Die Meinung der Redaktion zu „Banditorinho“ von Luciano

Das Jahr 2016 bracht wohl so viele virale Hits innerhalb der deutschen Szene hervor, wie kaum ein Jahr zuvor. Neben bis dahin utopische Klickzahlen in Rekordzeiten erreichenden Songs wie „Kokaina“ oder den „Palmen aus Plastik“-Singles schafften es gleich eine ganze Reihe weiterer Newcomer, aus dem Stegreif mit einigen ihrer ersten Songs in nur wenigen Tagen die magische Grenze der 1 Millionen Klicks zu durchbrechen. Einer, der das quasi sogar mit Ansage tat, war Luciano, der mit dem Song „Jagen die Mio“ auf Anhieb zu einer der gefragtesten Newcomer wurde. Gemeinsam mit seiner Loco Squad galt es nun natürlich, den Hype nicht verstreichen zu lassen und so steht das erste Tape nun bereits in den digitalen Regalen. Das trägt den Titel „Banditorinho“ und kommt neben der Hit-Single mit Nikky Santoro auch mit Features von Nate57, Telly Tellz und Cahiips daher. Wir haben das Mixtape besprochen.

Luciano – „Banditorinho“ kaufen

 

 

  • 6/10
    Cedric: "Obwohl das Album sehr gute Produktionen bietet und Luciano so gekonnt textet und flowt, wie kaum ein zweiter deutscher Newcomer, bleiben für mich die großen Highlights leider aus. Das mag vielleicht daran liegen, dass man in den letzten Jahren so einiges an französisch inspiriertem Rap gehört hat. So rattert das Album irgendwie durch. Das ist wirklich schade, weil Luciano gerade auf ‚Psychose‘ zeigt, dass er auch abseits von düsteren Straßen-Rap Texten durchaus persönlich sein und reflektierte Einblicke liefern kann. Trotzdem bin ich gespannt was in Zukunft noch von ihm kommt.“ - 6/10
  • 7/10
    Jakob: Luciano erinnert mich ein wenig an eine Trap Version eines Nate57 aus dem Jahre 2009, denn sein Hunger ist auf jedem einzelnen Track des Tapes zu spüren. Deswegen hat mich das Nate Feature auch überhaupt nicht überrascht. Jedoch kann mich Luciano mit seinem Tape nur bedingt überzeugen, da mir das Tape zu wenige Facetten aufzeigt. Luciano erwähnt es sogar selbst bei „Ryad Marez“, in dem er sagt, dass seine Lyrics primitiv sind. Es ist nicht so, dass ich primitive Texte nicht feiern könnte. Aber damit mich ein Rapper wirklich fesselt, muss er mir doch etwas mehr geben als nur Primitivität auf heftigen Beats. Luciano zeigt mir leider zu viel Fassade, obwohl er doch bei zwei Tracks durchaus andeutet, dass er auch etwas mehr Tiefgang in seinen Lyrics haben kann. Namentlich sind das die Songs 'Mio 2.0' und 'Psychose'. Der Rest der Tracks ist eher Durchschnittsfassadengeflexe auf wirklich stabilen Trapbangerbeats. Trotzdem ein wirklich ordentliches Debüt-Tape. Abgesehen davon hat Luciano hat meiner Meinung nach wirklich das Zeug etwas Großes zu werden. Diese Energie und sein variabler Stimmeneinsatz und der daraus resultierende Flow – das hat für mich ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland." - 7/10
  • 6/10
    Lukas: "Luciano hat Hunger und große Ziele. Für einen Moment war ich begeistert, von dem Druck und der Energie, mit der der junge Berliner über die Beats brettert. Doch ab dem zweiten Track ist mir aufgefallen, dass ich mir das ganze doch sehr bekannt vorkommt. Von fast allem, was im Deutschrap grade so passiert. Vielleicht nicht mit ganz so viel Energie, aber doch sehr vielen ähnlichen Zügen, bewegen sich dutzende junge deutsche Newcomer und ihre Crew grade fort. In der Backspin Redaktion bekommt man tagtäglich viele Songs, Mixtapes und Videos zu gesicht und leider unterscheiden sich davon die wenigsten. Da 'Banditorinho' allerdeings Lucianos Debut darstellt, habe ich noch Hoffnung auf einen Sprung nach oben. Dann bitte mit etwas größerem Wortschatz und etwas weniger als neunzig Prozent aller Wörter 'Negro' oder 'Loco'." - 6/10
  • 7/10
    Shana: "Ich mag sehr, wie Luciano mit seiner Stimme umgeht. Die Trap-Gewänder, die die musikalische Untermalung des Tapes darstellen, passen perfekt zu seiner rauen Attitüde. Als Debütwerk eignet "Banditorinho" sich sehr gut, wobei es der Platte vermutlich auch keinen Abbruch getan hätte, wenn man auf ein, zwei Songs verzichtet hätte und das ganze so noch knackiger gestaltet hätte." - 7/10
  • 6/10
    Yannick W.: "Der Hype rund um den Sound, den Luciano bedient, spielt dem ersten Tape zweifelsohne in die Karten. Wirft man einen Blick auf die 'Hit-Maker' des letzten Jahres, kann er sich allerdings nur bedingt vortun. Zwar ist 'Banditorinho' handwerklich on Point, durchweg druckvoll präsentiert und ohne große Kritikpunkte ausproduziert, trotzdem fehlt mir etwas. Und das ist das, was Luciano erst so richtig interessant macht. Im jungen, frankreich-inspirierten Stil, den er bedient fühlt er sich wohl und lässt gleich auch Features wie Nate oder Telly Tello blass wirken. Trotzdem – Abwechslung und ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal, mit Ausnahme der geringfügigen spanischen Einflüsse in seinen Texten, sucht man vergebens. Zwar ein solides, konsequent druckvolles Tape, aber noch nicht der große Wurf, der sich mit dem Hit im letzten Jahr andeutete." - 6/10
  • 7/10
    Marvin: "Seitdem ich 'Jagen die Mio' zum ersten mal gehört habe, hatte ich große Hoffnungen auf diesen Berliner mit der Sturmhaube, da er einen Stil in die Szene gebracht hat, den ich genau so bisher vermisst habe. Gerade durch die vielen Videos im Vorfeld hat sich (bei mir) eine hohe Vorfreude entwickelt. Bisher kannte man ja nur den aggressiven Luciano, der mit einem begrenzten Wortschatz und harten Beats Energie in Audioform bringt. Auf 'Banditorinho' klingt vieles genau so, aber es gibt eben auch Abwechslung, wie z.B. 'Anders nicht so wie du' oder 'Psychose'. Der Großteil bleibt aber dieser energiegeladene Rap, den man so auch schon oft aus Frankreich gehört hat, allerdings auf Deutsch in dieser Form bisher fehlte. Insgesamt ist das Projekt stabil, etwas mehr Varianz wäre aber löblich gewesen. Bei 35 Minuten Spielzeit wird der aggressive Stil nicht so schnell langweilig, allerdings muss er sich für sein nächstes Projekt (Album?) vorallem in der Beatauswahl etwas breiter gefächert aufstellen. Auf 'Banditorinho' greift die Neuartigkeit, die kurze Spielzeit und der momentane Hype ineinander und so entsteht ein rundes Ding. Ich bin gespannt, wie es in Zukunft um Luciano aussieht, und ob er aus seinem momentanen Hype Kapital schlagen kann." - 7/10
6.5/10

Kurzfassung

Mit „Banditorinho“ liefert Luciano zwar durchweg solide ab, ein wirkliches Highlight bleibt nach dem abrupten und erfolgreichen Durchbruch des letzten Jahres allerdings aus.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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