Die Meinung der Redaktion zu “Imperator” von Kollegah

Lange mussten sich Fans nicht auf ein neues Soloalbum des deutschen Wortspielkönigs gedulden. Während überall über den dritten Teil der “Jung, brutal, gutaussehend”-Reihe gemutmaßt wurde, verzog sich Kollegah ins Studio und werkelt an einer neuen Soloplatte. Bereits ein Jahr nach dem Vorgänger, dem “Zuhältertape Vol. 4” steht jetzt “Imperator” in den Läden und knüpft vom Titel an den formalen Vorgänger “King” an. In der Zwischenzeit hat sich allerdings auch vieles im Hause des Bosses getan. Nach fast zehn Jahren kam es zur Trennung von Selfmade Records und der Gründung eines eigenen Labels: Alpha Music Empire. Nach dem Debütalbum von Signing Seyed kann man nun also bereits die zweite Veröffentlichnung des jungen Labels hören. Die Produktion überkam dieses Mal das Münchener Duo David x ELI, als Featuregäste hat er sich neben JBG-Partner Farid Bang auch MoTrip und Ali As geladen.

Kollegah – “Imperator” kaufen

 

 

Das sag die BACKSPIN Gang!
  • 8/10
    Yannick H.: "Würde ich nur berücksichtigen, dass Kollegah sich thematisch zum wiederholten Male im Dunstkreis von großkalibrigen Schusswaffen, Drogenschmuggel und Huren-Geschichten bewegt, wäre ich dem Album gänzlich abgeneigt. Da ich mich aber nicht so limitieren möchte, habe ich mehrere Facetten berücksichtigt. Der Sound ist in sich stimmig, und die erwähnten Themen sorgen eben auch für einen roten Faden, der so manch anderen Rappern abgeht. Atmosphärisch wird gekonnt die Hürde zwischen nach vorne treibenden Beats und sich für Kolle-Verhältnisse zurückhaltenden Sounds gemeistert. 'Nero' z.B. kommt mit solch einer Inbrunst und einem gesunden Selbstbewussstsein daher, dass es einfach nur Spaß bereitet. Ansagen machen viele, aber nur wenige verpacken sie lyrisch und vor allem hinsichtlich der Soundästhetik so gut wie der selbsternannte Boss. In diesem Fall großes Lob an Reflectionz & Sakidbeatz, die für die Produktion der ersten Single verantwortlich zeichnen. Und mit 'American Express', auf dem Boss und Banger vom Feinsten spitten, wird die Wartezeit auf 'JBG3' verkürzt und eindrucksvoll bewiesen, dass das Gespann weiterhin zu überzeugen vermag." - 8/10
  • 6/10
    Anna G.: "Mir fehlt bei 'Imperator' die Leichtigkeit. Oft wird gesagt, bei Kollegah ginge es um die Technik und nicht um den Vibe. Aber wenn ich an 'JBG2' oder 'King' denke, ging es da nicht in erster Linie um Wortspiele, sondern um die Attitüde und die Atmosphäre. Da kommt ‚Imperator‘ einfach nicht ran. Auch inhaltlich für mich nicht mehr so ansprechend wie früher. Mich stört nicht die überzogene 'Imperator-Pharao-Weltmonarch'-Selbstdarstellung sondern diese immer wieder auftauchende 'Religion-Teufel-Freimaurer-Verschwörungstheorie'-Thematik. Bestimmt gibt es genug Leute, die sich genau davon angesprochen fühlen. Aber an meinem Geschmack geht das total vorbei. Ich würde nicht sagen, dass Kollegah nicht mehr so stark ist wie früher, er hat sich einfach musikalisch verändert. Nicht schlecht, ich höre mir aber lieber seine alten Alben an." - 6/10
  • 7/10
    Niko: "Um Kollegah wirklich bewerten zu können, muss man wahrscheinlich in die Zukunft blicken: Wo geht die Reise hin? Fraglos ist er technisch auf einem unfassbar hohen Level, hat dem Genre seinem Erfolg entsprechend, eine neue Facette beigefügt. Und genau dieses hohe Level an Technik und Wortwitz bekommt man auch bei 'Imperator'. Aber reicht das noch? Wäre eine Neuerfindung angebracht? Kann man soziales Engagement und offensichtlichen Horizont im Persönlichen auch musikalisch vermarkten, als Kollegah? Oder bekommt man halt das, was drauf steht? Schwierige Frage, die dieses Album nur bedingt beantwortet. Denn es ist weiterhin das funktionierende System, das hier geliefert wird. Mit Highlights, aber auch mit Austauschbaren. Dabei kann er sicher mutiger sein - zumindest dann bei kommenden Releases." - 7/10
  • 5/10
    Shana: "Es tut mir fast ein bisschen weh es auszusprechen, aber die Zeit von Kollegah ist für mich langsam durch. Ich war lange Zeit großer Fan, aber irgendwann schafft auch ein Kollegah es nicht mehr, sich selbst immer wieder zu übertreffen. Natürlich könnte man hier von Meckern auf hohem Niveau sprechen, immerhin ist 'Imperator' immer noch weit über dem durchschnittlichen Release. Dennoch reden wir hier von einer Platte, die nach ein, zwei Mal hören eher weiter hinten im Regal verschwindet und leider schnell in Vergessenheit gerät." - 5/10
  • 8/10
    Niels: "Ich habe irgendwie schon fast den Eindruck bekommen, dass nach dem immensen Hype um 'King' Kollegah-Bashing mittlerweile schon fast wieder angesagt ist. So wurde fleißig drauf rumgehackt, dass er sich nicht neu erfinde, das Zuhälterthema ausgelutscht sei und er obendrein sich zu gerne in Welten von Herrschern wie Kaisern oder Diktatoren verliere. Dass sich uns bereits äußerst bekannte Kollegen aus den USA an ähnlichen Ästhetiken bedient haben, sei mal dahingestellt. Aber kommen wir zur Musik: Auch ich muss sagen, dass mich das letzte Release trotz gewohnt ausgeklügelter Wortspiele nicht lange fesseln konnte. Als zu monoton und zu unaufgeregt empfand ich 'Zuhältertape 4', sodass es mir heute schwer fallen würde, mehr als eine Handvoll Anspielstationen beim Namen zu nennen. Daher waren meine Erwartungen an das neue Projekt mit Sicherheit nicht die größten. Klar, auch auf 'Imperator' erwartet uns nicht die große persönliche Platte - Wortgewandter Battlerap steht hier immer noch an erster Stelle. Dennoch entfernt sich Kolle hier eindeutig und meiner Meinung nach bewusst von der (durchgespielten) Zuhälterrolle und lässt vereinzelnd immer wieder Interessantes zu seiner Person und seinem Leben durchblitzen ('Zeit'). Ein weiterer Pluspunkt: Was ich bei dem Vorgänger kritisiert habe, trifft auf 'Imperator' nicht mehr zu. Auch wenn Kollegah nicht gerade für schwache Raptechnik bekannt ist, schafft er es durch Variationen im Flow meiner Meinung nach die nötige Portion Abwechslung in seine Verses zu bringen ('Nero', 'Hardcore'). Meine Highlights: 'Schwarze Rosen' & 'Einer von Millionen'" - 8/10
  • 6/10
    Yannick W.: „Ein schwieriges Album. Vielleicht liegt es am hohen Output, vielleicht an der Messlatte die er sich selber gesetzt hat, aber es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass sich das Phänomen Kollegah langsam aber sicher abnutzt. Allein schon, dass ihm bald die Superlative ausgehen dürften zeigt, wo der Boss sich aktuell befindet. Auch wenn 'Imperator' immer noch ein ziemlich gutes Album ist, stagniert die Kunst von Kollegah, wenn auch auf hohem Niveau, auf dem Album, da ändern auch die besser ausproduzierten Beats von David x ELI wenig. Postitiv herausstechen können das laidback gerappte '24 Karat' und die Ali As-Kollabo ‚Schwarze Rosen‘. Langsam aber sicher muss sich allerdings etwas in Düsseldorf tun, wenn man in den nächsten Jahren nicht nach und nach abbauen möchte.“ - 6/10
  • 6/10
    Anna S.: "Der selbsternannte Imperator der Szene zieht wie zu erwarten war diverse Vergleiche aus dem Hut, kombiniert diese mit der beständigen Arroganz und presst das Ganze mit seiner dynamischen Delivery auf bis ins Detail ausproduzierte und geschmackvolle Instrumentals. Das Gesamtpaket wirkt durch die schlichte Themenauswahl ziemlich schleppend. Erst am Ende wird es durch ruhigere Tracks etwas vielfältiger, kann für meinen Geschmack die Monotonie allerdings nicht besiegen." - 6/10
  • 5/10
    Raphael: "Irgendwie hat sich Kollegah abgenutzt. Klar, Punchlinedichte und Wortspiele wie kaum ein anderer. Aber die Beatauswahl lässt auch auf 'Imperator' sehr zu wünschen übrig. Nach Jahren sucht man Musikalität und Abwechslungsreichtum beim Boss immer noch vergebens. Textlich sind solche Ausflüge in Verschwörungstheorien und hohle Phrasen noch dazu doch eher peinlich. Kollegah ist ein gutes Beispiel dafür, dass die meisten Rapper eben keine Musiker sind." - 5/10
  • 5/10
    Peter: "Das Streben nach der Superlative scheint Kollegah auf Dauer nicht gut zu tun. Nachdem 'King' wohl die Blaupause einer modernen, auf Social Media basierten Promophase schuff und kommerziell eines der erfolgreichsten Deutschrapalben aller Zeiten ist, liegt die Hürde, die es zu überwinden gilt, sehr hoch. Das schafft 'Imperator' leider nicht. Das ganze Album wirkt zu verkrampft und uninspiriert. Überraschenderweise geht Kollegah auf diesem Release nicht die Vergleiche, aber die Luft aus. Viele Passagen klingen im Takt verrutscht und einzelne Tracks, vor allem deren Hooks, zwingen mich zum Skippen. Trotz eines neuen Produzententeams, das zwar technisch gute Arbeit leistet, klingt das Album weder zeitgemäß, noch abwechslungsreich. Alles in allem nicht sehr bosslike." - 5/10
6.2/10

Kurzfassung

Mit seinem neuem Soloalbum kann uns Kollegah nur bedingt überzeugen. Auch wenn die Platte in den technischen Gesichtspunkten das hohe Level hält, bietet sie über die Gesamtlänge gleichermaßen zu wenig Innovation als auch Abwechslung.

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Ich kann quasi nur über Musik reden...
Hanfosan

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