Anzeige: Sido und Trettmann – Die „Wallbreaker“ von heute im Portrait

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In der Nacht von Donnerstag, dem 9. November auf Freitag, den 10. November 1989 wurde die Berliner Mauer im frisch wiedervereinten Deutschland geöffnet. Eine Generation lang teilte eine Mauer nicht nur eine Stadt, sondern ein ganzes Land in Ost und West. Der Fall dieser Mauer wurde durch Menschen getrieben, die durch ihr Denken und Handeln eine Zeit des Widerstands ins Leben riefen. adidas Originals hat sich den 30. Jahrestag des Mauerfalls zum Anlass genommen, um an dieses für unsere Gesellschaft noch heute prägendes Ereignis zu erinnern und die “Wallbreaker” von heute zu porträtieren. Mitten in dieser turbulenten Phase deutscher Geschichte befanden sich mit Sido und Trettmann auch zwei der aktuell größten deutschen Künstler, die Rap aus Deutschland je hervorgebracht hat. Die beiden einen nicht nur ein ähnlicher Hintergrund und Erfahrungen, sondern auch Kreativität, Glaube an das eigene Können und die Fähigkeit Botschaften zu verbreiten ohne dabei den viel gescholtenen Zeigefinger zu heben. Im Berliner Silver Wings Club, einem alten Militärclub amerikanischer Soldaten, den Sido noch aus Cypher-Zeiten kennt, trafen beide aufeinander, um über die damalige aber auch heutige Zeit, Sorgen und gemeinsame Antriebe zu sprechen. Was einem sofort ins Auge fällt ist, dass beide die gleiche Jacke tragen – einer in orange, einer in schwarz. Die adidas Originals Wendejacke, die Wende und Einheit Deutschlands in einem Kleidungsstück vereint.

Kurz nach der Wende zog es Trettmann in den Chemnitzer Stadtteil Kaßberg, der bevölkerungsreichsten Gegend der Stadt, den er mal als das „sächsische Prenzlauer Berg“ bezeichnete. Davor lebte er im Chemnitzer Heckertgebiet. Ein beliebtes Wohngebiet mit modernen Wohnungen, das nach der Wende jedoch mit Arbeitslosigkeit und sozialen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Im echten Berliner Prenzlauer Berg kam wiederum Sido 1980 zur Welt. Ihm und seiner Mutter wurde bereits kurz vor dem Mauerfall die Ausreise nach Westdeutschland genehmigt. Ihre Reise endete jedoch zunächst im Asylantenheim Wedding, in dem Sido nur schwer Anschluss finden sollte. Sido verbarg seine ostdeutsche Herkunft. Auf heute ikonischen Tracks wie „Westberlin“ oder noch deutlicher auf „Ostwest“, einem gemeinsamen Song mit Joe Rilla, formte Sido die Finger zu einem W und spielte mit Ostdeutschen Klischees. „Am Anfang fand ich es lustig. Wir haben Westberlin gepriesen und T-Shirts gemacht, auf denen Westberlin stand. Irgendwann musste und wollte ich meinen besten Freunden aber die Wahrheit über meine Vergangenheit erzählen. Das war am schlimmsten für mich, da ich sie lange angelogen habe.“

Erst 2009 machte Sido seine ostdeutsche Herkunft öffentlich. „Hey Du“ basierte auf einem Song des Berliner Musicals Linie 1, das er noch aus seiner Schulzeit kannte:

„Mein Selbstbewusstsein hatte sich verändert. Es gab Zeiten, da hat mir dieses „Du bist ein Ostler“ wehgetan, das hat mich genervt. Irgendwann war ich im Leben so angekommen, dass es egal war. Da war es an der Zeit, mit meinen Freunden, den ganzen Jungs von früher, reinen Tisch zu machen. Es gab ein paar, die es geahnt haben, da ich mich ab und zu verraten habe. „Broiler“ zum Hähnchen sagen und sowas. Das war denen suspekt.“

Auch Trettmann überraschte Sidos Bekenntnis: „Ich habe das so viel später erst gecheckt. Er hat das so spät revealed. Ich war auch überrascht, aber auf der anderen Seite auch ein bisschen stolz, dass er einer von uns ist (lacht).“ Für ihn seien die Umstände und die Mittellosigkeit nichts gewesen, wofür man sich schämen sollte: „Ich finde es gut, diese zwei Systeme zu erleben, weil man eine andere Perspektive bekommt. Du kennst den Mangel und das Gefühl, niemals über den Kurfürstendamm zu spazieren oder den Kontinent zu verlassen. Ich schätze Dinge heute viel mehr. Ich putze meine Turnschuhe immer noch und werfe sie nicht weg, auch wenn ich vielleicht könnte (lacht).“

 

Auch Trettmann macht mit Songs auf seine Zeit in der DDR sowie die Auswirkungen dieser Zeit auf heutige Umstände aufmerksam. „Grauer Beton“ erzählt aus den Jugendjahren Trettmanns und sollte zu einem der Aushängeschilder seines Albums „#DIY“ werden, das schon jetzt zurecht als Klassiker betitelt wird. Der Track „Stolpersteine“ befasst sich mit dem wieder aufkeimenden rechten Gedankengut unserer heutigen Gesellschaft und wurde dem gleichnamigen Projekt des Künstlers Gunter Demnig gewidmet, das durch in den Asphalt eingearbeitete Gedenktafeln an das Schicksal vieler Menschen erinnert, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert oder vertrieben wurden: „Das sind die beiden Songs, weswegen Schulen wollen, dass ich Patenschaften übernehme oder Widmungen in ihre Jahrbücher schreibe. Diese Anfragen kommen jeden Tag. Es gab hunderte Videos von Menschen auf Instagram, die Stolpersteine putzen. Ich habe gemerkt, dass ich Menschen aus dem Herzen spreche, die das gleiche fühlen. Das bekräftigt mich.“

 

Er ist ein Zeitzeuge, der von seinen Erlebnissen berichten kann und diese reflektiert. Eigentlich würde er gerne nonpolitische Musik machen, doch die Zeit, in der wir leben, fordere Haltung. Haltung, Kreativität und Ehrgeiz sind Werte, die Trettmann und Sido über ihre komplette Karriere hinweg begleiten und ausmachen. So sagt Sido über Trettmann, dass dieser Deutschen Rap mit seinen beiden letzten Alben definitiv bereichert habe. Sido selbst wiederum trat mit Aggro Berlin eine Mauer für deutschen Rap ein und öffnete Grenzen, durch die ihm viele Mitstreiter folgen sollten. Für ihn ist klar, dass dies eine Errungenschaft vieler ist: „Da kommt nicht einer mit einer verrückten Idee und bricht eine Mauer durch. Es gibt eine ganze Vielzahl an Menschen, die denselben Gedanken haben. Aber dann gibt es den einen, der sich traut oder der es tut und die Mauer durchbricht. Und dann gehen viele durch.“
Deutscher Rap ist heutzutage im Mainstream angekommen und beeinflusst unsere Gesellschaft damit maßgeblich. Auch Sido und Trettmann sind sich einig, dass sie sicherlich nicht unbeteiligt daran sind. Jugendliche sind mit ihnen im Ohr zu Erwachsenen geworden. Sido sagt, dass er mit der Zeit erst lernen musste, dass ihm Menschen zuhören und seine Worte bei ihnen Gewicht haben. Das möchte er ab und zu nutzen, wenn er die Möglichkeit dazu habe. Trettmann pflichtet bei, dass Sido den Underdogs eine Stimme gegeben habe. Hip-Hop sei eine Musik der Unterschicht und „Mein Block“ sei einer der ersten Songs gewesen, die dieser Schicht eine Stimme gegeben haben.

„Wir hatten keine Möglichkeiten und haben es einfach gemacht. Ich habe eine sehr lange Karriere und ich versuche den Leuten immer zu sagen, warum ich das habe: weil ich fleißig bin und weil ich zu schätzen weiß, wo ich herkomme und was ich jetzt habe. Das ist vielleicht unsere Vorbildfunktion: Dass man nicht aufhören sollte, an seine Träume zu glauben und auch fleißig sein sollte. Es kommt dir nicht einfach alles zugeflogen.“ Sido

Trettmann stellt für Sido das Sprachrohr des Ostens dar. Für ihn hätte niemand anderes Songs wie „Grauer Beton“ oder „Stolpersteine“ so authentisch performen können. Das Interesse an Trettmann ist dieser Tage groß. Zeiten, in denen lediglich Rap-Magazine nach Statements von Tretti fragten, sind längst vorbei. Zum Jubiläum des Mauerfalls fragen auch die großen Medien und die Öffentlich-Rechtlichen nach einem Interview mit dem Wahl-Leipziger. Ihn selbst stört die Stilisierung zum Sprachrohr nicht. Er weist aber darauf hin, dass er Zeit brauchte, seine Erfahrungen überhaupt erst einordnen zu können. Damit prägt er auch neue Künstlergenerationen aus dem Osten: „Felix von Kraftklub und auch Testo von Zugezogen Maskulin sind eine Generation nach mir, die mit den Erfahrungen ihrer Elterngeneration groß geworden sind und sich jetzt Gehör verschaffen können. Selbst ich habe die Zeit gebraucht, zu reifen, das alles zu begreifen und benennen zu können. Wer wollte sich auch mit den Jammer-Ossis beschäftigen? Jetzt ist es wieder prekär durch den politischen Umschwung, über den man sich fragt, woher er kommt.“

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Auch für Sido gibt es aktuell wieder Mauern, die sich vielleicht nicht durch das Land, doch durch die Menschen ziehen. Für ihn ist klar, dass unserer Gesellschaft noch einige Kämpfe bevorstehen werden und er möchte sie an vorderster Front bestreiten. Eine Mauer bedeute für ihn immer, dass es zwei Fronten gibt, die nichts miteinander zu tun haben möchten. Sein Fazit ist so simpel wie richtig: „Es werden zwischen Menschen und Meinungen Unterschiede gemacht. Da ist das Problem. Warum kann man den anderen nicht einfach akzeptieren? Man muss keine Körperflüssigkeiten austauschen, sich nicht einmal nahe kommen, aber man muss den anderen nicht hassen, sondern respektieren.“

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