Die Meinung der Redaktion zu Reeperbahn Kareems „Aus dem Schatten des Blocks“

Dass Debütalben manchmal ihre Zeit beanspruchen, ist sicherlich nicht selten, so lange wie Reeperbahn Kareem lassen sich allerdings die wenigsten Zeit. Erste Bekanntheit erlangte der Hamburger vor bereits fast einer Dekade als Teil der Kiezformation Rattos Locos rund um Nate57, ein Debütalbum kann er erst jetzt vorlegen. In der Zwischenzeit hat sich beim Hamburger natürlich auch einiges getan, mittlerweile kämpft er für sich allein und nicht mehr an der Seite der Hamburger Ratten, über die Jahre versorgte er seine treuen Anhänger immer wieder mit Mixtapes, EPs und vereinzelten neuen Songs. Zuletzt gab es in 2016 die beiden Releases „Gewalt durch Kunst“ und „67er“ auf die Ohren, die endlich auf die erste LP vorbereiten sollten. Zum Jahreswechsel erschien schließlich „Aus dem Schatten des Blocks“, eine düstere Bestandsaufnahme des Hamburger Untergrunds. Mit von der Partie ist gleich mehrfach ebenfalls Ex-Rattos Locos Member BOZ. Wir haben uns das Album angehört.

Reeperbahn Kareem – „Aus dem Schatten des Blocks“ kaufen

 

 

Das sag die BACKSPIN Gang!
  • 7/10
    Niko: "Über den Realness-Faktor braucht man sich bei Kareem keine Gedanken machen. Der Hamburger hat genug gesehen, um nun die Geschichten dazu auch glaubhaft zu erzählen. Seine kraftvolle Performance sorgt da schon für ein Alleinstellungsmerkmal, einzig fehlt mir auf Länge ein wenig Vielfalt, zu grau und bedrohlich ist sein Blick auf die Gesellschaft. Aber so ist es halt, im Schatten der Blocks." - 7/10
  • 7/10
    Yannick H.: "Stimmiger Sound, der vor allem mit Songs wie 'Syndikat', 'Rap Marionetten' und 'Rapfilm' punkten kann. Reeperbahn Kareem representet weitestgehend seine Hood und schwankt dabei zwischen Authentizität und Pathos. Unterm Strich bleibt Straßenrap, der sich durch einige lichte Momente von der breiten Maße etwas absetzen kann.“ - 7/10
  • 5/10
    Teresa: „Inhaltlich hinterfragt Reeperbahn Kareem auf dieser Platte, zwischen den Themen Nutten, Drogen etc., das Rap Biz, den Kapitalismus, die Scheinheiligkeit der Welt und vieles mehr, was ich sehr schön finde, außerdem wird es durch entspanntere Songs, wie 'Palmen', auch nicht eintönig. Allerdings sind meiner Meinung nach die Beats des Albums und seine Art zu rappen nicht gerade spektakulär.“ - 5/10
  • 7/10
    Raphael: „Reeperbahn Kareems Underdog-Mentalität ist durchaus sympathisch, so lange er nicht in allzu plumpe Systemkritik, wie auf 'Ich bin raus' fällt. Ansonsten trägt er nämlich das Herz spürbar am rechten – also linken Fleck und spricht Missstände, vor allem in der Großstadt Hamburg an. Soundtechnisch nicht außergewöhnlich, aber solide, ist es ein handfestes Streetalbum und damit ein weiteres Puzzlestück im Soundtrack Hamburgs.“ - 7/10
  • 5/10
    Shana: "Solides Album, allerdings langweilt es mich in der Länge ehrlich gesagt. Die Platte kann gut im Hintergrund ablaufen, aber um mich wirklich zu catchen, fehlt es ihr irgendwo dann doch an Besonderheit und geht in der Menge an aktuellen Releases gnadenlos unter." - 5/10
  • 7/10
    Sara: „Eine schöne Vielfalt, das find‘ ich immer gut. Ein roter Faden durchzieht das Album, es erzählt eine Geschichte und die Skits sind eine nette Ergänzung dazu. Kareem überzeugt mich mit seinen deepen Tracks, die einem die aktuelle Situation auf der Welt näher bringen. Ich kann mich mit dem, was er rappt, identifizieren. 'Bildet Menschen anstatt sie zu verurteilen', 'Mutter Erde war mal reich, doch wir raubten ihr Gold', 'Geld gegen Ideale', aus dem Track 'Ich bin raus'. Damit die Stimmung aber nicht zu sehr kippt, pusht Kareem mit Tracks wie 'Palmen' und 'Rap Marionetten' feat. Boz die Laune. Alles in allem hat er eine Message und die bringt er gekonnt und gut verpackt rüber. Ich persönlich kann ihm gut zuhören und find’s ein rundes, echt gutes Ding.“ - 7/10
  • 7/10
    Yannick W.: „Deutlich stärker, als ich es zuerst erwartet hätte. Weniger auf die Fresse, dafür überlegt und nachdenklich im Umgang mit Themen wie Gentrifizierung, Polizeigewalt, Problemen des Kapitalismus oder dem Drogensumpf. Auf „Aus dem Schatten des Blocks“ wird nicht glorifiziert, sondern gemahnt, berichtet und teils auch verurteilt. Was den Sound angeht, gefällt mir Kareem mit dem alten Kollegen BOZ am besten, durch ein paar auflockernde Nummern wird verhindert, dass sich die Platte zu sehr in ihrer Düsternis verliert. Die Beats reißen dabei keine Bäume aus, passen aber ganz gut ins Gesamtbild. Einzig, dass es dem Album hin und wieder an Weitsicht fehlt und Kareems Texte mir streckenweise zu plump ausfallen würde ich an dieser Stelle bemängeln.“ - 7/10
  • 6/10
    David: „Reeperbahn Kareem nimmt auf seinen neuen Album kein Blatt vor den Mund und schreit sich den Frust von der Seele - da kann er mit seiner direkten Art schon einmal punkten. Auch die Gesellschaftskritik, die in den meisten Tracks vorkommt, finde ich auf den ersten Blick ganz gut. Aber aus Trotz nicht wählen zu gehen, weil man sich vom Staat unterdrückt fühlt, ist dann doch eine etwas kontroverse Aussage, die Kareem auf ‚Ich bin raus’ trifft. Ansonsten ist die Message der Platte ganz gut und am Sound kann man auch nicht meckern. Aber mehr als ein ganz ‚stabiles Straßenrapalbum‘ ist es für mich dann leider nicht.“ - 6/10
6.4/10

Kurzfassung

Mit seinem Debüt schafft es Reeperbahn Kareem, sich stellenweise von der Konkurrenz abzuheben und durch den nachdenklichen Umgang mit ernsten Themen eine düstere Stimmung zu erzeugen. Lediglich die trotzige Systemkritik „Ich bin raus“ stößt einigen bitter auf.

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