Die Meinung der Redaktion zu „Luft & Liebe“ von Ahzumjot

Luft & LiebeSeit dem musikalischen Befreiungsschlag „Minus“ hat Ahzumjot eine außergewöhnliche Karriereetappe hingelegt: Vom gescheiterten Major-Rapper zum Symbol für Untergrund-Hustle und freies musikalisches Schaffen. Die Rückkehr zur DIY-Arbeitsweise, mit der schon das mittlerweile fast sechs Jahre alte Debüt „Monty“ entstand, weckte im Wahlberliner einen Ansporn, der in der Szene aktuell nur eine Hand voll Künstler in ähnlichem Maß an den Tag legen. Nur wenige Monate nach dem Release von „Minus“ zog Ahzumjot mit einem neuen Release nach. Den März 2016 eröffnete er mit der Remix-EP „16QT01“ – ein Titel der direkt klar machte: Man darf sich auf zwölf Monate voller Output freuen. Und auch der Stil der folgenden Projekte „Tag Drei“ und „Die Welle“ hatte nicht mehr viel gemein mit seiner zweiten LP „Nix mehr egal“. Deutlich reduzierter, von großflächigen Bass-Syths, cleanen 808s und Vocal-Pitching-Experimenten durchzogen, fielen die von Ahzumjot in kompletter Eigenregie produzierten Releases aus. Der Bonus on top: Alles, was im Homestudio entstand fand den direkten Weg zu den Fans – als Free-Download. So auch das neue Projekt, das den Abschluss der Reihe bildet: Das dritte Soloalbum Ahzumjots, das auf den Titel „Luft & Liebe“ hört. Als Gäste auf den insgesamt elf Songs komplettieren Casper und Chima Ede die LP, die genau ein Jahr nach dem ersten Teil der Release-Reihe erschien. Wir haben „Luft & Liebe“ besprochen.

Ahzumjot – „Luft & Liebe“ gratis herunterladen 

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 8/10
    Yannick W.: "Darüber, dass Ahzumjot sich endlich gefunden zu haben scheint und dennoch unter dem Radar stattfindet, brauche ich an dieser Stelle nicht nochmal große Worte verlieren. Viel wichtiger ist doch, dass ihm mit 'Luft & Liebe' seine bis dato beste Platte gelungen ist. Das Album setzt in doppelter Hinsicht auf Reduktion. Produktionen und Inhalt bilden eine Reflexion voneinander, finden in einem kleinen, sehr überschaubaren Kosmos statt und versuchen auch gar nicht daraus auszubrechen. Die Bandbreite reicht dabei von skizzenhaften Songs wie dem 'Fuccbois Freestyle' bis hin zum insgesamt rund siebenminütigen Lo-Fi-Epos 'Koordinieren' und hüllt die Lyrics damit über die 45 Minuten in einen düsteren Vibe. Seinen Höhepunkt feiert 'Luft & Liebe' allerdings mit dem einzigen Ausbruch daraus, der inoffiziellen Weiterführung seiner musikalischen Großtat 'Montag'. 'Geh nicht' schafft es, durch sein deutlich anziehendes Tempo und die Hit-Hook aus dem Konstrukt auszubrechen, gleichzeitig aber den ehrlichsten und intimsten Moment der Platte zu bilden, das Konzept von 'Montag' auf die kleinste Ebene, eine einzelne Beziehung, herunterzubrechen. Ahzumjot gelingt es als einen von Wenigen nicht nur am State of the Art zu partizipieren, sondern diesen mit seinem Mindstate und der darin reflektierten Musik weiterzudenken, auch wenn der Abkapslungsgedanke, der die gesamte Reihe durchzog, teils auserzählt zu sein scheint. Wer kann schon von sich sagen, dass ein überragender Casper-Part auf seiner Platte nur zu Randnotiz gerät?" - 8/10
  • 8/10
    David: "Und schon wieder ein starkes Ding von Ahzumjot innerhalb nur eines Jahres. Man merkt einfach, dass er keine Angst hat den nächsten Schritt zu gehen und sich ständig weiterzuentwickeln. Ob es nun seine Produktion oder Raps sind, er schafft es wieder einen auf '16QT02: Tag Drei' draufzusetzten, wenn man 'Die Welle' als Kollaboprojekt auslässt. Mit seinem modernen Sound zeigt er seinen Rapkollegen, dass man auch in völliger Eigenregie abliefern kann. Leider ist Ahzumjot zur Zeit noch einer der underratesten Rapper, was sich hoffentlich bald ändern wird." - 8/10
  • 8/10
    Anna S.: "Sehr atmosphärische, stilvolle Soundkulisse, die Ahzumjots ausdrucksstarke, kraftvolle Delivery auffängt. Diese beiden Komponenten sorgen für einen kühlen und düsteren Grundtenor, der hin und wieder von nachdenklichen und emotionalen Lyrics aufgebrochen wird. Mit 'Luft & Liebe' verfestigt Ahzumjot seinen eigenen Sound: zeitgenössisch, stilecht und markant." - 8/10
  • 8/10
    Yannick H.: "Most underrated MC in Germany. Wer so oft wie Ahzumjot releast, und dabei solch eine Qualitätsdichte aufweist, dem gehört einfach nur größter Respekt entgegengebracht. Mit seinem Flow ist der gebürtige Hamburger stets on point, seine Delivery ist unanfechtbar. Ob mit Autotune-Effekt auf 'Limbo', gespickt mit einem Casper-Part der Extraklasse, oder in einem kaum zu messenden Tempo auf 'Lowkey' - Ahzumjot ist heiß. Heiß aufs Rappen, und heiß auf mehr. Denn die nächste Veröffentlichung ist mit Sicherheit nicht weit entfernt." - 8/10
  • 8/10
    Niko: "Poah, ich schwanke beim Zuhören sekündlich zwischen: Habe ich schon gehört und ist das stark umgesetzt. Und das macht die Bewertung unheimlich schwer. Am Ende überwiegt aber die Empfindung, dass Ahzumjot das was er hier macht vollends authentisch präsentiert, es mit Leben füllt. Das macht es stark." - 8/10
  • 9/10
    Cedric: "Das Album ist nicht nur ein Dokument der stetigen Steigerung, die Ahzumjot von Projekt zu Projekt sowohl in der Produktion als auch in seinen Texten zeigt. Es ist eine Blaupause dafür, wie eigen Rap aus Deutschland klingen kann. Wenn Ahzumjot auf dem Album an manchen Stellen Referenzen an Kanye West oder andere amerikanische Künstler macht, werden diese in den eigenen Stil eingewoben und nicht stumpf kopiert. Immer wieder macht er, sowohl in Beats als auch in Texten, Anspielungen auf Songs aus den anderen drei Teilen seiner QT-Reihe. Auch diese sind immer eine Weiterführung der Themen und Motive und nie eine Wiederholung. Somit entsteht mit diesem Album als Ende ein Gesamtwerk, das nicht nur das persönliche Leben, sondern auch seine künstlerische Entwicklung und die der Welt um ihn herum festhält. Klangtechnisch ist das Album in sich schlüssig, liefert aber durchaus Ausflüge in poppigere und leicht elektronische Gefilde, die für mich aber immer gelingen. Dieses Album gab mir wieder Hoffnung, dass die Diskografie eines Künstlers mehr sein kann als ein Album nach dem anderen. Eine Diskografie kann ein in sich schlüssiges Gesamtwerk sein mit einem eigenen Kosmos aus Querverweisen und Klängen." - 9/10
  • 8/10
    Sara: "Ahzumjot schafft es, einen ganz balanciert durch sein Album zu tragen. Man kann abschalten und sich nur vom Vibe tragen lassen, oder ihm aufmerksam zuhören. Die Produktionen auf 'Luft & Liebe' sind mega hochwertig, er flowt so nahtlos. Obwohl sich ein klarer roter Faden durch das Album zieht, gibt es ab und an Überraschungen, die aus der Reihe tanzen und für angenehme Abwechslung sorgen. Beispielsweise 'Geh nicht' und der Titelsong 'Luft & Liebe'. Stellenweise erinnerte mich das Album vom Soundbild her an die Crew PartyNextDoor aus den USA, welche ich sehr mag. Viel zu meckern gibt es nicht. Ahzumjot hat ein echt schönes Werk erschaffen, dessen Vibe ich bis in die letzte Faser fühle." - 8/10
  • 8/10
    Niels: "Ich kann nur immer wieder betonen, dass ich Ahzumjots musikalische Entwicklung seit 'Minus' extrem feiere. Nachdem 'Nix Mehr Egal' für mich das deutlich schwächste Release in seiner Diskografie war, scheint es seiner Musik echt mehr als gut zu tun, dass er nun nicht mehr von dieser abhängig ist und er alles auf eigene Faust macht. Die LP ist einfach unglaublich stimmig. Das Artwork, die Produktionen, die Tracks und die dazugehörigen Videos transportieren für mich einen ganz eigenen Vibe, der einfach catcht. Hier und da erinnert mich der ein oder andere Track zwar einen Hauch zu sehr an Künstler, die sicherlich Inspiration waren, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Luft nach oben sehe ich trotzdem noch. Meine Favoriten: 'Geh nicht' und 'Koordinieren'." - 8/10
  • 8/10
    Lukas: "Ahzumjot ist in jedem Fall ein Ausnahmekünstler – vor allem in der deutschen Szene. Obwohl seine Einflüsse klar zu erkennen sind, entwickelt er sie doch selbst so weiter, dass man seine eigene Handschrift darin sieht. Produktion und Flow sind auf einem Level, wie ich es in Deutschland kaum gehört habe und seine Texte sind so authentisch, dass man jedes Wort glauben kann. Auch trotz einiger Elektro oder sogar Pop-Einflüsse, die mir persönlich eher wenig zusagen, bewegt sich das gesamte Album doch in einem einzigen Soundkosmos, welches aber nicht eintönig wird. Mit dafür verantwortlich sind wohl die recht kurz gehaltene Tracklist und die überragenden Features." - 8/10
  • 8/10
    Peter: "Was macht man, wenn man gerade so viele mit seiner Musik erreicht wie lange nicht mehr? Genau, man bleibt am Ball und versorgt seine Hörerschaft mit neuem Output. So weit - so logisch. Aber Ahzumjot geht einen Schritt weiter und stellt seine Musik gratis zur Verügung. Das Beste daran ist aber, dass die Musik nicht danach klingt. Mit diesem Release trifft er am meisten meinen Geschmack von allen seinen letzten Releasen. Die Texte halten die Balance zwischen Selbstreflektion und Representern, aber die Produktionen sind es, die von Veröffentlichung zu Veröffentlichung eine stärkere Athmosponäre zu erschaffen. Bleibt nur zu hoffen, dass er weiterhin von 'Luft & Liebe' leben kann." - 8/10
8.1/10

Kurzfassung

Rund um Ahzumjots drittes Soloalbum herrscht bei uns Einigkeit: „Luft & Liebe“ bildet nicht nur einen würdigen Abschluss der „16QT“-Reihe, sondern stellt auch die bis dato stärkste Veröffentlichung des Wahl-Berliners dar. Damit reicht es sogar zur bis dato besten Wertung unter der nationalen Konkurrenz in diesem Jahr.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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