Die Meinung der Redaktion zu Joey Badass‘ „All-Amerikkkan Bada$$“

AmerikkkanMit rumpelndem New York Golden Era Sound in den 2010er Jahren als Nachwuchskünstler eine Karriere zu starten, scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt eine schnell groß werdende Karriere mit sich zu bringen. Dennoch schaffte es Joey Badass mit nur zwei Mixtapes, sich international auf der Karte zu platzieren und schon mit dem ersten Soloalbum auf großen Bühnen in der ganzen Welt zu spielen. Den staubtrockenen Charme seines Debüts „B4.DA.$$“ würzte er schon mit der ersten Single „Devastated“ mit einer soliden Menge Pop-Einflüssen, auch ein politischer Grundtenor herrscht nach den letztjährigen Wahlen auf dem Zweitling „All-Amerikkkan Bada$$“. Wir haben die Platte besprochen.

Joey Badass – „All-Amerikkkan Bada$$“ kaufen

 

 

  • 7/10
    Yannick W.: "Dass Joey Badass sich auf Albumlänge der aktuellen politischen Misslage der USA annimmt und für Einigkeit plädiert, verdient allein schon ein Lob. Hip-Hop hat eben auch die Aufgabe zu kritisieren. Und wenn der Gedanke und die Musik drum herum stimmen, kann man in diesem Fall auch mal darüber hinwegsehen, dass die Lyrics nicht unbedingt echten Tiefgang vermitteln, ihnen doch ein eher platter und pathetischer Charakter innewohnt. Doch, gerade wenn es so treffend und intensiv untermalt wird, wie durch die Visuals zu 'Land of the Free', dann ist der lässig ausgestreckte Mittelfinger durchaus aussagekräftig. Zu viel Tiefgang hätte auf den sehr einnehmenden Produktionen, die in einem sehr auf den Stand der Zeit angepassten Boom Bap Stil daherkommen, wahrscheinlich sowieso zur Überforderung beim Hören geführt. So ist 'AABA' ein politischer Zweitling, der nicht den Anspruch hat, eine Revolution anzustacheln und dennoch klar Flagge zeigt. Ob man dem nun letztendlich ein Stück fehlende Konsequenz vorwerfen will, bleibt jedem selbst überlassen. Ich für meinen Teil empfinde die Dosierung als durchaus angemessen und werde mich auch noch einen weiteren Sommer über die Vibes eines 'Devastated' freuen und weiter kopfnicken." - 7/10
  • 8/10
    Anna S.: "Joey Bada$$ eröffnet sein Album mit entspannten, sanften Instrumentals, um im Laufe der zwölf Tracks nach und nach einen drauf zulegen und dem Ganzen letztendlich einen düsteren, schwereren Charakter aufzuziehen – mir gefällt die Dynamik des Longplayers ziemlich gut. In diese Soundästhetik fügen sich die substanzhaltigen Lyrics ziemlich gut ein. Auf 'All-Amerikkkan Bada$$' präsentiert er seine politische Positionierung auf stilvolle Weise und schreibt dem Ganzen mithilfe von abwechslungsreicher Delivery und Instrumentals einen interessanten Unterhaltungscharakter zu." - 8/10
  • 6/10
    Cedric: "'It is time to rebel, better yet, raise hell’ dieser Satz aus dem letzten Vers des Albums fasst eigentlich ganz gut zusammen, was ich mir von dem Album erhofft habe. Von dem Titel des Albums bis zu den in Großbuchstaben geschriebenen Songtiteln, wirkte es ganz so, als würde er hier die gesellschaftlichen Probleme angreifen wollen. Allerdings fallen die Beats und auch die Hooks des Albums teilweise so zahm aus, dass ich an Fahrstuhlmusik denken muss. Das Album ist auf jeden Fall wesentlich konstanter als 'B4.DA.$$' und auch Joeys Texte und Flows sind gereift, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass für das, was Joey mit dem Album erreichen wollte, in seiner Performance der Hunger fehlt. Das ist vor allem deshalb schade, weil ich glaube, da wäre mehr gegangen." - 6/10
  • 7/10
    Marvin: "Joey Bada$$ war für mich immer eine schwierige Nummer. Mir war bewusst, dass es sich hierbei um einen unfassbar talentierten Rapper handelt, der auch schon in jungen Jahren sehr reflektierte Texte schrieb und seinen Fokus mehr auf einen Oldschool-lastigen Sound legt. Mein Problem hierbei war allerdings, dass ich nie mit ihm wirklich 'warm' wurde. Ab und zu ein (meiner Meinung nach) guter Track oder ein guter Featurepart haben nie gereicht, ihn auf meine Liste der Toprapper zu setzen. Dementsprechend bin ich in dieses Album reingegangen und muss leider sagen, dass es wieder sehr ähnlich ist. Vieles klingt für mich ähnlich bzw. nicht so herausragend, dass ich es mir nochmal anhören würde. Zwischendurch immer wieder sehr gute Tracks wie 'Devastated' oder 'Rockabye Baby' (auch wegen des Schoolboy Q Parts) oder auch 'Amerikkan Idol'. Dies reicht allerdings nicht aus, um den Gesamteindruck des Albums so deutlich anzuheben, dass es mir in Erinnerung bleiben würde. Joey ist definitiv ein talentierter Künstler, allerdings trifft er auch hier wieder nicht meinen Geschmack, insgesamt ist das Album aber auf jeden Fall sehr solide, hat meiner Meinung nach aber auch ein wenig unter dem Kendrick Release eine Woche später gelitten." - 7/10
  • 8/10
    Yannick H.:"Bei diesem kreativen Output ist man nicht unbedingt geneigt zu glauben, dass Joey Bada$$ erst 22 Jahre alt ist. Der New Yorker gibt sich politisch, prangert Missstände an und wirft viele Fragen in den Raum, die er allein des Alters wegen nicht umfassend beantworten kann. Dennoch gibt er, wie auch Kendrick Lamar, eine Richtung vor, die in Zeiten von ausufernder Polizeigewalt gegen dunkelhäutige Personen und der Regierung Trump meines Erachtens nach jeder Rapper in den USA einschlagen sollte. Immer unter der Voraussetzung, dass neue Facetten gezeigt werden, das musikalische Element unter zu komplexen Textstrukturen nicht leidet und nicht nur plakative Aussagen getätigt werden. Auch Joey Bada$$ kann sich mit 'All Amerikkkan Bada$$' nicht von all diesen Kritikpunkten freisprechen. Jedoch vereint er gute Ansätze, die dem bloßen Hörgenuss dienlich sind und ein solides bis gutes Fundament für weiter Entwicklungen, ob von ihm selbst oder anderen Rappern, bilden." - 8/10
  • 7/10
    Sara: "Ich finde mit 'All-Amerikkkan Bada$$' hat Joey Badass ein runderes, in sich geschlosseneres und eingängigeres Endprodukt geschaffen, als mit dem Vorgängeralbum. Einige Tracks und die Grundstimmung selbst wirken auf mich etwas melodischer, heller und froher – ich finde das unterstreicht seine Delivery und seine lyrics perfekt. Seine Art von Conscious-Rap ist überhaupt nicht erdrückend oder zu schwere Kost... ich sehe auch Parallelen zu J. Cole, was mich bestimmt unterbewusst ein bisschen dazu verleitet hat dieses Album zu feiern. Schönes Teil!" - 7/10
  • 8/10
    Jakob: "Beim ersten Mal hören war ich beeindruckt von der sich durchgehenden politischen Linie dieses Albums. Beim genaueren Betrachten der Lyrics ist immer noch Politik im Spiel. Jedoch haben Joeys Aussagen nicht die allergrößte Substanz. Kritik hier, Kritik da, das ist alles richtig und gut - aber halt auch etwas zu einseitig und eindimensional. Wirkliche Lösungsansätze finde ich auf den zwölf Songs nicht. Jedoch will ich auch den Künstler in Bezug zu diesem Album mit ein beziehen. Dafür, dass Joey sich im zarten Alter von 22 Jahren an so einem politischen Album versucht, muss ich ihm alle mal Respekt zollen. AAB klingt für mich wie eine einfache Lite-Version von To Pimp A Butterfly, der es an Weitsicht und dem Blick fürs große Ganze fehlt. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass Joey - sofern er diese Linie durchziehen wird - in Zukunft politisch inhaltlich stärkere Alben releasen wird. Soundttechnisch finde ich das Album mehr als nur gut und vor allem auch einzigartig. Es wechselt oft mal zwischen fröhlich angehaucht und düster, welches auch gut die Atmostphäre der LP widerspiegelt. Dabei berappt er die Beats gar nicht immer so krass wie sonst, sondern versucht sich auch langsamer, entspannter - manchmal hört man sogar Gesänge raus. Joey Bada$$ macht wenig falsch mit diesem Album, lässt durch die teilweise fehlende Substanz seiner Aussagen aber auch die Angreifbarkeit seiner Aussagen vermissen." - 8/10
  • 7/10
    Lukas: "Irgendwie schade, dass Joey ein bisschen im Kendrick Hype untergegangen ist, denn vorallem im Themenbereich kann der Pro-Era Chef definitiv mit K.Dot mithalten. Auch wenn seine musikalische Herangehensweise stark abweicht und vor allem im Vergleich zu 'Damn.' viel herkömmlicher ist, hat Joey doch einiges zu bieten. Trotzdem muss ich sagen, da ich ein Riesenfan von seinen ersten beiden Mixtapes bin, war ich sowohl bei 'B4.DA.$$' als auch bei 'A.A.B.A' entwas enttäuscht wie verkrampft er versucht sich manchen Themen zu nähern. Manchmal wirkt es einfach zu verkopft und als hätte er sich gezwungen manche Sachen zu sagen und Themen anzusprechen, die vielleicht garnicht in der Form reingepasst hätten. Lässt er aber locker und lässt den Musiker durch, sieht man zum Beispiel auf 'Devastated' oder 'Rockabye Baby' großes Potenzial, das sicher auch dafür genutzt werden kann oder muss schwierige Themen anzusprechen, aber meiner Meinung nach nicht immer und ständig, während andere Aspekte darunter leiden müssen. Ich hoffe da auf eine Weiterentwicklung, die ich vom letzten zu diesem Album aber schon anfangen sehe." - 7/10
7.3/10

Kurzfassung

Mit seinem Zweitling schafft Joey Badass zwar nicht, gesellschaftliche Probleme teilgehend anzuprangern, schafft dennoch ein solides Album mit politischem Grundtenor.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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