Sind Rap-Battles ohne Diskriminierung möglich?

Diskriminierung

Bei der Frage inwiefern diskriminierende Elemente im Rap stattfinden dürfen, gehen die Meinungen auseinander. Immerhin ist die Battle-Kultur im Hip-Hop schon immer fest verankert. Auf dem Reeperbahn Festival moderiert Falk Schacht einen Talk zu genau diesem Thema. Seine Gäste: Frauenarzt, ÉSMaticx und Chima Ede, sowie Uwe Hoffmann des Deutschen Schutzverband gegen Diskriminierung. Im Gespräch wird unter anderem die Frage diskutiert, ob Battle-Rap ohne Diskriminierung überhaupt möglich ist. Wir haben die Positionen der Talkgäste für euch kurz zusammengefasst.

Frauenarzt

Der Berliner ist sich sicher: Battle-Rap ohne Diskriminierung ist schlicht nicht möglich. Problematisch wird es wenn Rap-Beef auf die Straße übertragen wird und so über einen verbalen Wettkampf hinausgeht. Im Battle Kontext ist Diskriminierung aber einfach ein Muss und solange es nicht ganz krass unter der Gürtellinie ist, wünscht er sich mehr Disses und Battles im Rap.

Chima Ede

Es ist nicht zwingend nötig den Gegner aufgrund äußerlicher Merkmale, wie Geschlecht, Hautfarbe oder Sexualität, zu erniedrigen. Das Aussehen ist ohnehin nur eine Hülle, für die kein Mensch etwas kann. Viel Aufwändiger und auch effektiver ist es, wenn man die inneren Werte des Gegenüber als Basis des Battles verwendet.

Uwe Hoffmann

Ein Battle ist mit einer Schlacht gleichzusetzten, in der man den Gegner bekämpfen muss. Ein Lösungsvorschlag könnte es sein, wenn die Kontrahenten für jede diskriminierende Äußerung einen Minuspunk bekommen und der mit den wenigsten Punkten am Ende der Verlierer ist. Friendly Fight nennt er diese Idee.

Compliment Battle
Einen ähnlichen Ansatz bietet übrigens das Konzept des Compliment Battle, in dem es darum geht dem Gegner so viele Komplimente wie möglich zu machen. Dass ein Battle ohne Diskriminierung funktionieren kann, zeigen Pat Stay und Adam Ferrone in diesem Battle (Oktobe 2014).

Doch auch in Deutschland findet das Konzept des Compliment Battle anklang. Hier seht ihr ein Battle zwischen Johnny Rakete und Kex Kuhl (Februar 2016):

ÉSMaticx

Die Rapperin, die wie Frauenarzt aus einem Battle-Rap Kontext kommt (VBT), vertritt die Meinung, dass Diskriminierung zwangsläufig Teil einer verbalen Auseinandersetzung zwischen zwei MCs sein muss. Wie sollte das denn ohne funktionieren? Man kann keine Person beleidigen, ohne damit eine bestimmte Gruppierung mit anzugreifen. Für sie ist aber der entscheidende Punkt: Die Rapper battlen sich gerne, warum sollte man also die Art und Weise der Ausführung verändern? Nur weil irgendwer von außerhalb das will? Die Battle-Kultur im Deutschrap ist gesund und bietet die Möglichkeit seine Emotionen, wie durch ein Ventil rauszulassen. Compliment Battles sind eine gute Idee, werden “echte” Battles jedoch nicht ersetzen können.

Falk

Der Mensch ist ein aggressives Wesen. Dies äußert sich in Gewalt, Kriegen und Alltagsdiskriminierung wie z.B. die geringere Bezahlung von Frauen im Berufsleben. Verbale Battles bieten eine Lösung, um dieses aggressive Wesen zu befriedigen. Insbesondere, wenn die Battles abgesprochen sind, in einem bestimmten Rahmen stattfinden und man sich vorher die Hand gibt, ist das doch ein viel besserer Ansatz, als eine körperliche Auseinandersetzung. Falk nennt dies sogar „die positivste Form der Aggressivitätsbewältigung“.

Ab Minute 51:30 äußern die Talk-Teilnehmer ihre Meinung zur Frage, ob Diskriminierung in einem Rap-Battle sein muss:

Ist Diskriminierung im Rap in Ordnung und gehört einfach dazu? Sind Frauenverachtende, Sexistische oder Rassistische Lines in Rap-Texten vertretbar? Und wie findet ihr das Konzept des Compliment Battle? Teilt uns eure Meinung mit und hinterlasst einen Kommentar unter dem Artikel.

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Aus der südlichsten Ecke in den hohen Norden gezogen um über Hip-Hop zu schreiben. I'm all the way up.

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