Die Meinung der Redaktion zu „More Life“ von Drake

More LifeGut Ding will Weile haben, kann allerdings für manche auch zur echten Geduldsprobe werden. Nachdem Drake im vergangenen Herbst sein neues Projekt „More Life“ ankündigte und versprach, es noch in 2016 unters Volk bringen zu wollen, verzögerte sich das Release immer mehr, bis irgendwann komplette Ungewissheit über die neuste Arbeit des kanadischen Superstars herrschte. Als LP angekündigt, wurde die das Projekt später nur noch als Playlist vermarktet, man durfte also gespannt sein, welches Konzept Drizzy sich für „More Life“ ausgedacht hatte. Nach den ersten drei Singles „Fake Love“, „Sneakin’“ und „Two Birds, One Stone“ (von denen es zwei dann doch nicht aufs Projekt geschafft haben) und einigen weiteren Release-Ankündigungen, unter anderem für den 4. März, fand sich schließlich ein endgültiges Releasedate. Premiere feierte es in der 39. Episode des OVO Sound Radios, alle 22 neuen Songs inklusive Gastparts von Giggs, Kanye West, Black Coffee, Jorja Smith, Quavo, Travis Scott, 2 Chainz, Yung Thug, PARTYNEXTDOOR und Sampha, sowie Skepta bekam man als Live-Stream und im Anschluss natürlich auch „On Demand“ zu hören. Wir haben uns das „Views“-Follow-Up, dass im Charakter eines Mixtapes daherkommt, angehört.

Drake – „More Life“ kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 4/10
    Cedric: "Wer ist Drake? Hat er einen eigenen Klang? Irgendwie schon. Zum einen spielt er auf der 'Playlist' so ziemlich mit jeder Stilistik, die er auf seinen vergangenen Alben bediente. Zum anderen, greift er aber, wie er in der Vergangenheit schon oft bewies, den Stil so ziemlich jedes aufstrebenden Künstlers auf, der in sein Portfolio passt um die Marke 'Drake' am Leben zu erhalten. Irgendwie auch nicht. Ist Drake mit seiner 'Playlist' ein Innovator? Vielleicht. Vielleicht ist es gerade in der Zeit des Internets immer mehr egal, ob etwas nun ein Album ist oder nicht, oder wie das verpackt ist, solang viel gute Musik da ist. Vielleicht auch nicht, da Drake seit jeher ein Kind des Internets ist, und genau weiß, wie er es für sich nutzen kann. Er weiß, dass allein durch das Novum der Playlist einige Menschen, zumindest aus Neugier, rein hören werden. Da diese neugierigen Hörer genau so in die Verkaufszahlen gezählt werden, wie diejenigen, die das Album wirklich ernsthaft hören, wird auch 'More Life' mal wieder wirtschaftlichen Erfolg bringen und ihm neue Kundschaft erschließen, die sonst vielleicht in ein normales Drake Album gar nicht erst reingehört hätten. Wirklich etwas Neues schafft dieses Konzept nicht. Vielleicht auch nicht. Drake ist aber sicher immer ein Hitgarant. Nein. Wenn du es schaffst Kanye West total unspektakulär klingen zu lassen und du den zwei unterhaltsamsten Verse (Quavo und Travis Scott) auf den beschissensten Beat packst, hast du sichere Hits verspielt. Drake ist alles … und dadurch nichts. 'More Life' offenbart das so sehr, wie noch kein Projekt zuvor." - 4/10
  • 8/10
    Yannick W.: "Genau so, wie 'Views' durch die Erwartungshaltung als Album – berechtigterweise – vor die Hunde ging, blüht 'More Life' eben durch diese auf. Mit der Radiosendung bzw. Playlist, gefüllt mit eigenem Material, hat Drake sich eine Spielwiese geschaffen, die, losgelöst vom Erwartungsdruck an ein durchkonzeptioniertes Projekt im Konstrukt 'Album', Spielraum für das antasten vielerlei Genres bietet. Und natürlich ist ein 22 Song Release nicht als LP gedacht, selbst wenn man es im letzten Jahr als eine verkaufte, sondern auf die Generation Spotify zugeschnitten. Jedem seine Rosinen. Ein paar Befreiungsschläge auf dem Weg zum nächsten potentiellen Gamechanger tun einem musikalischen Innovator, wie Drake es seit Beginn seiner Karriere zweifellos ist, gut. Und wenn so viele losgelöste Songs ihren Weg an die Öffentlichkeit finden, dann darf der sogar auch mal drei, vier Jahre dauern." - 8/10
  • 6/10
    Niko: "Ich finde es immer schwieriger, Drake und seine Musik zu beurteilen. Das ist alles so perfekt, so strukturiert, aber zugleich so kalkuliert, dass es nach 5 Minuten entweder zum Hals raus hängt oder nicht mehr ausm Ohr geht. Kann mich noch nicht entscheiden, aber das nimmt mir sicher der allgemeine Geschmack irgendwann ab." - 6/10
  • 8/10
    Anna S.: "'More Life' baut auf einer harmonischen und runden Soundkulisse auf, die sich oftmals aus leichten, melodischen Klängen und tiefen, drückenden Bässen zusammensetzt – Und das trotz einer Vielzahl an starken Featuregästen, die allesamt einen eigenen Sound mit auf die Platte bringen. Vermutlich bleibt gerade deswegen, trotz dieser Spiellänge, keiner der Tracks auf der Strecke. Drake spielt mit sämtlichen Sub-Genre und deren Artists, präsentiert letzten Endes aber ein abwechslungsreiches, stilvolles Gesamtwerk, in dem er sich nicht die Show stehlen lässt, sondern von der musikalischen Vielfalt profitiert." - 8/10
  • 7/10
    Lukas: "Nach nur einem Jahr, 22 Tracks rauszuhauen, ist im ersten Moment eine Leistung. Schaut man dann genauer hin und sieht die Featureliste, sowie die zwei Songs, auf denen Drake gar nicht auftaucht, fällt das ganze schon mehr in den Rahmen. Einzeln betrachtet ist an den Tracks tatsächlich kaum etwas auszusetzen, Banger, die Banger sein sollen, Dancehalltracks, die auch genau das sein sollen. Soundtechnisch ist das alles höchstes Niveau. Da wir es aber mit der Elite des Games zutun haben, wäre alles andere enttäuschend gewesen. Auch enttäuschend ist die Ausrede, eine 'Playlist' zu veröffentlichen, um sich davor zu drücken, ein Konzept, einen roten Faden, oder ein Album aus einem Guss zu liefern. Die Features sind natürlich klasse und alle, inklusive Drake, liefern auch ab. Daher auch die hohe Punktzahl, allerdings hätte es mit den Mitteln, die diesen großen Namen zur Verfügung stehen, auch noch deutlich stärker und vorallem durchdachter ausfallen können." - 7/10
  • 8/10
    Yannick H.: "Drake bewegt sich auf gewohnt hohem Niveau und switcht gekonnt zwischen Gesang und Rap. Musiker wie Skepta oder Sampha fungieren nicht nur als Unterstützung, sondern dürfen auf Solosongs ihr Können unter Beweis stellen. Drake wiederum zeigt auf 'Glow' ein harmonisches Zusammenspiel mit Kanye und hat mit 'Fake Love' den nächsten potentiellen Hit in petto. Betrachtet man 'More Life' nicht als klassisches Album oder Mixtape, sondern als Playlist, wie es bereits so oft in den Medien hieß, dann ist viel Abwechslung geboten. Im Musikbusiness nicht das Schlechteste." - 8/10
  • 7/10
    Sara: "Ja... schwierig. Viele Punkte, die man da beachten muss, wenn man an die Wertung herangeht. 'More Life' is wirr, völlig durcheinander und ohne jegliche klare Linie. Doch auf dem Cover steht 'A Playlist By October Firm'. Es ist kein klassisches Album und das kann man nicht außer Acht lassen und müsste sich die Frage stellen 'Wie sieht denn eigentlich meine Spotify Playlist aus?'. Mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Querbeet zusammengewürfelt mit verschiedensten Songs, die man zur Zeit feiert. Dann wäre das Argument des Misch Maschs schon mal entkräftet. Was hier zählt sind die einzelnen Songs - da gibt's ganz klar auch Tracks, die nicht so Bombe sind, aber ich sehe einen sehr experimentierfreundigen und vielseitigen Drake. Ein Künstler, der eben schon sehr viel gemacht hat und sich neu entfalten muss, genau wie ein Kanye, der auch zahlreiche Facetten ausgelebt hat. Mir persönlich gefällt das sehr gut. Ist nicht Drakes beste Veröffentlichung, aber hat Qualitäten auf anderer Ebene." - 7/10
  • 8/10
    David: "Schwierig an so ein Album/Mixtape/Playlist, oder als was Drake 'More Life' sieht, heranzugehen. Es ist kaum eine klare Linie zuerkennen und wirkt an der ein oder anderen Stelle zusammenhanglos und einfach zusammengewürfelt, aber bei mehrfachen Hören dann doch genau so gewollt. Man muss sich einfach davon lösen 'More Life' als Album zu sehen, sondern sich darauf einlassen, dass es eben eine Playlist ist. Und eben diese Playlist ist auf sehr hohem Niveau. Drizzy bewegt sich wie gewohnt zwischen Rap und Gesang und experimentiert viel mit Soundkulissen herum, bei denen die Genregrenzen verschwimmen. Mit Sampha und Skepta sind zwei Artist vertreten, die auf Solotracks ihr Können unter Beweis stellen können. Alles in Allem ein sehr interessantes Projekt, bei dem Drake musikalisch voll überzeugen kann und vielleicht wieder einen neuen Trend für die Zukunft in die Welt rufen wird." - 8/10
7/10

Kurzfassung

Mit seiner ersten Playlist schafft Drake ein nur schwer greifbares Projekt und spaltet unsere Meinungen. Während die einen die Chance auf künstlerisches Ausleben abseits der wirklich großen Projekte sehen, ist das „More Life“ anderen zu unstrukturiert und teils kalkuliert.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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