, was man wolle. Was hierbei noch dazu kommt ist Rins Gabe seine Umgebung und sein Leben in genau den Details beschreiben zu können, dass sie für jeden, der auch nur im entferntesten mit Jugendkultur zu tun hat, sofort ein exaktes Bild im Kopf hervorbringt. Dieses Geschick die prägnanten Dinge so passend filtern zu können, was übrigens ein Haftbefehl-Album in einem völlig anderen Kontext genauso hinbekommt, schafft es, dass das Album den aktuellen Zeitgeist perfekt darstellt. Nehme man aus der letzte Singe 'Monica Bellucci' ein paar Stichwörter: Boiler Room, Skepta, Berghain, grüne Haare, A$AP, Vintage. Jugendkultur anno 2017. Das ewige Rumreiten auf Supreme und Streetwear-Trend hat einen ähnlichen Charakter. Das Problem der banalen Welt in der sich Rin hier begibt gibt im Umkehrschluss genau das Problem der aktuell herrschenden Jugendkultur wieder. Die Oberflächlichkeit. Und trotzdem weiß das Album zu gefallen. Musikalisch schneidert das Produzenten-Team um Rin genau die richtige Melange aus aktuellen 808-Bass-Gewittern, Synthie-Flächen und simplen fast Melodien aus digitalen Glocken, Marimba oder 80s Synthesizer. Allgemein fällt es schwer das Album einzuordnen, da es wirklich für einen Zeitgeist steht, der in wenigen Jahren wieder verschwunden sein wird. Dieser Zeitgeist wird allerdings so auf den Punkt gebracht und musikalisch mehr als passend unterlegt, dass 'Eros' doch zu gefallen weiß und vielleicht in wenigen Jahren das Dokument zu einer popkulturellen Phase wird." - 8/10
  • 6/10
    Sabrina: "Wenn Rin läuft, geht das vollkommen in Ordnung. Es macht Spaß, es geht gut runter. Trotzdem ist es eher Musik für den Moment und auf keinen Fall ein Album, das ich in Jahren hervorkrame werde und mir denke WOW. Abgesehen von ein paar catchy Phrasen, die definitiv im Kopf bleiben, kann man von den Texten sagen, dass sie inhaltlos bis unangenehm provokant sind. Wer sich die Mühe macht, da irgendetwas deeperes zu finden, verschenkt seine Zeit. Lex Lugner und Minhtendo leisten hingegen erstklassige Arbeit und sorgen für ein abwechslungsreiches Soundbild, das von tanzbarer Musik bishin zu monotonen Beats reicht, während Rin von seinen Jogginghosen und allerhand Mädels aka. Babes/Shawtys/Girls rappt. Gut produziert und ebenso gut dazu geeignet, Momente mit einfacher Musik zu untermalen. Für mehr reicht es meiner Meinung nach nicht." - 6/10
  • 8/10
    Yannick W.: "Rin ist der überraschende Rap-Superstar dieses Jahres, das lässt sich bereits jetzt konstatieren. Und 'Eros ist der abzusehende Beweis, den jungen Bietigheim-Bissinger nicht als plumpen Hitmaker oder gar 'Bianco'-Beiwerk abzustempeln. Denn Rins Debüt trifft punktgenau den Mindstate einer Generation junger Erwachsener, die mit Lex Luger und Yung Lean, anstelle von Premo oder Prodigy aufgewachsen ist, für die Drogen und Feiern beinahe selbstverständlich Hand in Hand gehen oder zumindest nicht mehr für Empörung sorgen, die sich durch Instagram und Tinder connectet, bei der die Grenze zwischen Kleinstadt- und Metropolenjugend dank des Internets verschwimmt. Und als Anfang 20er berichtet er auf dem Debüt so authentisch von diesem scheinbaren Verlorensein im Leben, wie es noch niemand vor ihm tat. Und ja, das ist oft sehr plump, repetitiv und mag für den ein oder anderen Einfallslos wirken. Doch wenn Rin gleich 4 Zeilen seinem iPhone-Zustand und dessen Empfang – inklusive Wiederholung – spendiert, dann deshalb weil es einfach so ist, genau so passiert. Mit ‚Eros‘ hört man vollkommen unmittelbare Musik, die dabei die Grenzen zwischen Rap und Pop und auch zwischen Radio und Skandalzeilen endgültig verwässert. Hinzu kommt die nahezu makellose Produktion, die sich vom organischen ‚Vagabundo‘ über 90er Disco-House-Anleihen auf ‚Sag mir wenn du high bist‘ bis hin zu karibischem Flair auf ‚Monica Bellucci‘ erstreckt. Dabei findet man an ‚Eros‘ gerade wegen dem, was es sein will, kaum Grund zur Kritik außerhalb des persönlichen Geschmacks, der mir z.B. den letztgenannten Hit nur schwer erträglich macht. Einzig das textlich arg unangenehme ‚Arreté‘-Skit lässt mir sauer aufstoßen, trübt damit allerdings nur geringfügig den Eindruck eines sehr gelungenen Debüts das den Weg für den nächsten Raop-Star pflastern könnte." - 8/10
7.5/10

Kurzfassung

Mit „Eros“ liefert Rin eine Bestandsaufnahme des Mindstates eines großen Teils der heutigen Jugendlichen. In Verbindung mit der Hochglanz-Produktion entsteht so ein überaus vielversprechendes Debütalbum.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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