Die Meinung der Redaktion zu „Reflexionen aus dem beschönigten Leben“ von Danger Dan

Vor etwas mehr als vier Jahren machte es plötzlich Peng bei der Antilopen Gang. In den Köpfen vieler noch als „Fick die Uni“-One-Hit-Wonder einsortiert, flatterte bei der schon immer durch meist sehr reflektierte Texte auffallenden Gruppe ein Plattendeal rein. Bei Jochens kleiner Plattenfirma, die entgegen des Namens so gar nicht klein ist, sondern neben den Gründern, den toten Hosen auch die Broilers beherbergt. Mit ihrer Punk-Attitüde passen die Rapper auch gut ins Rockmusik-Label wie sich zeigt. Das dritte Band-Album steigt prompt auf Chart-Rang Nummer Eins ein. Dabei wurde nahezu vergessen, dass die Gruppe ursprünglich lediglich ein Loser Zusammenschluss von Solomusikern war. Die letzte Soloplatte, die aus dem Camp entstand hat nach wie vor einen bitteren Beigeschmack. „Der Ekelhafte“, das letzte Album von Crew-Member Nmzs erschien wenige Wochen nach dessen Tod. Jetzt geht der nächste der Gang erneut auf Soloreise. Nach zwei Solo-EPs berichtet Danger Dan auf seinem ersten Longplayer aus seinem „beschönigten Leben“. Ein Feature kommen neben einem Band Song mit Koljah und Panik Panzer nur vom Die Prinzen Frontmann Sebastian Krumbiegel. Wir haben die LP besprochen.

Danger Dan – „Reflexionen aus einem beschönigten Leben“ kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 7/10
    Yannick W.: "Zwar musikalisch oft eher dröge, textlich sehr treffsicher, wenn auch in seiner Aufmachung mit etwas zu viel unterschwelliger Zeigefinger-Attitüde. Durch die Verknüpfung des eigenen Schicksals mit den unumschiffbaren Themenklötzen wie Gender-Ungerechtigkeit, Intoleranz in Szene, Arbeiter-Unzufriedenheit etc. entsteht so trotzdem eine starke Platte. Als (Ex-)Prinzen-Fan muss ich bei der Nummer mit Sebastian Krumbiegel einfach grinsen, seine durchaus einfallsreiche Kafka-Neuintpreation gibt allerdings ein ungeeignetes Outro ab." - 7/10
  • 6/10
    Jakob: "Das Album hat eigentlich alles, was ich brauche. Inhaltlich spannende Texte, klare Aussagen, die die ganze Gesellschaft beschäftigen sollten, und trotzdem wird nicht stur der Zeigefinger erhoben, sondern lieber mit ein wenig Humor und Selbstkritik serviert. Und trotzdem mag mir 'RADBL' nicht ganz zu sagen, da mir die musikalische Umsetzung nicht immer gefallen will. Das letzte Drittel des Albums flacht zudem leider bis auf 'Private Altersvorsorge ' ziemlich ab, auch das Projekt mit Krumbiegel kann mich nicht überzeugen. Aber es ist nun mal auch ein sehr schwieriger Grad zwischen inhaltlicher Tiefe und der 'richtigen' musikalischer Umsetzung; das schaffen bei mir leider nur die Wenigsten. Trotzdem hat dieses Album auch wunderbare Perlen wie 'Sand in den Augen', 'Seitdem du gesagt hast' und 'Private Altersvorsorge' parat. Alleine dafür hat es sich schon gelohnt." - 6/10
  • 7/10
    Alexios: "Es war schwer für mich am Anfang einen Zugang zu der Platte zu finden, weil es mir nicht leicht fällt auf Albumlänge sperrigen, teilweise ironischen, gesellschaftskritischen Texten zu folgen. Das konnte ich aber irgendwann überwinden und ich habe mich auf die Lyrics und die erzählte Geschichte fokussiert. Musikalisch ist es nicht mein Ding, aber lyrisch kann ich Danger Dan viel abgewinnen und in vielen Sachen zustimmen wie z.B. auf 'Sand in den Augen'." - 7/10
  • 8/10
    Kira: "Mein Lieblingsdrittel der Antilopen Gang hat mich mit seinem offiziellen 'Debüt' sehr überzeugt. So ein bis zwei, sagen wir 'billige Wortspiele' sind zwar dabei, machen den Typen aber auch irgendwie nur sympathischer. Ich muss mich der Kritik zum Video von 'Sand in den Augen' leider anschließen, weil so ein starker Song mit mehr Kontroversität im Video einhergehen muss. Ich verstehe was er zeigen wollte, aber das wär auch geiler gegangen. Trotzdem top Album mit nicen Features." - 8/10
  • 7/10
    Kevin W.: "In seiner revoltierenden Funktion ziemlich genau das, was so oft fehlt. Durchschnittlich gute Beats inklusive Prinzen-Hommage, überraschen mich positiv und lassen einen erheitert reflektiert über das Leben zurück. Nicht mehr und auch nicht weniger." - 7/10
  • 8/10
    Yannick H.: "Es gibt Künstler, die nahezu jährlich Inhalte schaffen wollen, ohne so wirklich etwas zu erzählen zu haben. Und dann gibt es noch Danger Dan, der solo viel zu selten in Erscheinung tritt (no Front, Koljah & Panik Panzer!), obwohl er der Welt doch so viel mitzuteilen zu hat. Genderrollen, Selbstzweifel, das Verlieren in Nichtigkeiten – Themen, die jeden betreffen. Frei von musikalischen Experimenten, geben sich Gesang und Rap gleichberechtigt die Klinke in die Hand. Melancholische Momente kommen nicht peinlich berührt daher und lyrisch wird angenehm oft um die Ecke gedacht. Gimme some more!" - 8/10
  • 7/10
    Niklas: "Der Einstieg gerät recht holprig mit einer ausgelutscht wirkenden Heroin-Metapher, einer sehr plumpen Pointe in 'Die Grundvorraussetzung' und einem redundantem und namenlosem Deutschrapper-Diss, der nur noch von der dämlichen Kopftuch-Line von Koljah getopt wird. Nicht, dass ich die Meinung der Antilopen über die aktuelle Lage in Deutschraphausen nicht teile, jedoch gibt es schon mehr als eine Handvoll exakt solcher Songs und darüberhinaus sollte diese Position auch jedem, der diese Platte in die Finger bekommt vollkommen klar sein. Danach entfaltet das Album allerdings erst seine volle Wirkung: selbstreflexive Songs reihen sich an wirklich wichtige Tracks über die beschämende Frauenrolle in unserer Gesellschaft, Therapie und Tod. Hier und vor allem im genialen 'Wir lachen uns Tod' zeigt sich auch was für ein guter Texter Danger Dan ist. Der Sound der Platte ist im Gegensatz dazu leider sehr profillos und irgendwie einfach egal, sodass 'Reflexionen aus dem beschönigten Leben' bis auf eine sehr wichtige und clever ausgedrückte Message wenig hergibt, was im Jahr 2018 allerdings schon reicht um die Platte zu einer der interessantesten aus Deutschland zu machen." - 7/10
7.1/10

Kurzfassung

Mit seinem Debüt streut die richtige Dosierung Danger Dan Salz in Wunden, verliert dabei allerdings nicht die eigene Biographie aus den Augen. Die Instrumentierung hingegen fällt sehr unspektakulär aus und hinterlässt so keinen bleibenden Eindruck.

Sag uns deine Meinung. Bewerte "Reflexionen aus einem beschönigten Leben" auf einer Skala von 1 bis 10.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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