Die Meinung der Redaktion zu „Ich und mein Bruder“ von Mädness & Döll

Ich und mein BruderMusikalische Erziehung durch große Geschwister ist in den Kinderzimmern der Welt Gang und Gäbe. Auch dass aus verwandtschaftlichen Verhältnissen musikalische Gruppen entstehen, ist alles andere als eine Seltenheit. Eines dieser Brüderpaare sind Marco und Fabian Döll, aka Mädness und Döll, die sich in den letzten drei bis dreizehn Jahren solide Solokarrieren aufbauen konnten. Nun findet das hessische Brüderpaar zum ersten Mal auf Albumlänge zusammen. Als selbstgewähltes Vorbild für die erste gemeinsame Platte agiert niemand Geringeres als die wohl bekanntesten Geschwister der Hip-Hop Szene: Die Stieber Twins. Benannt nach einer Zeile aus deren Klassiker „Fahrenheit 72“ präsentiert das Hessener Duo nun insgesamt zwölf Songs zwischen Battlerap, dem gemeinsamen Aufwachsen und Verluste sowie einem Leben von Provinz bis Metropole. Maßgeblich am Produktionsprozess beteiligt waren dabei auch Torky Tork, der beim Aufkommen des Plans eines gemeinsamen Albums, in einer Hütte in Zella-Mehlis, dabei war, sowie Yassin, der als Executive Producer am gesamten Projekt Hand anlegte. Weitere Produktionen auf „Ich und mein Bruder“ stammen von Gibmafuffi, DexterSterio, Cyclef und die Unterstützung im Hintergrund übernahm Four Music. Wir haben die Kollabo-Platte besprochen. 

Mädness & Döll – „Ich und mein Bruder“ kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 8/10
    Shana: "Ein gemeinsames Album der Gebrüder Döll war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit. Dass genau jetzt allerdings genau der richtige Zeitpunkt für dieses Werk ist, wird jeder bestätigen, der die Platte hört. Mädness und Döll harmonieren stellenweise perfekt, an anderen Stellen wiederum, bekommen die einzelnen Talente ihre Aufmerksamkeit. Die Auskopplung und Stiebertwins-Hommage 'Ich und mein Bruder' ist eines der Highlights des gleichnamigen Albums, soll jedoch keineswegs heißen, dass sich der Rest der Platte dahinter verstecken müsste. Bleibt zu hoffen, dass das Duo es den Stiebers nicht gleich tut und wir künftig mit mehr gemeinsamen Projekten rechnen dürfen." - 8/10
  • 9/10
    Yannick H.: "Hat für mich definitiv das Potential, ein Instant Classic zu werden. Beats von u.a. Yassin, Torky Tork und Dexter kreieren ein Gefühl der Zeitlosigkeit, das von jedem der 12 Songs auf den Hörer überschwappt. So wie es sein muss. Die Gebrüder Döll geben sich in ihren Texten selbstbewusst, ohne vermessen zu wirken, geben sich gefühlvoll, ohne peinlich zu erscheinen. Die Lines sind on point, der Flow sitzt, und Bilder lassen sich oftmals auch in einfachen Worten skizzieren. De facto ein rundum gelungenes Album, das Mädness und Döll hier abgeliefert haben." - 9/10
  • 7/10
    Lukas: "Ein starkes Zusammenspiel der beiden. Sie harmonieren extrem miteinander aber sind trotzdem in Stimmfarbe und Flow so unterschiedlich, dass es angenehm bleibt zuzuhören. Auch die Themenwahl des Albums finde ich ansprechend. Es wird viel thematisiert, was uns alles täglich passiert und sie erzählen uns, wie sie damit umgehen. Stilrichtung trifft zwar leider nicht ganz meinen Geschmack, aber in diesem Album steckt auch musikalisch so viel Vielfalt, dass für jeden etwas dabei sein müsste." - 7/10
  • 9/10
    Yannick W.: "Ganz selten gibt es so Alben, die machen einfach alles richtig. 'Ich und mein Bruder' ist eins von genau dieser Sorte. Packend erzählt fühlen sich die kurzweiligen 45 Minuten an wie zehn, lassen einen trotzdem mit dem Gefühl zurück, die letzten drei Jahre an der Seite der beiden Brüder verbracht zu haben. Inhaltlich dementsprechend sehr intensiv, meistert das Duo die musikalische Umsetzung mit Leichtigkeit und setzt auf modernen Boom Bap von Torky Tork und Co, der sich das Prädikat Zeitlos verdient. Der schwerfällige und gut akzentuierte Flow Mädness' ergänzt sich wunderbar mit der messerscharfen Performance Dölls, der mich als Hörer teils in den Schwindel reimt – in diesem Gebiet gehört er ganz ohne Zweifel zur ersten Garde des ganzen Landes. So wird, unter Verwendung zahlreicher Referenzen an eigenes Schaffen und das der Vorbilder, vom Aufwachsen, existenziellen Krisen und der Entscheidung, nun vollends auf die Musik zu setzten berichtet. Nach und nach führen die Brüder auf den Gipfel des narrativen Bogens, gebildet durch 'Kein Tag', hin. Diese hochemotionale Auseinandersetzung mit dem Verlust ihres Vaters hat man während des folgenden federleichten 'Alright' erst einmal zu verdauen, bevor die LP einen gleichermaßen zufriedenen wie hungrigen Schlusspunkt findet. Seit 'Yo, Picasso' ist 'Ich und mein Bruder' wohl das erste Deutschrap-Album, das sich den Status 'Klassiker' nicht verdienen muss, sondern gleich mit auf den Weg gegeben bekommt." - 9/10
  • 8/10
    Niko: "Gutes Album, wirklich. Roter Faden, viel Tiefgang, eine Menge Haltung und genug Witz um nicht verkrampft zu klingen. Einzig musikalisch fehlt mir ein wenig Druck." - 8/10
  • 7/10
    Sara: "Zugegebenermaßen kannte ich vorher nicht viel von Mädness und Döll, daher bin ich auch mit keiner Erwartungshaltung an das Album herangegangen. Ich war echt positiv angetan, muss ich sagen! Themen wie Familie und Motivation sind zwar nicht unbedingt neu, aber cool verpackt. Auch die Beats find ich richtig dope – irgendwie organisch, aber auch modern. Wer sagt, dass es eintönig ist, hat schlichtweg unrecht. Ich habe es angehört, als ich mich für den Tag fertig gemacht habe. Normalerweise vergesse ich da oft der Musik zuzuhören, aber 'Ich und mein Bruder' hatte mich gecatcht. Manchmal erreicht es einen einfach und man kann nicht genau erklären wieso." - 7/10
  • 8/10
    Daniel: "Als ehemaliger Darmstädter sollte hier natürlich eine Menge Lokalpatriotismus einfließen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich Mädness nie besonders viel abgewinnen konnte. Seinem Bruder hingegen schon deutlich mehr. Dies war letztendlich auch der Grund warum ich mir die Platte genauer angeschaut habe: Und siehe da, die beiden harmonieren wie...naja, Brüder. Mädness eher gemächliche Gangart und Dölls versierte Technik ergänzen sich perfekt zu den durchweg hochgradigen Produktionen. Textlich bekommt man viel vom 'Daily Struggle' der beiden Brüder geboten, kredenzt mir einer ordentlichen Portion Credibility. So oder so erweist sich 'Ich und mein Bruder' als eine runde Rap-Platte, die eigentlich nur eine Frage aufwirft: 'Warum nicht schon viel früher?' - 8/10
  • 9/10
    Anna S.: "Egal welche Geschichte Mädness und Döll erzählen, sie wirkt authentisch und ehrlich – frei von jeglichem Pathos oder emotionalen Kitsch. Die beiden Brüder komplettieren nicht nur ihres Storys, sondern auch ihr gemeinsames Auftreten in Sachen Delivery und Flow. Während Mädness mit weichem und kraftvollem Sprechgesang den Weg auf den zwölf Tracks ebnet, legt Döll mit straighter und leicht aggressiver Delivery stets nach. Das Ganze findet auf schlichten, leichten Understatement-Instrumentals statt, die dennoch sehr melodisch daher kommen und den passenden Soundrahmen liefern. Ich habe schon länger kein Album mehr gehört, dass mich derart fesselt, wie 'Ich und mein Bruder'. Obwohl die Thematik einen kompletten Abriss der Gedankenwelt der beiden Brüder liefert, ist es stimmig und in sich geschlossen – Offen, direkt und spannend. Beste Tracks sind für mich 'Kein Tag' und 'Alright'." - 9/10
  • 7/10
    David: "Das Album 'Ich und mein Bruder' kam wie aus dem nichts und katapultierte die zwei Brüder zu Kritikerlieblingen. Meiner Meinung nach dank der fehlenden Erwartungshaltung an die beiden. Dennoch können Mädness und Döll mit dem insgesamt etwas schleppenden Sound und ihrem Reimfeuerwerk überzeugen. Sie schaffen es das Spagat zwischen Selbstreflektion und straighten Rap über Rap, der aber nicht zu sehr in die Realkeeperschiene abdriftet, zu meistern. Alles in Allem ein Album mit dem Mädness und Döll nach ihrer Anerkennung gestrebt haben, welche sie jetzt verdienterweise auch bekommen." - 7/10
  • 9/10
    Cedric: "'Ich und mein Bruder' ist für mich eines der interessantesten Alben dieses Jahres. Die Dualität der beiden Brüder ist auf dem Album nicht nur eine Spielerei, sondern ein Konzept, dass sich durch alle Ebenen zieht. Obwohl die beiden auf dem Album sehr viel erzählen, wurde ich nicht müde den beiden zuzuhören, was an der überragenden Umsetzung liegt. Auch die Beats klingen für mich zeitloser als die auf vielen der Alben, die in letzter Zeit erschienen. Für ein perfektes Album fehlt mir manchmal ein wenig die Prägnanz in den Texten und ein konsequenter roter Faden, der die Reihenfolge der Lieder in irgendeiner Form begründet." - 9/10
8.1/10

Kurzfassung

In Mädness‘ und Dölls erster Zusammenarbeit sehen wir das Potential, den Klassiker-Status für sich zu erlangen. Kaum Makel finden sich auf den insgesamt zwölf, oft sehr persönlichen Songs, die in einem modernen Boom-Bap Gewand gehüllt daherkommen.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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