Die Meinung der Redaktion zu „Nichts war umsonst“ von Prinz Pi

Untergrund ist Friedrich Kautz schon lange nicht mehr. Man könnte vielleicht sogar sagen, wenn jemand den Untergrund in Deutschland durchgespielt hat, dann er. In den letzten 20 Jahren entstanden stolze 14 Soloalben und noch weitaus mehr Mixtapes, EPs, Kollabos und andere Releases. Doch nun, nach über zwei Dekaden bewegter Karriere scheint Prinz Pi angekommen und resümiert „Nichts war umsonst“. Dass man, gesetteled und auf die 40er zuschreitend, stolz „das beste Prinz Pi Album aller Zeiten“ ankündigen kann, scheint wenig verwunderlich. An seiner Seite nimmt dieses Mal allerdings nicht wieder der langjährige Wegbegleiter Biztram Platz, Produktionen steuern Beatzarre und Djorkaeff bei. Ebenfalls vertreten sind Bausa, Mark Forster, Bosse und Kaind.

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Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 5/10
    Lukas G.: "Ich glaube entweder liebt man die Musik von Prinz Pi oder man mag sie gar nicht. Ich muss leider sagen, dass ich seine Musik gar nicht fühle. Die Songs sind natürlich sehr gut produziert. Aber das ist mir persönlich zu viel Radiomusik. Der Song mit Mark Forster ist dabei der Prototyp von Radiohit mit Rapperbeteiligung. 'Das Original' ist wohl Prinz Pis persönliches 'So wie du bist' und 'Liste' ist wohl 'Kompass ohne Norden' 2.0. Ansonsten will er uns zu uns selbst führen und uns Dinge über die Welt erklären, die wir wahrscheinlich selbst schon wussten. Ich kann zwar verstehen, dass man den Songs was abgewinnen kann, wenn man was zum Identifizieren findet, aber alles in allem ist mir das Ganze zu pathetisch und bedeutungsschwanger." - 5/10
  • 6/10
    Josh: "Ich gehöre nicht zur alten Garde, die Friedrich Kautz als Prinz Porno geliebt hat. Aber seit 'Nichts war umsonst' kann ich das Problem nachvollziehen, dass diese Generation mit ihm haben muss. Es wirkt, als wäre es für ihn zum zweiten Mal an der Zeit, eine neue Richtung einzuschlagen und seine ‚alten Fans‘ hinter sich zu lassen. Die Platte wirkt wie ein bettelnder Versuch, endlich ein Ticket in die Welt von Sido, Mark Forster, Tim Bendzko oder anderen Radiomonstern zu ergattern. Ohne jegliche Kanten verliert sich der selbst ernannte Außenseiter in phrasenartigen tumblr-Zitaten. Das ist zwar alles nichts komplett neues bei ihm, aber es wirkte noch nie so bemüht und kalkuliert wie hier." - 6/10
  • 5/10
    Jonas: "In fast jedem Lied Hoch- oder runtergepitchte Chöre, bedeutungsschwangere Texte und Oberflächlichkeiten. Mit diesen drei Attributen muss ich „Nichts war umsonst“ leider beschreiben. Es könnte auch daran liegen, dass ich jahrelang großer Pi Fan war und von seinem Werk in den letzten Jahren schwer enttäuscht bin, aber mich erreicht seine Musik leider gar nicht mehr.  War es früher noch eine seiner größten Stärken, Dinge auszuformulieren, die jeder fühlt und denkt, aber niemand anderes in der Lage war dies in Wörter zu verpacken, so scheint seine heutige Musik nur noch gezielt darauf ausgerichtet zu sein, möglichst viele Menschen direkt anzusprechen. Man muss sich nicht mehr groß anstrengen seine Texte zu verstehen. Ganz davon abgesehen, ist Pi in meinen Augen immer noch eine der begnadetsten Künstler im Deutschrap, aber seine aktuelle Musik spricht mich einfach nicht mehr an.  Da Album ist stark ausproduziert und verfügt auch über gute Beats, aber ist viel zu vorhersehbar. Zwei bis Drei Lieder, wie z.B. 'Haus im Wald' sind ganz gut, aber generell ist mir alles viel zu affektiert und kitschig." - 5/10
  • 6/10
    Yannick W.: "Eine Mark Forster Kollabo als Abbild eines teils gescheiterten Projekts vorzuschieben, griffe zu kurz. Denn eigentlich ist 'Nichts war umsonst' eine konsequente LP – zumindest in der Diskographie Pis. Dabei spielt der Berliner mit Selbst- und Fremdreferenzen, greift allerdings zu oft auf die von ihm bereits auserzählten Geschichten zurück. Zwar hüllt er diese auf 'Nichts war umsonst' in ein so schönes Wortgewandt wie noch nie zuvor, das Interesse, mit dem man diese zuvor verfolgte, bleibt jedoch aus. Und auch die Produktionen, so makellos sie handwerklich sein mögen, klingen oft generischer als jene, die noch aus der Zusammenarbeit mit Biztram hervorgingen. So bleibt zwar wirklich das bis dato vollkommenste, geschlossenste Album seiner Karriere, mitreißen kann es dennoch nicht mehr so sehr wie noch vor einigen Jahren." - 6/10
  • 5/10
    Sabrina: "Was mich an Prinz Pis neuem Album am meisten stört, ist dass man nichts Neues daraus ziehen kann. Für mich scheint es, als hätte er jede einzelne Line bereits in irgendeiner Form auf einem Release zwischen 'Rebell ohne Grund' und 'Im Westen nix Neues' untergebracht und würde diese jetzt einfach nochmal aufkochen. Dabei langweilt mich das Endergebnis nicht nur inhaltlich, sondern auch soundtechnisch. Da stellt die 'Oh Oh Eh Oh'-Hook von Mark Forster schon fast eine angenehme Abwechslung dar. Leider schöpft nicht mal der von mir sehr geschätzte Bosse auf dieser Platte sein eigentliches Potential aus." - 5/10
  • 6/10
    Niklas: "Prinz Pi wechselt aus der Beobachter-Rolle zurück in sein Inneres und liefert ein sehr persönliches Album, auf dem er versucht die großen Themen des Lebens von (Nächsten-)Liebe, Selbst/Sinn-Findung und Tod, aber auch aktuelle Bezüge wie Social-Media oder Populismus, in einfachen Worten und persönlichen Vergleichen zu erklären. Leider verliert sich der Berliner dabei oft in kitschigen Kalendersprüchen. Vor allem 'Das Original' lässt einen, nicht etwa ob der Mark-Foster-Hook, sauer aufstoßen. Auf 'Schatten' und 'Für Immer und Immer' dagegen geht das Rezept perfekt auf, was wohl den extrem persönlichen und dadurch authentischen Geschichten geschuldet ist. Auch wenn ich die meisten Sichtweisen von Prinz Pi teile, ist mir Vieles zu gewollt einfach aufgezogen, dass es fast plump wirkt. Produktionstechnisch kann 'Nichts war umsonst' allerdings noch einmal eine Schippe drauflegen. Auch wenn einem die meist Klavier-basierten Instrumentale irgendwann etwas redundant erscheinen, wurde die Qualität der Sounds hörbar perfektioniert. Mein persönliches Highlight auf der Platte stellt das Bausa-Feature 'Nordpol' dar. Der Kontrast aus sehr ruhigem Orgel-Piano-Beat und modernem Triplet-Flow, sowie die komplett gesprengten strukturellen Normen funktionieren erstaunlich gut und geben dem Song eine interessante Atmosphäre. Die 14. Platte von Prinz Pi schafft leider den Spagat zwischen richtigen und wichtigen Themen und Meinungen und der Herangehensweise nicht konsequent, daher springen zwar einige wirklich gute Songs heraus, während Andere eher Schamgefühle wecken." - 6/10
  • 4/10
    Jakob: "Mit diesem Album entfernt sich Prinz Pi für mich noch weiter weg vom reinen Rapkosmos und landet letztlich fast schon am Olymp des Pops. Seichte Melodien, seichte Bässe, dazu die passenden Texte, die für die einen tiefgründig, für die anderen phasendrescherisch erscheinen – alles wurde feinjustiert und funktioniert auch sehr gut. Für mich macht es das allerdings viel zu einfach und plump. Denke ich heute an Prinz Pi, denke ich eher an Mark Forster als an Prinz Porno. Zu keinem Zeitpunkt kann ich auch nur irgendwas mit 'Nichts war umsonst' anfangen. Aber Pi wird bei Skinny wohl recht behalten haben, denn am Ende des Tages bin ich einfach nicht die Kernzielgruppe. Und das ist auch in Ordnung so." - 4/10
5.3/10

Kurzfassung

Mit „Nichts war umsonst“ driftet Prinz Pi an unseren Geschmäckern vorbei, liefert ein zwar summa summarum rundes, allerdings auch generischer und teils zu bemüht klingendes Album.

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