Sinboy: Ein spanischer Künstler mitten in der rumänischen Street Art-Szene

Meet Andy Luke a.k.a. Sinboy.  Durchgeknallter Street-Art Autodidakt, Do-It-Yourself Prediger und Flipper-Fanatiker aus Madrid. Als Teenager kommt er nach Rumänien. Sein Plan, ein halbes Jahr in der Hauptstadt Bukarest zu bleiben, ist mittlerweile 17 Jahre her. Seitdem tobt er sich mit seinen verrückten Kreaturen in allen erdenklichen Weisen aus: Autowracks verwandelt er in Ratten, auf das Parlamentsgebäude projiziert er in Überlebensgröße seine Trademark Charakters – Einäugige Scheißhaufen in allen Farben – und auch vor Wholecars macht er keinen Halt.

SINBOYS Trademark Character: Zyklopische Scheißhaufen in allen erdenklichen Farben. Hier in gelb. Riesengroß auf das rumänische Parlamentsgebäude projiziert.

Erstkontakt mit Street Art und Graffiti?
Ich bin direkt neben einer der wichtigsten Walls of Fame von Madrid aufgewachsen, in der Barrio del Pilar. Jeden Tag, wenn ich von der Schule zurückkam, sah ich neue Pieces. Suso33 und seine Crew Los reyes del Mambo schlugen hier immer zu, weil sie in der Nähe wohnten. Er hat mich sehr beeinflusst, später sind wir gute Freunde geworden.

Wann und wie hast Du mit Street Art begonnen?
Mit 15 Jahren. Ich war eine Zeitlang nur am taggen und malte ziemlich beschissene Pieces. Als ich nach Rumänien kam, begann ich, mich intensiver damit zu beschäftigen, machte Stencils und Installationen und malte auch ganz normale Pieces.

Hast Du ein paar positive Erfahrungen, Anekdoten etc.?
Ein Highlight war, als ich mit Fortress und Logan Hicks eine verlassene Subway Station in New York gemalt habe.

Stört es Dich, wenn jemand Deine Arbeit übermalt?
Wenn es ein frisches, nices Piece  von mir ist, dann ja, so was pisst mich an. Wenn es nur ein schnell hingeknalltes oder schon altes ist, dann juckt mich das nicht.

 

 

 

Du hast bereits erwähnt, dass Du auch außerhalb von Bukarest aktiv warst und bist. Wo hast Du noch gearbeitet?
Kreuz und quer: Madrid, Barcelona, Paris, Brüssel, London, NY, Berlin, Serbien, Moldawien, Rumänien…

Kann man in Rumänien von einer Street Art und einer Graffiti Szene reden? 
Zu einem bestimmten Zeitpunkt, Mitte der 2000er, fühlte es sich so an, als gäbe es eine Street Art Szene. Dann starb sie irgendwie und heute sind dieselben Leute aktiv, die schon vor zehn Jahren am Start waren. Ich zähle mich selbst dazu, jetzt bin ich alt, fett und Alkoholiker. Aktuell steck ich ’ne Menge Energie in andere Dinge, wie meine Band.

Wie hat sich diese Szene in den letzten Jahren entwickelt?
Langsam und ohne irgendetwas beeindruckendes.

Was motiviert Dich? Welche Künstler inspirieren Dich?
Ich mag „Weirdo-Underground“-Kunst aus den 60ern, Punk Zine Trash, Skate Stickers aus den 80ern, Zinnspielzeug, handgemachte Schilder…Ich mag Künstler, die nicht versuchen, zu cool zu sein oder super ausgefallen und High Art.

Von wo kommt der Name „Sinboy“?
Ich war jung und brauchte einen Punk-Namen. Es hat sich einfach passend angefühlt.

Dein Stil ist sehr figürlich, aber Du arbeitest auch mit Buchstaben.
Ich mag beide Arten mich auszudrücken. Characters male ich schneller. Ich mag ausgewogene Dinger, eine gute Linie und Komposition. Bei Graffiti dauert es länger, einige gute Buchstaben zu malen, die anständig aussehen.

Sinboy lässt sich nicht eingrenzen: Wenn ihm danach ist, verwandelt er ein Autowrack in eine Ratte.

Was für Produkte gibt es mit Deiner Kunst? Wie wurden sie umgesetzt?
Ich hab T-Shirts gemacht, Anstecknadeln, Spielzeuge, sogar scharfe Soße. Merchandise gefällt mir, „DIY (Do it Yourself, Anmerk. d. Verf.) till you die”. Hab nicht viel in Massenproduktion gemacht, immer auf eigene Faust. Aber wenn mir einer Cash geben will, damit ich coolen Shit mach, immer her mit!

Hast Du viele Angebote aus der Industrie gehabt, zum Beispiel Werbung?
Manchmal arbeite ich mit der Werbeindustrie, weil man so an Kohle kommt. Aber die Industrie ist meist sehr familienfreundlich und geht keine Risiken ein, so dass ich nie wirklich ein Projekt hatte, bei dem ich hohl drehen und meinen eigenen Style durchdrücken konnte.

Funktioniert Street Art auch in Galerien?
Nicht in Rumänien. Leute kaufen das nicht, es sei denn, es sind erschwingliche Drucke.

Kannst Du von Deiner Kunst leben?
Ja, aber man muss hustlen und auf vielen Hochzeiten tanzen.

Kannst Du Dir auch Tattoos mit Deiner Kunst vorstellen?
Ja, habe ich schon gemacht.

Last Words? Shoutouts?
„Keep it trashy, work hard, don’t be a pussy, more spice is better.”

Es geht auch klassisch: Ein Wholecar nach Sinboys Art.

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Gabriel Medrea

Freier Autor, Baujahr 1980, Kindheit: Sozialismus in Rumänien. Als Hosenscheißer ab ins deutsche Wirtschaftswunderland. In Hip Hop Deutschlands Wiege Heidelberg Geschichte und auch Politik studiert. Nebenbei von allem bisschen was: Radio Deutsche Welle Köln, TV Ufa Serial Drama in Berlin und Onlinepresse Heinertown für Darmstadt.

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