Die Meinung der Redaktion zu „Ye“ von Kanye West

Eine triviale Aktion reicht, um das Internet kopfstehen zu lassen: Die erneute Aktivierung eines Twitter Accounts. Denn kaum ein Kuznachrichtendienstprofil bietet so viel Stoff für News-Verwertung Dritter wie das von Kanye West. Das des US-Präsidenten mal ausgenommen. Wirklich explosiv wird die Berichterstattung darüber allerdings an dem Punkt, an dem eben diese beiden Profile aufeinanderprallen. Kanye und Trump verbrüdern sich via Internet. Da geht es beinahe unter, dass mit dem erneuten Twittern von Yeezus in der Regel ein neues Album mitschwingt. Dieses Mal sogar gleich fünf. Für zwei bzw. drei seiner G.O.O.D-Künstler besinnt sich Kanye auf seine eigentliche Profession, das Produzieren, zwei Mal will er selbst zum Mikro langen um mit kontroversen Zeilen Fragezeichen und offene Münder in die Gesichter seiner Hörer zu zaubern. Eins dieser fünf Alben wird wie die Auflösung der letzten 18 ziemlich turbulenten Monate gehandelt. „Ye“, das achte Soloalbum präsentiert schon auf dem Cover, dass im Zentrum der Platte Kanye Wests psychische Erkrankung, die 2016 zum Abbruch seiner Tour und psychiatrischer Behandlung geführt hat, steht. Eine Erkrankung, die ihn zum Musik machen auf ein Anwesen im kahlen Wyoming trieb, in die Arbeitswut, die eben die angekündigten fünf Alben hervorbrachte. Wir haben das sieben Songs starke „Ye“ besprochen.

Kanye West – „Ye“ kaufen

 

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 7/10
    Yannick W.: "Ein für Kanye-Verhältnisse eigentlich vernachlässigbar klingendes Album, das erste seiner Alben, dem wirklicher musikalischer Impact fehlt. Die lyrischen Entgleisungen sind teils katastrophal, die Songs zwar einfallsreich, allerdings insgesamt noch zu roh. Was hätte 'Ghost Town' für ein Hit werden können, klänge er nicht so unfertig. Das revolutionäre – und solche Moment braucht jedes Kanye West Album nunmal – ist ein Anstoß im anderen Umgang mit psychischer Erkrankung in der Musik-Industrie und die Einbettung in dieses absurd gigantische Fünffach-Album-Projekt. Und dafür muss man Respekt zollen." - 7/10
  • 8/10
    Sabrina: "Ich hatte erwartet, 'Ye' würde das Chaos um Kanye nur noch lauter werden lassen - zu meiner Überraschung ist das Gegenteil eingetreten. Sieben Tracks, die zumindest schemenhaft das Innenleben des Rappers erahnen lassen. Für mich machen eben diese sieben Tracks als Gesamtpaket einfach Sinn und jeder einzelne passt genau dahin, wo man ihn antrifft. 'Ye' ist wie ein gutes Buch, das bereits spannend beginnt und es dann noch schafft mit jeder Zeile zu intensivieren und dank der zeitlichen Knappheit nie zu überfordern. Meine persönliche Hymne habe ich in 'Ghost Town' gefunden. Ein Track den ich seit Release täglich mehrmals höre und trotzdem jedes Mal aufs Neue innehalte, wenn 070 Shakes 'Whoa' einsetzt. Für mich eine der beeindruckendsten Platten, die ich seit langem gehört habe." - 8/10
  • 6/10
    Josh: "'Ye' ist ein Statement, eine kurzweilige Momentaufnahme. Leider nicht mehr. Damit reiht sich "Ye" nicht wirklich in seine unglaubliche Albendiskografie ein. In fünf Jahren werde ich immer noch 'My Beatiful Dark Twisted Fanatasy' pumpen, während 'Ye' auf der Festplatte verstaubt. Aktuell sind 'Violent Crimes' oder 'Wouldn't Leave' natürlich trotzdem sehr bewegend. Ich wünsche mir einfach mal wieder ein richtiges Kanye-Album." - 6/10
  • 8/10
    Niklas: "Ich tue mich extrem schwer dieses Album zu bewerten. Ich kann nicht leugnen, dass ich nach den ersten zwei Durchläufen einfach nur beeindruckt war von dem, was Kanye hier doch wieder abgeliefert hat. Aber ebensowenig kann ich leugnen, dass sich nach jedem Durchlauf gleich eines Hidden-Track ein schweres, unangenehmes Gefühl breit macht. Nicht nur seine Aussagen vor dem Release, auch Lines wie der Russel Simmons Verweis stoßen extrem sauer auf. Dem gegenüber stehen Tracks, die emotional und persönlich auf dem Level sind, was mir an den ganzen Blödeleien auf 'TLOP' gefehlt hat. Auch die heruntergefahrenen Produktionen und die soundtechnischen Querverweise auf seine eigene Diskografie langweilen keinesfalls, eher im Gegenteil. Am Ende fehlt mir, als jemand dessen unbändiges wie stereotypisches Fantum für Kanye West soweit geht, dass sogar meine Bachelor-Arbeit von diesem handelt, einfach ein klares Statement, eine greifbare Idee." - 8/10
  • 7/10
    Kevin W.: "Wenn eine bipolare Erkrankung Schönheit besitzen kann, dann mit ‚Ye’ - die auditive Offenbarung Yeezys-Gedankenwelt. Der musikalische Hochmut nach dem seelischen Verfall wenn man so will. 23 Minuten die aufzeigen, was Hip-Hop auch sein kann." - 7/10
  • 7/10
    Alexios: "Das Album ist überraschend ehrlich und unaufgeregt im Gegensatz zu seinen älteren Projekten. Bei den ganzen Geschichten und Tweets im Vorhinein habe ich eigentlich mit etwas Verrückterem gerechnet. Das Konzept mit den sieben Songs gefällt mir, allerdings merkt man den Songs sehr an, dass diese in einer Woche gemacht wurden. Ich hätte mir mehr Durchdachtes von Kanye gewünscht, aber wie er selber sagt: 'Just say it out loud, just to see how it feels'." - 7/10
  • 8/10
    Josephine: "Dadurch, dass das Album schon vor Release so doll gepusht wurde, hab ich echt ein absolut krankes Meisterwerk erwartet. Kanye bleibt sich treu und kann mal wieder lyrisch alles rausreißen. Alle sieben Tracks, besonders die Beats haben mich aber leider nicht direkt weggeklatscht. Trotzdem glaube ich, dass er mit der Platte Vorreiter für etwas ist, was nun jeder nachmachen will..." - 8/10
7.3/10

Kurzfassung

Kanye zeigt sich auf „Ye“ so greifbar wie selten zuvor, verpackt das in zwar starken, allerdings musikalisch erstaunlich uninnovativen Produktionen. Hinzu kommen einige ebenso sauer wie diverse Tweets aufstoßende Verweise und Zeilen.

Sag uns deine Meinung. Bewerte "Ye" auf einer Skala von 1 bis 10.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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