Die Meinung der Redaktion zu “Minus x Minus = Plus” von Disarstar

Gefeiert als einer der Newcomer der letzten Jahre in puncto klarer politischer Meinung, legte Disarstar vor mittlerweile zwei Jahren sein erstes Album vor. Auf “Kontraste” folgt mit “Minus x Minus = Plus” die zweite LP, auf der sich der Hamburger sozialer Disparität, Kapitalismus- und Konsumkritik, aber auch der eigenen Geschichte und den persönlichen Abgründen widmet. An seine Seite hat er sich dafür erneut S!nch geholt, der das Album als Executive Producer begleitete und auch einen großen Teil des Instrumental-Teppichs selbst zu verantworten hat. Ebenfalls mit von der Partie sind Gäste wie Tua, Credibil oder die Akustik-Punk-Gruppe Liedfett. Die Arbeit im Hintergrund übernahm wie schon beim Vorgänger Showdown Records, allerdings auch neue Major-Unterstützung in Form von Warner Music. Wir haben den Zweitling des Hamburgers besprochen. 

Disarstar – “Minus x Minus = Plus” kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 6/10
    Lukas: "Ich bin ehrlich gesagt mit keinen großen Erwartungen in das Album gegangen, da mich alle Disarstar Releases bisher eher kalt gelassen haben. Dafür hat mich 'Minus x Minus = Plus' aber positiv überrascht. Die Themen waren mal eine willkommene Abwechslung zum gegenwärtigen Deutschrapgame, auch wenn sie mir an manchen Stellen zu melancholisch und etwas übertrieben sind. Die Produktionen sind definitiv solide, wenn auch nicht besonders herausragend. Die drei Features sind passend zu Thematik gewählt und liefern auch ab. Mit 5 Tracks kratzt das Album grade so an der Grenze von zu lang, denn ich bin mir sicher mehr Tracks mit dieser Thematik und der drückenden Stimmung wären dann anstrengend geworden." - 6/10
  • 7/10
    Peter: "Verlor sich sein Debüt zwischen zu vielen verschiedenen Thematiken und war sein neuestes Release in Form eines Mixtapes zu eindimensional, wirkt 'Minus x Minus = Plus' bisher am meisten nach der Persönlichkeit des jungen Hanseaten, seine EP einmal außen vor gelassen. Düster, politisch und punktiert präsentiert sich Disarstar auf seinem zweiten Langspieler. Die Kluft zwischen den Werten, die er in seinen Lyrics kritisiert und denjenigen, die er in seinen Musikvideos glorifiziert ist für meinen Geschmack zwar zu groß, schmälert die Qualität der Musik jedoch kaum." - 7/10
  • 6/10
    Anna S.: "Intelligente, interessante Texte die mit einer harmonischen und eingängigen Delivery vorgetragen werden. Das Ganze wird von einer melodischen, düsteren Soundatmosphäre aufgefangen – Soweit scheint das Album gut zu funktionieren. Allerdings klingen die Major-Deal Einflüsse stets durch: Die nahezu glatt ausproduzierte Soundkulisse wirkt fehl am Platz. Nicht etwa, weil politische Statements und reflektierte Inhalte nur auf rauen Untergrundbeats funktionieren können, sondern vielmehr weil dadurch dem Album der Ausdruck entzogen wird. Genauso markant wie Disarstar seine Lyrics präsentiert, sollte auch das musikalische Setting sein." - 6/10
  • 5/10
    Marvin: "Ich habe zwischendurch ein paar Sachen von Disarstar gehört, allerdings könnte ich kein Lied von ihm explizit nennen oder sagen, was ich an ihm mag. Nach dem Hören dieses Albums hat sich dies geändert, da in den 13 Tracks sehr viel Material zur Verarbeitung geliefert wird. Bei den ersten Tracks hatte ich Angst, dass permanent diese emotionale Schiene mit traurigen Beats gefahren wird, weil mir das sehr schnell sehr langweilig wird. Für mich klingt der größte Teil nach eben diesem Stil, der für mich einfach nichts ist. Positiv überrascht hingegen war ich von den Tracks, die zwar thematisch auch etwas deeper sind, jedoch durch die Beats und Disarstars Stimme extrem aufgepeppt werden. Es baut sich eine aggressive, durch die Thematik bedingte Trauer auf die mir eben deutlich besser gefällt als wenn er ruhiger rappt. Namentlich sind mir 'Wir Zwei', 'Für Dich' oder 'Glücksrad' im Kopf geblieben." - 5/10
  • 7/10
    Yannick W.: "Im Rap-Game so vehement gegen Konsum zu schießen, hat oft einen recht faden Beigeschmack. Denn irgendwie gehören Statussymbole – gerade beim Straßenrap – ja auch einfach dazu. Und auch sonst begibt sich Disarstar auf dem zweiten Album hier und da in Erklärungsnot, so findet oft ein überdeutliches Schwarz und Weiß Denken statt, das in einer tiefer gehenden Diskussion nicht unbedingt standhalten können würde. Gleichzeitig verleiht dieser Kontrast der eigentlichen Message, die Disarstar für sich gefunden hat, deutlichen Nachdruck, muss vom Rezipienten allerdings auch richtig eingeordnet werden können. Musikalisch zumindest gibt es kaum etwas zu beanstanden, die düstere Atmosphäre, die sich durch die gesamte LP zieht, verleiht dem 'Stimme aus der Hood' Charakter noch einmal einen gehörigen Boost. Und so bildet 'Minus x Minus = Plus' einen deutlich fokussierten Nachfolger zum 2015er Debüt, dessen Makel sich durch das Reifen des dahinterstehenden Künstlers in den kommenden Jahren von selbst ausbessern könnten. Denn gelungen ist dieses Album allemal." - 7/10
  • 7/10
    Jakob: "Ich zerbeiße mir an Disarstars Album die Zähne. Ich würde ihm gerne ein 'gut' attestieren, kann es aber leider nicht, obwohl ich seinen Weg schon seit 2010 verfolge und seine Musik teils sehr schätze. 'Minus X Minus = Plus' ist kein Album für zwischendurch. Aber das ist bei Disarstar ja keine Neuigkeit. Ich habe leider das Gefühl, dass Disarstar sich zu wenig Zeit genommen hat für dieses Album, denn auf 13 Tracks offenbaren sich mir zu viele Schwächen. Das Album schwankt öfter zwischen starken und schwächeren Songs hin und her. Während 'Für Dich', 'Konsum' und 'Glücksrad' mich wirklich beeindruckt haben, kommen dann Lieder wie 'Death Metal', 'Geteiltes Leid' und 'Beat, Stift und Blatt', die mir die Freude am Album nehmen. Besonders 'Death Metal' sehe ich als großes Eigentor. Besticht es zwar durch seine gute Technik, hat es thematisch einfach nichts auf diesem Album verloren. Ein unnötiger Durchschnitts-Representer Song, der sogar die erste Auskopplung des Albums war – schrecklich. Auch die Hooks bereiten mir teilweise Kopfschmerzen. Selten gut, aber dann oft zu poppig, mal zu einfallslos, mal unpassend gesungen. Gesang steht Disarstar einfach nicht. Auch lyrisch ist es mal überkrass und dann wieder 'schon mal gehört'. Dafür finde ich die Beats allesamt sehr stimmig und spiegeln die Atmosphäre des Albums gut wieder. Auch gut finde ich, dass Disarstar keine unnötigen Trap- oder Autotune-Ausflüge macht. Das Credibil Feature ist gut, das Liedfett-Ding nicht meins, erinnerte mich aber krass an Casper. Insgesamt ein Album mit positiven Ausreißern, aber auch mit einigen Tiefen." - 7/10
  • 6/10
    Cedric: "'Ich bin ein Hamburger Jung', das ist Mucke, die zum Wetter passt.' Mit diesem Satz hat er für mich das Album gut zusammengefasst. Das betrifft nicht nur die Stimmung der meisten Beats, sondern auch das allgemeine gesellschaftliche und politische Klima in Hamburg, wie ich es wahrnehme. Über düster gestimmt Produktionen liefert Disarstar sowohl gesellschaftskritische Texte, als auch schwere persönliche Geschichten. Von den Beats sticht keiner herraus, was aber den Texten mehr Raum bietet. Hin und wieder wirkt es vielleicht ein bisschen gewollt smart, aber für mich ist das ein gern gesehenes Gegengewicht zu dem, was sonst veröffentlicht wird." - 6/10
6.3/10

Kurzfassung

Mit dem zweiten Album kann Disarstar noch immer nicht vollends überzeugen. Während die Ansätze uns zu gefallen wissen, fehlt es “Minus x Minus = Plus” stellenweise an Konsequenz.

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