Die Meinung der Redaktion zu „20:14“ von Marvin Game

Seit Mauli vor rund eineinhalb Jahren mit großer Schnauze die Szene als „Spielverderber“ enterte, hat sich Einiges getan bei den Jungs von Immer.Ready. Im vergangenen Jahr folgte beinahe im Monatstakt neue Releases, mal größer, mal kleiner. Nach und nach stellten sich die Member mit Mixtapes oder EPs vor, oft in Begleitung von Morten an den Reglern. Nun ist es für dessen Bruder, einen weiteres Aushängeschild der Berliner Crew Zeit, das Debütalbum auf den Markt loszulassen. Unter dem Titel „20:14“ bereitet Marvin Game dabei auf die eigene musikalische Primetime vor. Für die Beats zeichnet dabei erneut Morten verantwortlich, als Gäste lädt er sich aus dem Kosmos rund im die eigene Crew so einige bekannte Gesichter ein. Mit an Bord sind BRKN, Ce$, Bausa, Niqo Nuevo, Adesse und Nosliw. Wir haben das  Debütalbum des Berliners besprochen.

Marvin Game – „20:14“ kaufen

 

  • 6/10
    Yannick W.: "So richtig warm werden will ich nicht mit Marvin Games Debüt. Dabei macht er prinzipiell vieles richtig auf '20:14', Morten glänzt durchweg am Beat und besser hätten seine Features kaum platziert sein können. Was fehlt, ist allerdings der Moment, an dem die Platte wirklich zu Packen beginnt. Denn was auf '20:14' inhaltlich geschieht, ist zwar auf der einen Seite unglaublich persönlich und intensiv, auf der anderen Seite allerdings auch einseitig und repetitiv. So wird bei den Rückblicken auf die zerbrochene Beziehungen – ganz in der Manier eines Drake – zwar der Gentleman gegeben, der Fehler aber in der Regel bei der Partnerin gesucht. Sogar zum gesamten Thema wird das auf dem 8-minüter 'Kryptonit', der das Herzstück der Platte darstellt. Aber bevor man zur Primetime angreift, dürfte es auch nicht verkehrt sein, im eigenen Kopf einmal aufzuräumen, die vergangenen Jahre aufzuarbeiten und eigene Krisen Revue passieren zu lassen. Und nichts anderes macht Marvin Game auf seinem Debüt, immer mit dem Fokus auf die Großtaten, die er für seine Zukunft jetzt schon sieht. Auf jeden Fall ein mutiger Schritt mit einer Konzeptreihe in das Format 'Album' einzusteigen, allerdings auch genau so mutig, wie Immer.Ready mit ihrem Sound aktuell vorausdenken – vor der Arbeit mit einer wirklichen Vision ziehe ich meinen Hut, auch wenn '20:14' mich nur bedingt mitreißen kann." - 6/10
  • 8/10
    Peter: "Lange stillte Marvin Game ausschließlich durch EPs den Hunger seiner Fans, obwohl er, wie der Titel verrät, seit bereits drei Jahren an '20:14' arbeitet. Wirklich viel länger als seine EPs ist sein Album dabei nicht: Herrlich kurz und bündig präsentiert sich der 12 Anspielstationen starke Langspieler. Direkt mit dem Intro gewann der Moabiter meine ungeteilte Aufmerksamkeit und diese hielt sich bis zum Ende. Driftet er thematisch oft in die Monotonie ab, wenn er gerade über Frauen, Gewinnen oder seinen Hustle redet, verpackt er das alles immer wieder in neue Wörter und Szenarien, die gekonnt davon ablenken. Die Produktion seines Bruders morten lassen keinen Platz für Kritik und sind sehr ruhig und melancholisch, passend zu Marvins Lyrics, werden manchmal von der typischen Trap-Snarre oder der Melodie eines Saxophon dominiert. Lediglich die Anzahl seiner Feature-Gäste (8) ist für meinen Geschmack etwas überdimensioniert und unproportional zur Anzahl seiner Tracks. Gespannt warte ich auf Marvins Aufführung zur Prime Time." - 8/10
  • 6/10
    Jakob: "Die Produktion des Albums ist wirklich überragend. Produzenten sollten wir eh alle mehr Beachtung schenken, aber mit dem Ding hat Morten wirklich einen rausgehauen. Marvin Game flowt recht smooth und entspannt durch die zwölf Tracks und ich finde es durchaus angenehm, wobei er aufpassen muss, dass es auf Dauer nicht einschläfernd wirkt. Eigentlich müsste man meinen, dass die Immer.Ready Crew damit wirklich das Potenzial hat, etwas Großes zu schaffen. Doch das passiert einfach nicht. Denn so cool Marvin Game durch die Songs gleitet, so phrasenlastig und nichtssagend sind seine Texte. Es erinnert mich an einigen Stellen krass an Kontra K, der meines Erachtens oft viele Statements aneinander reiht und der Hörer sich daraus die Pseudo-Deepness saugt. So bleibts am Ende bei einem Statementalbum ohne wirkliche Kernaussage. Daran können auch wunderbare Features mit BRKN, Ce$ und Bausa nichts ändern." - 6/10
  • 6/10
    Marvin: "Ich bin seit längerer Zeit ein Fan von Marvin Game als Person, da ich ihn sehr charismatisch finde und er mir in Interviews oft aus der Seele spricht. Seine Musik fand ich leider meistens nicht so cool wie ihn selbst, weshalb ich gehofft habe, dass '20:14' nach dieser endlos langen rumschieberei genau das ist, was bei mir den Knoten zum platzen bringt. Das war insgesamt aber nicht der Fall. Marvin Games Rap war für mich zu oft eine Aneinaderreihung von Statements oder schön klingenden Phrasen, wobei das tatsächliche rappen leider oft auf der Strecke bleibt, so auch bei '20:14'. Die Beats sind durchweg gut, mir aber alle eine Spur zu langsam bzw. zu ruhig. Vieles hat für mich einen zu ähnlichen Vibe, was auf einer höheren Albumlänge definitiv einschlafend gewirkt hätte. Bei den vorliegenden 12 Tracks geht das noch ganz gut. An dieser Stelle auch ein Lob für die optimale Albumlänge! Das meinte ich vorhin mit: Er hat die Visionen, aber er setzt das irgendwie nicht richtig um. Ufo361 hätte sich von der Länge eine Scheibe abschneiden können. Naja zurück zu Marvin. Meine Highlights waren 'Auf mein Grab', einfach weil es etwas anders als der Rest klingt, und 'Keine Menschen', was ich für einen absoluten Hit halte, was aber auch maßgeblich an Ce$, dem (mMn) nächsten heißen Scheiß im Deutschrap liegt. Insgesamt wirkt mir das Album nicht aufgeweckt genug, im Gegenteil sorgt es durch die permanenten ruhigen Töne und Klänge eher für Lethargie, obwohl die Texte und vor allem die Produktion (s/o morten) sehr sauber sind. Schade eigentlich, da ich mir DAS Album von Marvin erhofft hatte. Nächstes mal vielleicht." - 6/10
  • 7/10
    Elias: "Man, das hat lang gedauert. Jetzt hat der Hot Boxer seine Platte rausgebracht. Um ehrlich zu sein, dachte ich anfangs, dass es mir eh nicht gefallen wird. Allerdings bin ich positiv überrascht, auch wenn '20:14' gar nicht der Style ist, den ich feier. Soweit ich weiß, hat die Produktion nun im Endeffekt rund 3 Jahre gedauert und das hört man meines Erachtens nach auch. Die Lyrics sind oft sehr deep und übermitteln eine Message, kombiniert mit 808’s und im 16tel Takt tickernden Hi-Hat’s. Es hört sich allgemein sehr gut an bzw. haben die Tracks ein schönes Klangpanorama. Mit den Gesangspassagen kann ich leider gar nicht anfangen, passt aber im Kontext des Albums sehr gut rein. Was mir auch gut gefällt ist, dass '20:14' nicht überladen ist, sondern er, das was er sagen will ganz gut auf den Punkt bringt. Zu seinen Verschwörungstheorien werde ich mich nicht äußern. Am Ende ist es mein Geschmack der verhindert, dass ich dem Dude 8 Punkte gebe. Ich finde es aber immer wieder schön, wenn ich mir etwas anhören kann, obwohl ich sonst mit diesem Style nichts anfangen kann." - 7/10
  • 8/10
    Lukas: "Ich muss zugeben, dass ich Marvin Game vor dem Hotbox-Format nicht kannte, aber in genau diesem hat er auf mich so einen sympathischen und charismatischen Eindruck gemacht, dass ich sehr auf das Album gespannt war. Durch die Parts, die es im Auto zum besten gab, hatte ich schon einen groben Eindruck seiner Musik .... Dachte ich! Aber ich habe mich geirrt. Klar, die Angeber Tracks á la 'Keine Menschen' gibt es auch. Trotzdem bietet '20:14' sowohl thematisch als auch stilistisch eine solche Bandbreite, ohne den roten Faden komplett zu verlieren. Der von Morten gezimmerte Beatteppich passt perfekt zu Marvins Flows und obwohl die Songs auch durchaus dunklere, fast melancholische Themen behandelt, strahlt doch immer die positive Einstellung durch, dass eigentlich doch alles gut ist und vor allem durch harte Arbeit auch alles gut wird. Features sind perfekt gesetzt und beinhalten mit Ce$ und Bausa auch zwei der für spannendsten deutschen Künstler zu Zeit. Immer reeeeaaaady." - 8/10
6.8/10

Kurzfassung

Mit „20:14“ kann Marvin Game noch nicht vollends überzeugen, legt dennoch ein grundsolides Debütalbum vor, das in Anbetracht der damit gestarteten Reihe Lust auf mehr. Auch für die Produktionen von Morten gibt es eine Menge Lob.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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