Die Meinung der Redaktion zu “HWG” von Juicy Gay

Toleranz und Hip-Hop stehen sich in gewisser Weise in einer Art von Hass-Liebe-Beziehung gegenüber. Zwar mit Werten wie “One Love” gestartet, machen sich durch das Verwischen von Grenzen im Battlerap auch Diskussionen über Intoleranz, Sexismus oder Homophobie innerhalb der Szene breit. Doch auch außerhalb von Battletexten kann das Thema Toleranz für die Hip-Hop Community Relevanz genießen, so etwa während des Karrierestarts von Juicy Gay. Irgendwo zwischen einer schnell wachsenden Fangemeinde, besonders im Twitter-Kosmos, und einer Menge Hass in den Weiten des Internets droppte er Mixtape nach Mixtape zum gratis Download. Nun steht das erste große Release an, mit WSP im Rücken und AsadJohn an den Reglern entstand das neue Tape “HWG” (Hallo, wie geht’s). Im Zuge der Promo räumte der Borkener schlussendlich mit der Titulierung als “erster offen homosexueller Rapper Deutschlands” auf, erklärte, der Name sei lediglich dem lustigen Wortspiel geschuldet. Als Gast lud er sich lediglich Münchener Felix Krull. Wir haben “HWG” besprochen.

Juicy Gay – “HWG” kaufen

 

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 7/10
    Shana: "Juicy Gay ist für mich der Inbegriff dieser Twitter-Rap-Bewegung, ohne das auch nur ansatzweise negativ zu meinen. 'Hallo, wie geht's?' Ist super erfrischend, wenn man sich ansonsten mit verbissenem Strassenrap beschäftigt. Auch Asadjohn sollte nicht unerwähnt bleiben, der super zeitgemäße Produktionen für die Platte zaubert. Achso, Highlight ist übrigens 'Traurig ohne Grund'." - 7/10
  • 8/10
    Cedric: "Mit seinem Debütalbum schafft er, was viele andere Rapper, die über das Internet bekannt wurden, oft versuchen. Die Essenz seiner früheren Musik, was für mich das Unangestrengte, Verspielte ist, bleibt erhalten, während die Musik aufgeräumter wirkt und besser ausproduziert ist. Gerade auf Songs wie 'Paris' und 'Traurig ohne Grund' beweist Juicy Gay, dass er mehr kann, als nur albern zu sein. In diesen Songs zeigt er ein gutes Ohr für Melodien und Songwriting. Trotzdem ist mit 'Subway' auch ein Song enthalten, der mich tatsächlich gewollt zum Lachen bringt, was mir eher selten passiert. Gerade aufgrund dieser Vielfältigkeit kommt der 'Fluss' des Albums für mich beim Durchhören manchmal ins Stocken, was aber durchaus zu verzeihen ist, wenn ich bedenke, wie viel Spaß ich mit diesem Album hatte." - 8/10
  • 7/10
    Lukas: "Juicy Gay bringt frischen Wind und das merkt man direkt von Anfang an. Auch wenn man das Tape textlich nicht als unglaublich anspruchsvoll und durchdacht betrachten kann (es sei denn man ist Cedric (s/o)), finde ich es trotzdem als angenehme Abwechslung die ungefilterten Gedanken meiner Generation zu hören, ohne dass sie durch Drogen verkaufen und Kriminalität beeinflusst sind. Juicy Gay will mit keinem Beef, sondern hat alle lieb (intended), er hat einfach eine ungewöhnliche Einstellung zu Musik und kann das auf hochkarätigen Beats von Asadjohn, der so wie so im Moment ziemlich abräumt, unter Beweis stellen. Nichts, was ich mir jeden Tag immer anhören kann, aber man kann es feiern. Banger wie '2 Uhren' und 'Skibrille' kann man sich auch gut öfter geben." - 7/10
  • 8/10
    Jakob: "Juicy Gay ist nach wie vor ein sehr schwer greifbarer Künstler für mich. Trotzdem hat mich das Tape oder Album - was auch immer es am Ende ist, sehr unterhalten. Die Platte deckt alles ab. Es gibt einige Banger, drei ruhigere Tracks und eigentlich könnte man wegen jedem verdammten Lied nen kleinen Lachkrampf kriegen. Vorausgesetzt, man hat keinen Stock im Arsch und sieht in Juicys Musik nicht die Auferstehung Tupacs. Für das, was es ist - einfach Mucke, ist es wirklich gut. Ob es auch langlebig ist, wird die Zeit zeigen. Status Quo ist aber, dass Juicy Gay fly wie Ibitak ist." - 8/10
  • 6/10
    Marvin: "Mir war lange nicht klar, dass Juicy Gay inzwischen eine stattliche Fanbase hat. Ich kenne ihn noch von Swag Mob Zeiten, einer kleinen Moneyboy-Fangruppe auf Facebook. Dort fing er an zu rappen und ein paar Leute fanden das cool. Inzwischen hat er selbst Auftritte, füllt ganze Hallen und hat mit 'Hallo Wie Gehts?' sein Debüt abgeliefert. Der Sprung vom Internetrapper zum 'echten' Rapper ist ihm durch eine hohe generelle Qualität (Abmische, Beats etc.) und eine sehr starke Arbeitsmoral gelungen. Nur fehlt mir irgendwie etwas beim Album. Mir wirkt das Ganze etwas zu 'Meme-y'. Die Beats sind oft unfassbare Bretter und man kann alles angenehm hören, nur bleibt irgendwie Nichts hängen oder motiviert mich dazu, nochmal einen Track zu hören. Das Album lief einmal durch, lief nochmal durch und beide Male konnte ich mich an keine Zeile, Stelle oder Melodie erinnern die mir in meinem Leben weitergeholfen hätte. Ich feiere allerdings Juicys Werdegang und seine Attitüde und wünsche ihm alles Gute auf Gottes Erde. Amen." - 6/10
  • 7/10
    Yannick W.: "'Hallo, wie gehts?' ist weit weg vom oft belächelten Twitter-Rapper, als der Juicy von einem großen Teil der Community abgestempelt wurde. Schon die druckvollen Beats von Asadjohn allein würden wohl für ein starkes Tape reichen, perfekt ergänzt werden sie von einem kaum greifbaren, merkbar routinierter performenden Juicy Gay. 'HWG' schafft fast durchweg gute Laune, wirkt aber nie zu albern oder memehaft. Catchy Hooks, allen voran '100K Mäuse' runden das Gesamtpaket ab. Und auch wenn der Sound von Trends geprägt irgendwo sehr nah am Zeitgeist stattfindet, baut Juicy auf dem Tape konsequent weiter an der ganz eigenen Nische: Habt euch alle lieb." - 7/10
7.2/10

Kurzfassung

Mit dem Debüttape schafft Juicy Gay es – nicht zuletzt wegen der durchweg starken Produktionen von AsadJohn – den Sprung vom Internetphänomen zum Full-Time-Künstler zu meistern und gleichzeitig mit Hitpotential zu punkten.

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