Die Meinung der Redaktion zu „Dreifarbenhaus“ von Bausa

Vor rund drei Jahren als vielversprechender Newcomer seine Karriere gestartet, wurde es nach dem Debütrelease, der EP „Seelenmanöver“, wieder ziemlich schnell recht still um Bausa. Auch wenn er durch die Mitarbeit an Capos „Hallo Monaco“ und Haftbefehls Street-Opus „Russisch Roulette“ immer mal wieder ins Gespräch kam, wirklich klar, wie es um die Karriere des Rapiers auf dem beschaulichen Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart stand, war es lange nicht. Bis er im vergangenen Herbst schließlich fragen konnte: „Hast du mich vermisst?“. Was auf eine Reihe von Snippets und Einblicke in neue Musik folgte, war die Ankündigung des Debütalbums –  nach der Schließung seiner ehemaligen Labelheimat Hitmonks in Zusammenarbeit mit Warner Music. Features sucht man trotz bester Vernetzung innerhalb der Szene und zu zahlreichen Camps – der Hip-Hop-Präsenz seiner kleinen Heimatstadt seit Dank – vergeblich. Lediglich Sänger Lativ wirkt auf dem „Dreifarbenhaus“ mit. Wir haben das Debütalbum, das Baui dem größten Stuttgarter Bordell widmet, besprochen.

Bausa – „Dreifarbenhaus“ kaufen

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 7/10
    Yannick W.: "Unglaublich spannend, wie sich im Eiltempo ein so großer Teil der Szene auf einen Künstler einigen kann. Dementsprechend viel Druck lag auf dem Album, die Singles heizten ein, gaben aber auch eine sehr klare Marschrichtung vor. Und mit einem Hauch Selbstverständlichkeit im Unterton lässt sich 'Dreifarbenhaus' als gutes Debüt bezeichnen. Dennoch erwische ich mich beim Hören immer wieder dabei, mich zu ärgern. Denn viele Songs der ersten Albumhälfte kämpfen mit kleinen Störfaktoren. Seien es ein schwacher zweiter Part ('Tropfen'), ein durchgekautes Thema ('Medusa'), übermäßiger Pathos ('Intro'), oder eine auf Stadion getrimmte Hook, die zu sehr mit dem ruhigen Vibe der lyrisch ausgefeilten Strophen bricht ('Weit weg'). Die 25 ersten Minuten kämpfen mit einer Menge liegengelassenem Potential. Was dann allerdings, beginnend mit 'Belle Etage', folgt ist ein Musterbeispiel gekonnter Genre-Vielfalt, eine stilistische Kehrtwende von synthetisch-brachialen Hymnen zu einer Menge organischen Soul-, Funk-, Jazz- und klassischen R’n’B-Einflüssen, die in der abschließenden Akustik-Darbietung von 'Pyramiden', dem outstanding Highlight des Albums, gipfelt. Bausa ist eine weitere spannende Künstler-Person, die die deutsche Musikwelt um eine sehr eigene Facette erweitern könnte. Das Debüt zumindest verspicht viel für die kommende Zeit. Und wer nach diesem Jahr noch nicht auf eine fünfköpfige Bietigheim-Bissinger Rap-Supergroup wartet, dem ist wohl auch nicht mehr zu helfen.“ - 7/10
  • 8/10
    Jakob: "Echt ein krasses Debüt, das Bausa hier rausgehauen hat. Die tollen Produktionen lassen Baui nur so durch die Songs gleiten. Seine Stimme hat diesen krassen Wiedererkennungswert, die dieses Album mit seinen teils starken Texten einzigartig machen. Dass ein Album ohne Features oft besser daherkommt als eines mit, beweist dieses Album nur zu gut. Auch ohne Gäste bleibt Bausa spannend, auch wenn mich die Thematiken des Albums nicht immer ansprechen. Aber da kann ich ihm keinen Vorwurf machen, wenn diese auch einfach Teile seines Lebens widerspiegeln. Alle Songs waren gut, einige waren aber umso besser ('Vermisst', 'Medusa', 'Wo bist du'). Die Messlatte fürs zweite Release dürfte damit hoch angesetzt sein." - 8/10
  • 7/10
    Marvin: "Bausa ist für mich einer der erfrischensten Newcomer der letzten Zeit. Sein Stil ist in der momentanen deutschen Raplandschaft einzigartig, was auch an seiner sehr angenehmen Stimme liegt, die er natürlich auch gerne und gut benutzt. Albumlängentechnisch hat er alles richtig gemacht. Das Ganze wirkt rund und in sich sehr stimmig. Die Thematik ist sehr sehr oft sehr sehr ähnlich: Frauen in Puffs, Stripclubs, Bars, auf der Straße, im Ghetto, in der Disco, auf dem Tisch, unterm Stuhl, ihr versteht schon. Das ist aber nicht unbedingt schlecht, da seine Stimme kombiniert mit den oft sehr instrumentlastigen Beats das Ganze so schön besingt, dass man zwischendurch vergisst, dass es gerade um Nutten geht. Vor allem für Bausas Zukunft sehe ich einige Moves, da auch die Szene bald großflächig auf ihn und sein Musik- und Gesangstalent aufmerksam werden wird. Das Album ist als Debüt ebenfalls sehr gelungen, weil es dem Hörer einen sehr guten Querschnitt von dem gibt, was Baui eben ist: Stuttgarter, Frauenliebhaber, Gesangstalent." - 7/10
  • 8/10
    Robin: "'Dreifarbenhaus' drückt eine inhaltliche Grundstimmung aus, die sich nahezu über die gesamte Spielzeit erstreckt und einen kaum loslässt. Diese Stimmung zeigt sich durch den Konflikt, zwischen Gut und Böse festzuhängen. Bausa verknüpft schonungslose Inhalte auf der einen mit positiven Erlebnissen auf der anderen Seite. Das Ganze unterstreicht er mit einer rauen, aber dennoch charmant klingenden Stimme, die einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Der Großteil der Songs wird durch Gesang geprägt, Rap-Parts setzt Bausa wohl dosiert ein. Die musikalische Kulisse beeindruckt auch. Klar, die LP kommt nicht ohne die derzeitig allseits beliebte Mischung aus synthetischen Pop-Elementen und Trap aus. Dennoch finden auch einzelne Instrumente wie Gitarre oder Keyboard in kurzen Solo-Passagen ihre Würdigung. Einen kleinen Abzug gibt es für phasenweises Phrasendreschen in den ansonsten tiefsinnigen und authentischen Texten. Insgesamt ist Bausa hier aber ein sehr rundes und stimmiges Debütalbum gelungen, das den ein oder anderen Ohrwurm ('Medusa', 'Baron') bereithält. Gerne mehr davon!“ - 8/10
  • 6/10
    Elias: "Ein Pop angehauchtes Album was Bausa da raushaut. Das liegt für mich vor allem an den Gesangseinlagen, die er im Laufe des Albums immer wieder bringt. Ich hab vorher noch nie etwas von ihm gehört und bin deshalb vollkommen unvoreingenommen ihm gegenüber. Ich muss leider sagen, dass es nicht wirklich meinen Geschmack trifft, doch versuche ich mal das Ding ein wenig objektiv zu betrachten. 'Dreifarbenhaus' hört sich dafür, dass es sein Debütalbum ist, sehr Reif an. Zwischendrin sind Tracks vorhanden, die ich mir mit der richtigen Stimmungslage sicherlich geben kann, nur das trifft leider nur auf eine Handvoll zu. Ich sehe in 'Dreifarbenhaus' auf jeden Fall eine Spur von Konzeptalbum. Das meiste interpretiere ich als eine Hommage an das Leben und die Probleme die es mit sich bringt. Seine Stimme hat einen Wiedererkennungswert und passt perfekt zu der Richtung die er macht. Was mir auch gut gefällt, ist die Länge der Platte. Sie ist nicht zu überladen und wirkte auf mich sehr kurzweilig. Im Endeffekt ein sehr gut produziertes Album, welches etwas aussagt und etwas Interessantes erzählt. Leider im großen und Ganzen nicht mein Fall aber am Ende bleiben ein paar Songs in Erinnerung." - 6/10
  • 7/10
    Lukas: "Irgendwie schwierig, an 'Dreifarbenhaus' keinen anderen Maßstab anzulegen als an andere Alben, nach 'Baron' und 'Tropfen' als erste Hörproben, die ich so unglaublich gut fand. Ich weiß nicht genau, was ich vom Album erwartet hatte, aber so richtig war es das nicht. Das heißt nicht dass ich es nicht gut fand, aber einfach anders. Daran muss man sich gewöhnen und sich auf die doch etwas andere Stimmung des Albums einlassen. Dann kann 'Dreifarbenhaus' auf jeden Fall einiges und vor allem mitnehmen, in Bausas doch etwas verkopfte Welt." - 7/10
  • 8/10
    Peter: "Das Debüt von Bausa gehört sicher zu den Alben aus dem bisherigen Kalenderjahr auf die ich mich am meisten gefreut habe. Zurecht. 'Dreifarbenhaus' ist meiner Meinung nach ein starkes Album, das ohne Lückenfüller oder große Features auskommt, sondern mit eingängigen Melodien und Hooks, schönen Produktionen, die zwar nicht das Rad neu erfinden, teilweise eher an bereits erfolgreiche Hits erinnern, dafür allerdings umso spektakulärer von der Stimme des Saarbrückeners ausgeschmückt werden, überzeugen kann. Hoffentlich ist diese Stimme noch lange in der Lage viele Alben von Baui zu vertonen, bevor sie ihm komplett verloren geht. Wenig Anderes kann ihm in der Zukunft im Weg stehen. " - 8/10
7.3/10

Kurzfassung

Zwar lassen sich noch immer einige Kritikpunkte an „Dreifarbenhaus“ finden, dennoch kann Bausa mit seinem Debüt bereits nachhaltig Eindruck hinterlassen. Die Kombination von Rap und Gesang, sowie Einflüssen von Trap bis Jazz sorgen bereits jetzt für Spannung auf einen Nachfolger.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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