Snoop Dogg – „BUSH“ (Review)

Snoop Dogg sitzt auf der großzügigen Veranda seiner Villa. Viel weiß. Die Sonne scheint. Vor ihm ein riesiger Berg Marihuana, den er sich auf Rezept hat liefern lassen – und im Garten spielen die Kinder. Alles gut, alles perfekt … und irgendwie langweilig.

Neue Musik muss her. Deswegen setzt sich Snoop mit Joint im Mund wieder einmal hin, um ein Konzept für sein nächstes Album auszuarbeiten. Reggae? Snoop Lion war schon. Funk? Eben erst passiert. Straßengeschichten auf Westcoast-Beats? Schon vor über einem Jahrzehnt abgehakt. Luftballon-Pop? Da war doch was mit Katy Perry.

Also schnappt sich Snoop Kraxe und Machete, um sich ein Stück weiter durch den Genre-Dschungel zu kämpfen. Der Schweiß rinnt, die Kräfte lassen nach und es ist Zeit für eine Rast. Ein müder Blick mustert die unbekannte Umgebung und plötzlich ist alles wunderbar. Ein idyllisches Tal wird zu seiner Raststätte: die Grenze zwischen R&B und Neo-Soul.

Dort trifft er auf Pharrell Williams, der sich gerade vom Post-„Happy“-Stress erholt, mit Cocktail in der Hand auf einem Liegestuhl und beide verstehen sich prächtig. So entsteht „BUSH“ im Genre-Busch mit schmalzigen Synthesizer-Lianen, seichten Drums und einer gehörigen Portion fruchtiger Melodien.

Denn Pharrell hat sich für die Produktionen nur die Süßesten der wilden Früchte geschnappt und daraus eine durchweg poppige Mischung gezaubert. Snoop Dogg liebäugelt so offensichtlich mit der Pop-Welt, in der er sich ohnehin schon bewegt, dass es einem eigentlich zuwider sein müsste. Doch dann kommt alles anders.

Das homogene Zusammenspiel zwischen Snoop und Pharrell funktioniert nämlich so gut, dass ein regelrechtes Hit-Sammelsurium entstanden ist. Eingängige Melodien, die richtige Portion Autotune, viel Gesang, viel Liebe … und eine Menge Blödsinn-Texte, über die man besser hinwegsehen sollte.

Doch das fällt nicht schwer, denn die Klangästhetik vereinnahmt einen und löst ein wohliges Gefühl im Magen aus. Für Rap bleibt da wenig Platz. Nur Kendrick Lamar und Rick Ross sorgen auf „I’m Ya Dogg“ ganz am Ende noch einmal für das nötige Fünkchen Realness aus Hip-Hop-Sicht. Und Snoop Dogg trällert vor sich hin. Darf er auch, denn „BUSH“ ist kein Rap-Album, sondern eine poppige Wohlfühlkur geworden. Spaß macht das allemal.

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Eigentlich wollte Johann gar nicht mehr so viel über HipHop schreiben, weil ihn mangelnde Qualität einiger gehypeter Alben und kindische Streitereien zu sehr auf die Nerven gehen. Doch über Probleme soll man bekanntlich reden. Jetzt schreibt er genau darüber eine Kolumne für BACKSPIN und auch weiterhin Meinungsartikel zu Musik. Ansonsten hängt er in Berlin rum, bricht Studiengänge ab, fängt neue an und schreibt als freier Autor unter anderem für Juice, Vice, taz. und Süddeutsche Zeitung.

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