Die Meinung der Redaktion zu „Pen Pals“ von Retrogott und Motion Man

Kein Internet? Heute kaum vorstellbar. Aber bis in die 90er schrieb man man zur Verständigung noch Briefe. Eine charmante Art der Kommunikation, das analoge Äquivalent zur heutigen Chat-Beziehung. Dieser Art der Freundschaft, der Brieffreundschaft, huldigen nun Retrogott und Motion Man mit einem kleinen Konzeptprojekt, quer über den großen Teich. Und was würde besser dazu passen, als staubige Beats, wie sie gerade der Golden Era entsprungen sein könnten. Auf den Produktionen von Retrogott bekommt man eine bilinguale EP mit insgesamt acht Songs geboten, Features bleiben aus. Lediglich KutMasta Kurt, der bereits vor drei Jahren mit seinem deutschen Namensvetter zum Angriff blies, ist an den Technics mit dabei. Wir haben das Projekt besprochen. 

Retrogott & Motion Man – „Pen Pals“ kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!!
  • 6/10
    Yannick W.: "Es ist schon ein Kunststück, beinahe 15 Jahre die selbe Musik zu machen und trotzdem nie, aber auch wirklich nie zu langweilen. Aber da die Gattung des Whack-MCs immer noch nicht vor dem Aussterben bedroht zu sein scheint, wird Retrogott wohl noch einige Jahre im Kampf gegen sie verbringen dürfen. Dennoch tue ich mich wahnsinnig schwer mit dieser EP. Und dabei performen sowohl Retrogott als auch Motion Man herrlich charmant, die Beats laden durchweg zum Kopfnicken ein, die Texte sind wie gewohnt gewitzt, zynisch, durchdacht. Doch das ständige, unweigerlich harte switchen der Sprache macht es schwierig den Vibe zu greifen. Klar, genau das ist das Konzept der Platte, doch wirklich anfreunden mit der Sprunghaftigkeit internationaler Kollaborationen konnt' ich mich tatsächlich in den seltensten Fällen. Mit den nächsten Soloprojekten haben sie mich dann wahrscheinlich wieder, denn an Qualitätsrap mangelt es 'Pen Pen' kein Stück." - 6/10
  • 5/10
    Lukas: "Wahrscheinlich das entspannteste Zusammenspiel zwischen US und Deutschrap, dass ich seit langer Zeit gehört hab. Passt auch sehr zur Platte, dass sie nur auf Vinyl kam. Ist eben keine Musik für jedermann, aber das ist auch so gewollt. Oldschool-Beats, Oldschool-Texte, Oldschool-Reimschemen. Auf mich wirkt es manchmal etwas veraltet, allerdingas kann ich mir vorstellen, für viele trifft es genau den Nerv, den man in Deutschland nur noch selten findet und vermisst. Dadurch, dass das Album nicht so lang ist, kann man es gut und entspannt durchören und ich könnte das auch öfter machen, obwohl es meinen persönlichen Geschmack etwas verfehlt." - 5/10
  • 7/10
    Yannick H.: "Smoother Sound mit einem oldschooligen Flavour. Textlich bekommt man das gewohnt hohe Niveau eines Retrogotts geliefert, der gut mit den Beats zu harmonieren weiß. Die Cuts von Kutmasta Kurt tun ihr Übriges. Jedoch ist mir der Sound noch zu monoton und wirkliche Abwechslung wird kaum geboten. Dennoch stellt 'Pen Pals' die perfekte Musik fürs baumeln lassen der Seele dar."  - 7/10
  • 6/10
    Cedric: "Obwohl das Projekt mich durch seinen, für Retrogott üblichen, Untergrund-Charme im ersten Moment begeisterte, konnte es mich letztendlich nicht voll und ganz überzeugen. Auch wenn es das Konzept zu sein scheint, dass Motion Man und Retrogott ihre Verse wie Brieffreunde austauschen, fehlte mir die klar hörbare Chemie zwischen den beiden. So lässt sich 'Pen Pals', auch durch die Kürze, sehr angenehm durchhören, allerdings hätte die Kombination aus den beiden für mich mehr Potential gehabt." - 6/10
  • 8/10
    Elias: "Zu 'Pen Pals' könnte ich sehr viel, aber auch sehr wenig sagen. Was soll auch schon groß zu den Beiden gesagt werden. Mittlerweile hat der liebe Retrogott einen gewissen Legendenstatus bei mir erreicht. Motion Man konnte ich mit 'Penpals' erst richtig für mich entdecken, da er sich zwar auf meinem Radar befand, ich ihn jedoch nie richtig gehört habe. Als die Platte rauskam habe ich sie relativ zügig bestellt, da man allgemein bei dem ENTBS Zeug schnell sein sollte, wenn man ein Exemplar kriegen will. Die beiden ergänzen sich super und ich mag das Zusammenspiel der beiden Stimmen. Beim ersten Mal hören fand ich die Platte gut, allerdings habe ich sie nicht als etwas besonders empfunden. Vielleicht lag das daran, dass ich, wenn ich an 'Pen Pals' gedacht habe an Retrogott denken musste und somit automatisch an seine Platten mit Hulk Hodn. Das war es aber nun mal nicht. Nach dem dritten Mal A und B Seite, habe ich angefangen gefallen an der Platte zu finden. Normalerweise sind Tracks irgendwann tot gehört allerdings war es hier andersherum. Es hat sich angefühlt wie etwas Neues, was man erst verstehen muss. Am Ende konnte ich auch Motion Man in mein Herz schließen. Zusammengefasst: Geile Beats, gute Raps und etwas ganz Eigenes." - 8/10
  • 5/10
    Marvin: "Ich war nie ein großer Fan von Retrogott oder Motion Man. Irgendwann habe ich die Namen schon mal gesehen, aber musikalisch war bzw. ist das nicht so meins. Der Vibe catcht mich irgendwie nicht. Bei bei 'Pen Pals' ist das ähnlich. Lange Instrumentalstrecken ohne Rap, Scratches, die immerwährende Boom bap - das ist mir irgendwie eine Nummer zu viel Hiphop. Qualitativ ist das natürlich kein Schund, aber mir gefällt das einfach nicht. Die einzige Ausnahme und Lichtblick war für mich der Track 'Stuck In The Funk', bei dem sogar ich mit dem Kopf mitgewippt habe. Das lag auch daran, dass es für mich endlich mal wie ein Beat klang, der sich deutlich vom Rest der EP unterscheidet." - 5/10
  • 7/10
    Jakob: "An sich gibt es hier nichts zu meckern, wirklich geile oldschoolige Beats, nur so gespickt mit klasse Samples treffen auf nice Raps (auch wenn ich nicht größter Fan von Rap-über-Rap Thematiken bin) und geben dem 25-minütigen Werk eine einzigartige Note, was auch daran liegt, dass Retro oftmals auf übliche Liedstrukturen scheißt und sein eigenes Ding macht. Es ist nun wirklich nicht die Art von Mucke, die ich mir täglich gebe, aber alles in allem bin ich doch postiv überrascht, obwohl ich nach wie vor der Meinung bin, dass eine Platte nicht multilingual ausgelegt werden sollte, da es mich beim hören einfach irritiert und es für mich auch keinen Sinn darstellt. Trotzdem schlägt sich Motion Man natürlich auch gut. Ich mag diesen Sprachen-Switch nur einfach nicht. Trotzdem gefällt mir das Gesamtwerk recht gut, weil es einfach ein mega rundes Ding mit einem sehr geilen Oldschool-Vibe geworden ist und man hier auch Hip-Hop rausfühlt und nicht nur Rap. Oder wie Retro sagen würde: Hip-Hop ist wie Gott und nicht wie die Kirche." - 7/10
5.3/10

Kurzfassung

Auch wenn Retrogott und Motion Man mit ihrem Kollaboprojekt nahtlos an ihren Stil anknüpfen können, überzeugt das Konzept nicht vollends. Der Switch zwischen Deutsch und Englisch in Form von Briefen stört den Hörfluss.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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