Die Meinung der Redaktion zu „Roswell“ von Marteria

Kurz vor Anbruch dieser Dekade lag deutscher Rap in der öffentlichen Wahrnehmung am Boden. Aggro war zerbrochen, der Dipset-Style durchgekaut, sogar die größten Namen konnten nicht mehr an bekannte Erfolge anschließen. Was es brauchte war eine Reformation des Genres. Sucht man nach Namen, die diese getragen haben, stößt man auf die von Falk Schacht seiner Zeit als die „neue Reimgeneretion“ betitelte Gruppe rund um Cro oder Casper, der gerade mit dem Major Debüt „XOXO“ Türen eintrat. Der Prestige-Titel des Initiators des Ganzen wird oft allerdings Marteria beigemessen. Mit seinem 2010er Four Music-Debüt „Zum Glück in die Zukunft“, das bis heute Klassiker-Status trägt, gelang nach einigen Marsimoto-Experimtenen und dem Untergrund Debüt „Base Ventura“ der Durchbruch, der sogar mit Gold belohnt wurde. Mittlerweile sind seitdem sieben Jahre ins Land gegangen, das Debüt wurde erfolgreich weiter- bzw. zu Ende geführt. Schließlich signalisiert der Körper: Endstation, Nierenversagen. Eine Pause muss her. In und nach der entsteht das neue Album. Leitmotiv: Das Weltall. Seinen Titel findet es in „Roswell“, natürlich auch weil die Phonetik Ähnlichkeiten zur Heimat des Rostockers aufweist. Auf dem Produktionssessel nahmen erneut die drei Krauts Platz, die schon für die beiden Vorgänger verantwortlich zeichnen, als Gäste sind „Lila Wolken“-Partner Yasha und Miss Platnum, sowie Beatsteaks-Frontmann Arnim dabei. Wir haben die neue LP besprochen.

Marteria – „Roswell“ kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 8/10
    Elias: "Ich habe die letzte Woche sehr viel das neue Album gehört und ich finde es echt gut. Das Album folgt einem klaren Konzept und liefert Tracks für jede Gefühlslage. Man hört eine Message raus und es ist nicht eine Aneinanderreihung sinnloser Tracks. Von euphorisch bis melancholisch ist alles dabei. Die Instrumentals passen, wie von Marteria, beziehungsweise den Krauts gewohnt, super. Klar sind nicht alle Tracks perfekt, aber da spielt dann natürlich der Geschmack mit rein. Zum Teil gab es leider auch Songs, die schwach waren und nicht in das Konzept des Albums gepasst haben, was allerdings vielleicht auf zwei Songs zutrifft, von daher nicht so dramatisch. Insgesamt ist es auf jeden Fall ein Top Album und im Vergleich zu Martens alten Sachen, kein Album, was schlechter ist als seine Vorgänger." - 8/10
  • 6/10
    Cedric: "Marteria geht es zu gut. So wirkt es zumindest auf mich, wenn er auf diesem Album versucht Beobachtungen und Kommentare zu den Zeiten, in denen wir leben, zu liefern. Viele seiner Aussagen in den Songs klingen für mich meistens mehr nach smarten Wortspielen, als nach einem Satz, der den Nagel auf den Kopf trifft. Ganz nach dem Motto 'Komme mir smart vor, tippe jede Weisheit die mir einfällt in mein Smartphone', wie es Ahzumjot so schön auf den Punkt brachte. Genau deshalb hat er für mich die besten Momente auf den Songs 'Blue Marlin' und 'Skyline mit zwei Türmen', in denen der Bezug wesentlich persönlicher und die Farben, mit denen gemalt wird, wesentlich dunkler sind. Die helle Seite des Albums, auf Songs wie 'Cadillac' und 'Scotty beam mich hoch', wirkt mir leider oft zu poppig, vor allem, wenn auf einen überragenden Beat ein zuckersüßer Refrain folgt. Rein instrumental ist das Album für mich nämlich überragend und nicht vergleichbar mit allem, was sonst so im Rap-Zirkus herumstolziert. Trotz allem ist Marteria ein Künstler, der es wie kein Zweiter schafft, sich von den Trends der Zeit größtenteils zu lösen und eine Platte zu schaffen, die wohl außer ihm keiner hätte machen können." - 6/10
  • 8/10
    Niels: "Marteria ist ein Ausnahmekünstler, keine Frage! Dennoch hatte ich mit dem letzten Album 'Zum Glück in die Zukunft II' so meine Probleme. Auch wenn es zweifellos gut produziert war, fehlte es mir auf der Platte ein wenig an Roughness, die ich von den Vorgängerwerken gewohnt war. Von 'Roswell' kann man dies allerdings nicht behaupten. Klar ist auch die ein oder andere Nummer drauf, die locker im Radio oder Club laufen wird, Beats wie auf 'El Presidente', 'Links' und 'Blue Marlin' bringen allerdings wieder die richtige Portion Schmutz mit. So fällt die LP äußerst vielseitig aus, ohne dabei zusammengewürfelt oder unschlüssig zu wirken - im Gegenteil. Außerdem mag ich es, wenn Alben kompakt gehalten werden, statt diese unnötig zu überladen. Mein Highlight: 'Skyline mit zwei Türmen'." - 8/10
  • 7/10
    Jakob: "Ich tue mich unheimlich schwer bei der Bewertung. Das Album hat natürlich starken Popcharakter, aber dadurch, dass es nun mal keine Popuntermalungen sind, sondern derbe ausproduzierte Beats, auch wenn sie nicht so scheppern, wie meine Ohren es eigentlich gewohnt sind, stört mich das gar nicht mal so sehr. Für mich ist Marteria seit Jahren DER Inbegriff von deutschem Rap. Musik, die keine Vorbilder aus anderen Orten dieser Welt hat, sondern einfach richtig eigene, deutsche Mucke ist. Davon gibt es in Deutschland vielleicht eine Hand voll Künstler. Aber persönlich ist Marteria bei mir auch ein Rapper, der zwar einige unglaublich geile Tracks hat, aber den ich als Albumkünstler nicht nonstop hören kann. Das liegt halt zum einen an sehr sanften Beats und an seinen mal eher guten und mal schwächeren Texten. Gerade bei 'Roswell' erinnerten mich einige Textpassagen an die eines Kontra Ks. So eine pseudodeepe Tiefgründigkeit, die wenn man sie im Auto hört derbe fühlt und sich denkt: 'Ja man, das ist deep und spricht mir aus der Seele.' Hört man aber dann mal genauer hin, dann ist es wieder kompletter Nonsense. Jeden einzelnen Track kann man sich guten Gewissens anhören, doch ob richtige Raphörer dieses Ding auf Dauer gut finden werden, wage ich stark zu bezweifeln. Was Marteria auf 'Roswell' allerdings gelingt, ist es Atmosphäre zu schaffen und seine positiven Tracks können einem den Tag erhellen. Allerdings - einen roten Faden um das ganze Aliending habe ich irgendwie vermisst, gerade, weil es ja so stark aufgebauscht wurde in der ganzen, erfrischenden Promophase." - 7/10
  • 5/10
    Anna S.: "Die konzeptionelle Aufmachung des Albums finde ich ganz spannend - Die atmosphärischen Klänge rahmen die grundsätzlichen Inhalte ziemlich treffend. Trotzdem störe ich mich ziemlich an der recht flachen Umsetzung der Tracks. Obwohl die Inhalte sehr speziell sind, ist die musikalische Umsetzung sehr vorhersehbar. Mit Ausnahme von 'Blue Marlin' zeugen die Tracks von leichten, eingängigen Melodien, die für meinen Geschmack aber zu schlicht ausfallen." - 5/10
  • 7/10
    Marvin: "Inzwischen hat vermutlich jeder Mensch und sein Hund mitbekommen, dass Marteria ein Film samt Album rausbringt. Keiner blieb vom intensiven Promomarathon des Marteria verschont. Egal ob kiffend in der Hotbox, beim Umzug oder beim Interview mit jedem deutschen Medium. Jeder weiß jetzt außerdem, dass Marten es liebt zu angeln und das mit einer fast schon beängstigenden Leidenschaft. Zusätzlich noch der Gratis-Film der bald veröffentlicht wird. Was wurde uns da angepriesen? Heilt das Album Aids? Ist in jeder CD die Antwort auf außerirdisches Leben zu finden? Um das Ganze mal klar auszudrücken: Die Erwartungen sind gigantisch, auch grade weil uns das Album immer wieder in den Kopf geprügelt wurde. Kommen wir zur Musik. Es ist sehr schwer, Marterias Sound irgendwo einzuordnen. Nirgends findet man genau diesen Sound, bestehend aus einer Kombination seiner oft sehr eigenen, popangehauchten Beats, seinen deepen, aber gleichzeitig auch lebensbejahenden Texten und seiner Art zu rappen. Einzigartigkeit heißt aber nicht immer, dass es unbedingt gut ist. Es fehlt irgendwie eine Referenz, an der man das Album messen könnte um zu bestimmen, wie gut es denn jetzt ist. Mein Problem war, dass mich die Tracks, mit der Ausnahme von 'Skyline mit zwei Türmen', irgendwie nicht so gecatcht haben, wie diese lebensfrohen Hymnen es tun sollten, was aber vermutlich an meinem Musikgeschmack liegt. Nichtsdestotrotz ist das Album ein Gutes, obwohl ich vielleicht etwas weniger aus den Promokanonen geschossen hätte, da so die Erwartungen der Zuhörer immer weiter ansteigen." - 7/10
  • 8/10
    Yannick W.: "Marteria ist vielleicht der einzige Rapper hierzulande, dem ich ein makelloses Album zutraue. Und irgendwie mutet 'Roswell' eher wie das zweite Album an, nicht wie schon das Vierte. Wurde auf den beiden 'ZGIDZ' noch sehr introvertiert philosophiert, findet mit der neuen Platte nun der Aufbruch statt, den schon das Intro sehr konsequent andeutet. Und natürlich ist 'Roswell' Pop, natürlich wird 'Roswell' auch im Radio laufen, doch das Querdenken von Marteria und seinen Krauts macht die Platte eben zu anderem Pop, einer authentischen Kreuzung von Rap und Pop. Hinzu kommen einige Songwriting-Ausflüge in Richtung seines grünen Alter Egos, die – sehr gut dosiert – für die ein oder andere kifferäske Wortspiel-Auflockerung sorgen. Und auch wenn auf 'Cadillac' ein grandioser Hook-Fehlgriff gemacht wird und 'Großer Bruder' sich aufgrund der Monotonie beinahe in der Belanglosigkeit verläuft, macht 'Roswell' mir richtig Spaß und wartet mit Produktionen der Krauts auf, die in Deutschland abseits jeder Konkurrenz stattfinden." - 8/10
7/10

Kurzfassung

Mit „Roswell“ spaltet Marteria unsere Meinungen. Zwar herausragend produziert, kommt die Platte einigen zu poppig daher, kann andere dafür durch seine Vielfalt umso mehr überzeugen.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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