Die Meinung der Redaktion zu Lemurs “Die Rache der Tiere”

Die Rache der TiereZehn Jahre ist es mittlerweile her, dass Herr von Grau mit “Blumenbeet” auf dem Radar aufmerksamer Deutschrap-Hörer erschien. Das Duo, bestehend aus Rapper und Produzent Benny und dem DJ Kraatz, schuf sich mit ihrem Sound zwischen düsterer Dystopie, Gesellschaftskritik und Kiffer-Humor schnell eine ganz eigene Sparte. Aus der Zusammenarbeit gingen in insgesamt sechs Jahren zahlreiche Projekte hervor, bis die Band mit der Tour zum finalen Album “Freiflug” ein Ende fand, unter anderem da die Bandkasse gestohlen wurde. Während Kraatz weiterhin vornehmlich hinter den Reglern sitzt, machte sich Benny auf den Weg als Soloact, neuer Name: Lemur. Das Debüt ließ nicht lange auf sich warten, vor ziemlich genau zwei Jahren gab er mit “Geräusche” seinen Einstand nach dem Neustart. Mittlerweile steht schon ein Nachfolger in den Regalen, der da auf den Titel “Die Rache der Tiere” hört. Natürlich legt erneut Lemur selbst die Hand an den Beats an und lädt sich einige befreundete Gäste. Wir haben uns das zweite Soloalbum des Niedersachen angehört.

Lemur – “Die Rache der Tiere” kaufen

 

Das sag die BACKSPIN Gang!
  • 7/10
    Yannick W.: "Um ein vielfaches leichter zugänglich als der Vorgänger oder auch einige Herr von Grau Projekte. Die Beats kommen entspannter daher, man hört Lemur über einen Großteil des Albums tatsächlich an, dass er eine Menge 'Ballast über Bord' geworfen hat. Im Gegensatz zu den den bisherigen Produktionen Bennys treiben die Instrumentals dieses Album regelrecht an, schaffen sehr viel Dynamik. Das hat allerdings auch zur Folge, dass man auf dem Album Songs mit Intensität und Atmosphäre des Kalbibers 'Er läuft' vergebens sucht. Stört allerdings auch nicht weiter, da auf 'Die Rache der Tiere' zum ersten Mal beinahe alle Songs ineinandergreifen, mit Ausnähme von 'Dazugehirn' und 'MMV', die auch auf 'Freiflug' hätten stattfinden können, entsteht ein sehr kohärentes Soundbild. Die schon immer kritischen, nachdenklichen Texte Lemurs fallen dabei erneut recht explizit und bildhaft aus, werden allerdings auch mit einer guten Portion Galgenhumor gewürzt. Besonders 'Highlander', quasi eine Weiterführung des 2013er Songs 'Pommes', trifft genau die richtigen Töne und bildet mit seinem schwierigen Thema eins der Highlights. Summa summarum das bis dato runde Projekt Lemurs, zwar mit ein paar Songs und Features zu viel und noch immer sehr sperrig, aber eben diese verkopfte Art begeistert mich an der Musik Lemurs.“ - 7/10
  • 7/10
    Cedric: "Für mich ist die Rache der Tiere ein rundum rundes Album. Die Beats passen alle wunderbar zueinander und unterstützen die oft sehr düsteren Töne, die Lemur in seinen Texten anschlägt. Seine oft sozialkritischen Texte bieten clevere Beobachtungen über Leben, Menschen und Gesellschaft. Diese schwanken die meiste Zeit zwischen Depression und Wahnsinn. Mein einziges Manko ist, dass für mich bei 14 Liedern, einzelne davon manchmal in der Masse untergehen. Was bleibt aber bleibt, ist die Lyrik, die ist sehr raffiniert ist und mich dazu motiviert das Album noch ein paar Mal durchzuhören. Ein passendes Album zu dem Geschmack, den die Ereignisse der letzten Zeit hinterlassen haben." - 7/10
  • 8/10
    Anna S.: "Per se reicht Lemur keine leicht verdauliche Kost – weitreichende Gesellschaftskritik mit dem detaillierten Ausmalen sämtlicher Missstände und Ungleichheiten. Dieses große Thema fängt er gekonnt mit Wortwitz oder klaren Punchlines auf, die wiederum vom sanften Boom-Bap Sound abgefedert werden. Kurz gesagt: Straighte Message und angenehmer Sound. Mir gefällt dieser direkte und dennoch amüsante Stil. Interessantes und kritisches Album, das trotzdem streckenweise unterhaltsam daher kommt." - 8/10
  • 7/10
    Sara: "Es ist für manche sicher ein Widerspruch zu sagen, dass man ein Album privat eher weniger pumpen würde, es aber trotzdem gut findet. So ein Fall ist das für mich gerade. Mit wesentlich mehr Pfiff kann mich Lemur mit 'Die Rache der Tiere' überzeugen. Das Story-telling hat er einfach drauf und diesmal hat Lemur es geschafft sein neues Album mit einem experimentelleren Soundbild positiv von den Vorgängern abzuheben. Da stecken Mühe und Gedanken drin, das hört man. Man merkt, dass er, ohne sich großartig zu verändern, diesmal andere Hebel in Bewegung gesetzt hat." - 7/10
  • 8/10
    Teresa: "Das Album von Lemur musste ich ein paar Mal hören bis ich einen Zugang gefunden habe, da ich seinen, leicht old school-mäßigen, Flow zwar von vornherein richtig gut fand, ich aber das Konzept der Platte und auch den Titel 'Die Rache der Tiere' schwierig fand. Letztendlich würde ich aber behaupten, dass ich einen Zugang gefunden habe und feiere vor allem 'Sterben' wegen der Vergänglichkeits-Thematik." - 8/10
  • 5/10
    Peter: "Die Grundidee und die Aufmachung des Albums machte mich neugierig auf das, was Lemur da produzierte. Trotz stellenweiser starker Parts, leider nichts, dass ich mir öfter anhören würde. Dies ist vor allem seiner Delivery geschuldet an die ich mich wohl noch gewöhnen muss. Dafür aber einer willkommener Kontrast zu dem,was sonst den Weg in meine Playlist findet." - 5/10
  • 8/10
    Yannick H.: "Mit einer deepen Atmosphäre und einem melancholischem Sound kann man bei mir in der Regel immer punkten. So auch hier, auch wenn ich nicht vollends von 'Die Rache der Tiere' überzeugt bin. Lyrisch kann ich Lemur gar nichts ankreiden, hier gibt sich der gebürtige Wolfsburger gewohnt wortgewandt, auch wenn die x-te Ton Steine Scherben-Referenz nicht hätte sein müssen. Jedoch gestaltet sich das Soundbild streckenweise zu eintönig bzw. ähnlich, so dass man als Hörer schnell dazu geneigt ist, abzuschweifen. Nichtsdestotrotz trifft Lemur meinen Geschmack, da er persönliche Einblicke gewährt und augenscheinliche Banalitäten interessant beschreibt." - 8/10
  • 7/10
    Shana: "Ich habe schon damals Herr von Grau sehr gefeiert und mich dementsprechend gefreut, als ich nach der Trennung auf Lemur aufmerksam wurde. 'Die Rache der Tiere kommt als extrem rundes Ding daher, dessen Themenspektrum auch angenehm breit aufgestellt ist. Trotzdem ist das hier keine Platte, die man nebenbei laufen lassen kann, denn sie fordert schon Aufmerksamkeit. Diese Zeit sollte sich aber jeder mindestens einmal nehmen, denn Lemur hat so viel mehr verdient als auf ewig immer nur dieser eine Geheimtipp zu bleiben." - 7/10
7.1/10

Kurzfassung

Mit seinem zweiten Soloprojekt kann Lemur den Vorgänger “Geräusche” beinahe auf ganzer Linie übertreffen. Das Ex-Herr von Grau Mtglied liefert mit “Die Rache der Tiere” ein intelligentes, nachdenkliches und gleichzeitig nicht zu verkrampftes, lustiges Album.

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