Die Meinung der Redaktion zu Joy Denalanes „Gleisdreieck“

Deutschland und Soulmusik hatten schon immer ein eher zerrüttetes Verhältnis, wollen einfach nicht so recht zusammenfinden. Gäbe da nicht diese eine Ausnahme: Rund um die Jahrtausendwende mit ihrem Debütalbum „Mamani“ erstmal als Solomusikerin auftretend, schaffte Joy Denalane es, die beiden schließlich zusammenzubringen. 15 Jahre sind seitdem ins Land gegangen. Nach sechs Jahren Pause und Gastauftritten auf den LPs von Genetikk, Haftbefehl & Xatar, Chefket oder Megaloh stand nun die vierte Platte für die Berlinerin an. Die findet rund um ihre Jugend und damaligem Zuhause, dem „Gleisdreieck“ zwischen Berlin Kreuz- und Schöneberg, statt, berichtet von Liebe, Familie, aber auch Unsicherheit, politischem Umbruch und Intoleranz. Neben Ehemann Max Herre und dessen Produktionsteam Kahedi waren unter anderem auch Tua, Bazzazian, Ghanaian Stallion, KitschKrieg, Maxim sowie Megaloh, Ahzumjot, Rin, Marteria, Chima Ede und Eunique am Arbeitsprozess beteiligt. Wir haben „Gleisdreieck“ besprochen.

Joy Denalane – „Gleisdreieck“ kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 9/10
    Yannick H.: "Joy Denalane kann es stimmgewaltig ('Elli Lou'), Joy Denalane kann es sanft ('B.I.N.D.A.W.') und hat damit den perfekten Mix für ihr neues Album gefunden. Die Berlinerin präsentiert zeitgemäßen Soul und R'n'B und verarbeitet gekonnt Elemente aus der afrikanischen bzw. südamerikanischen Musik in ihrem eigenen Sound. Songs wie 'Alles leuchtet' und 'Ich bereue nichts' vereinen so viel Positivität in sich und kommen mit einer schier grenzenlosen Lebensfreunde daher, dass zwangsläufig gute Laune aufkommt. Und das schafft nicht jeder Künstler bei mir." - 9/10
  • 7/10
    Peter: "Beeindruckend, wer alles den Rufen von Joy Denalane folgt und noch beeindruckender ist es, wie sich diese einbringen und das Album musikalisch und natürlich lyrisch beeinflußen. Dennoch erfindet sie das Rad nicht neu und die Geschichten, die sie erzählt, haben vieler ihrer Featurepartner aus der Hip-Hop-Szene schon besser erzählt. Die große Liste von Namen, welche an 'Gleisdreieck' mitwirkten, protokolliert zum einen den Arbeitsaufwand, der hinter dem Release steckt, nimmt ihm aber auch viel Persönlichkeit von Joy, die es hier benötigt hätte. Jedoch trösten mich die Produktionen über diese Mängel hinweg. So schafft es das Album doch eine starke Atmosphäre aufzubauen, auch wenn an der ein oder anderen Stelle textlich noch mehr Potential gewesen wäre – zu oft klingt es nach möglichst breitgefächerten Metaphern, mit denen sich eine möglichst große Hörerschaft identifizieren soll." - 7/10
  • 8/10
    Lukas: "Sehr gefühlvolles Album. Schöne Melodien und super produziert. Auch sehr sorgfältig gewählte und schön verwendete Themen. Die Features sind gut gesetzt und in den Bonustracks finden sich sogar noch mehr sehr gute davon. Meinen persönlichen Geschmack verfehlt die Themen- und Tempowahl zwar, aber das mindert die Qualität des Albums natürlich nicht." - 8/10
  • 6/10
    Shana: "Persönlich komme ich an Soul und R'n'B leider gar nicht ran, weshalb es fast ein wenig schwierig war, ohne Vorurteile in das Album zu gehen und mich auf "Gleisdreieck" einzulassen. Dass Joy Denalane eine Ausnahmekünstlerin ist, steht außer Frage. Ich habe es wirklich versucht, dennoch ist mir die Platte im Gesamtpaket leider gleichermaßen zu pathetisch und nichtssagend. Musikalisch bewegt sich das ganze natürlich trotzdem in der Spitzenklasse. Einen Punkt Abzug gibt es allerdings für den Einsatz von Autotune. Nicht dass ich prinzipiell ein Gegner von Autotune wäre, aber wer schon mit solch einer Stimme gesegnet ist, sollte dieser doch auch bitte den Raum lassen." - 6/10
  • 7/10
    Yannick W.: "Schon ein Blick in die Gästeliste verrät, dass man auf diesem Album keinen festgefahrenen Soul zu hören bekommt. Gerade Tua, der bei gleich sechs der Songs seine Finger im Spiel hatte, und Bazzazian ('Alles leuchtet') drücken den Kahedi-Produktionen ihren eindeutigen Stempel auf, brechen jedoch nie aus dem vorherrschenden Vibe aus. Auch der pointierte Einsatz von Stimmenmodulation und aktuellen Einflüssen aus Hip-Hop und R'n'B oder auch Afrobeat tun dem Gesamtbild sehr gut. Dass einige Texte aus der Feder von Joy, Maxim und Max Herre bekannte Bilder aufgreifen und durch zu groß gedachte Metaphern in den Kitsch abdriften, kann unangenehm aufstoßen, stört aber dank intimen, ehrlichen Songs als Gegenentwürfe, der insgesamt starken Performance Joys, großartiger Produktion, den absolut herausragenden Gastauftritten von Ahzumjot, Megaloh und Tua und einer experimentierfreudigen Bonusrunde nur bedingt. Denn, auch mit einem Blick auf sonstige aktuelle Soul-Veröffentlichungen, stellt 'Gleisdreieck' eins der innovativsten und in sich geschlossensten Releases der letzen Jahre aus dieser Ecke dar. Ein musikgewordener Sonntag." - 7/10
  • 8/10
    Niko: "Schön, dass Deutschlands Königin des deutschsprachigen Souls wieder da ist. Und Danke an Tua, Megaloh, Ahzumjot und Co., dass sie offensichtlich mehr Einfluss auf das Album hatten, als nur durch ihre überragenden Features. So warm, so intensiv, manchmal zu poppig, aber ein Hightlight des jungen Jahres." - 8/10
  • 7/10
    Sara: "Joy ist schon ziemlich einzigartig. Auf 'Gleisdreieick' gibt sie sich auf ihre gewohnte, schwerelose Art. Da steckt, so wie man es eben auch von ihr kennt, so viel Gefühl und Soul mit drin. Sie ist eine richtige Musikerin mit einem wahnsinnig hohen künstlerischen Anspruch und so richtig enttäuscht werden kann man von ihr eigentlich nicht. Ihre Features wie Tua oder Megaloh sind ein leicht rauer Kontrast zu ihrer sanften Stimmfarbe und ergänzen die Songs perfekt. Ich hatte aber zwischendurch das Gefühl, dass noch Potential für mehr da ist. Sie ist sehr wandelbar und vielseitig und ich finde, das hätte sie noch ein bisschen deutlicher zu Vorschein bringen können. Alles in allem aber ein sehr, sehr schönes Album!" - 7/10
7.4/10

Kurzfassung

Mit ihrem vierten Soloalbum macht Joy Denalane kaum etwas falsch, liefert ein warmes und emotionales Soul-Album, das die Augen auch vor aktuellen Soundentwicklungen nicht verschließt. Lediglich stellenweise liegen gelassenes lyrisches Potential schmälert das Gesamtbild.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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