Sero: „Dieses Album sollte mehr knallen als alles andere“

Deutschrap liebt Promophasen.
Alben werden im Normalfall Monate im Voraus (..manchmal auch 17 Jahre im Voraus, wenn es sich um Real Geizt handelt) angekündigt. Es folgen Interviews, Videos,
und und und.
Nicht so mit Sero. Der Newcomer und jüngstes Four Music-Signing schmeißt alle Konventionen über Bord und veröffentlicht über Nacht sein Debütalbum „One and only“.
Auch für uns kam die Einladung zur Releaseparty entsprechend überraschend. Was natürlich nicht bedeuten soll, dass wir nicht dennoch vor Ort gewesen wären.
Mit Unterstützung von Vevo lud Sero also zur Geburtsstunde der Platte im kleinen Rahmen ein. Die Gelegenheit haben wir  genutzt und nicht nur Freigetränke, sondern auch direkt ein Zwischen den Zeilen Interview inklusive Fotoshooting mitgenommen.

 

Wie kam der Titel „One and only“ zustande und welche Bedeutung hat er?

Sero: Because i am the only one.

Aus welcher Ursprungsidee ist die Platte entstanden?

Sero: Ich wollte ein Album schaffen, das mehr knallt als alles, das bisher auf dem Markt ist. Es sollte übertrieben scheppern. Mir persönlich hat diese Musik gefehlt. Ich wollte diese Musik haben und habe sie mir deshalb selbst gemacht.

Welche Themen werden auf dem Album behandelt, wovon erzählst du konkret?

Sero: Es geht oft um Mythologie, viel um mich selbst und um meine Erhabenheit. Andererseits geht es auch um Herkunft und um Existenzangst. Es geht auch um viel Wut, stellenweise um Liebe. Das sind die großen Themen, die behandelt werden.

Wer zeigt sich für das Cover verantwortlich und welche Bedeutung hat es für dich?

Sero: Für mich war es ein Kindheitstraum, mit Adopekid zusammenzuarbeiten. Dementsprechend ist mir das Artwork sehr wichtig, weil es meinen Traum erfüllt. Egal, wie es ausgesehen hätte, ich hätte es gefeiert, weil ich ein Cover von Adopekid habe. Bei „One and only“ war es naheliegend, mich selbst auf das Cover zu bringen. Da es einen sehr düsteren Charakter zeichnet, dachte ich, genau das zeichnet die Stimmung des Albums. Die schwarz/ rote Farbthematik passt auch gut zum Album.

Welche Gimmicks sind in der Deluxebox enthalten und wieso hast du dich für diese entschieden?

Sero: Wir haben lange überlegt, keine Deluxebox zu machen. Wir haben aber so ein geiles holy Design und außerdem haben wir so eine geile Platte. Die Vinyl ist durchsichtig rot und so sexy. Die Vinyl war mir selbst sehr wichtig, weil der Klang einfach noch einmal anders ist. Dazu haben wir ein Shirt in die Box gepackt, weil es geil aussieht. Es war übrigens ein ganz krasses Gefühl, die Platte zum ersten Mal in der Hand zu halten.

Wer hat das Album produziert und wie lief der Produktionsprozess ab?

Sero: Ich habe keine Beats gepickt und ich habe viel mitgewirkt. Die Produzenten des Albums waren die Jungs von Dope est Dope, das sind meine Brüder, mit denen habe ich angefangen und wir haben jahrelang zusammen im Studiokeller gesessen und uns weiterentwickelt. Für die Albumproduktion habe ich mir noch Alexis Troy als executive Producer dazu geholt, weil er wahnsinnig schnell und gut versteht, was ich will. Er denkt auf dieselbe merkwürdige Art anders. Zwei Songs habe ich noch mit Alex Lys gemacht und einen Song mit DJ Ilan.

In welchen Studios ist die Platte entstanden?

Sero: Den Großteil habe ich bei Alexis Troy in Düsseldorf recordet, wunderschönes Studio. Da gibt’s große Fenster und sehr viel Licht, das mag ich. Wenn du den ganzen Tag über Musik sitzt und dann auch noch so düstere, wirst du verrückt, wenn du dann noch im Dunkeln sitzt. Die andere Hälfte habe ich bei Dope est Dope aufgenommen.

Das Album kommt fast vollständig ohne Featuregäste aus. Wieso hat es, mit Ausnahme von Avelina, niemand neben dir auf das Album geschafft?

Sero: Avelina ist eine sehr gute Freundin von mir, die mir eine Hook gesungen hat.
Tatsächlich fragen das sehr viele, was mich wundert. Gerade ein Debütalbum ist ja etwas sehr intimes. Da habe ich die Möglichkeit, mich zu entfalten und ich wollte erstmal meinen Style in Stein meißeln, bevor ich ich mir andere Styles dazu hole. Ich wollte, dass dieses Album ein geschlossenes Ding ist. Es hat einfach besser funktioniert, indem ich’s allein gemacht habe.

Wer oder was hat dich für dieses Album in welcher Weise inspiriert?

Sero: Es gibt nichts konkretes. Ich versuche, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und alle Eindrücke mitzunehmen. Allerdings gibt es keine expliziten Sachen, von denen ich behaupten könnte, das ist meine Hauptinspirationsquelle.

 

Was tust du, um eine Schreibblockade zu überwinden?

Sero: Ich habe Tage, an denen schreibe ich besser und effektiver als an anderen, aber Schreibblockaden hatte ich noch nie. Das war ganz merkwürdig: Als ich gesignt wurde, hatte ich schon superviele Songs geschrieben. Dann wollte ich ins Studio fahren und die aufnehmen, habe mich dann aber doch dazu entschieden, einfach etwas komplett neues zu machen. Da gibt es also genug Munition für die nächsten Jahre.

Wessen Meinung ist dir während eines Albumprozesses wichtig und wieso?

 

Sero: Ins Studio durfte niemand mit. Ich finde, wenn du im Studio bist und eine Person dabei hast, die nicht im Prozess involviert ist, performst du automatisch für die Leute mit. Es ist nicht so, dass ich da mit meinen Jungs bin und wir machen Party. Wir arbeiten schon sehr konzentriert. Daher war ich immer mit den Produzenten alleine. Feedback ist mir aber schon sehr wichtig. Natürlich habe ich viel mit Michael Stockum (Labelchef Four Music, Anm. d. Vf.) geredet und mir sein Feedback geholt. Auch mein Manager hat langjährige Erfahrung und hat mir viel Feedback gegeben, allerdings habe ich mich davon nicht so beeinflussen lassen.

Ich gehe immer zu den Leuten und frage Dinge wie: Fühlst du eher rot oder fühlst du eher blau?

Das heißt, ich habe eher konkrete Fragen, die ich beantwortet haben will und hole mir so gezieltes Feedback ab. Für alles andere bin ich auch viel zu antiautoritär.

Über welches Album erscheint die Platte und was steckt hinter der Entscheidung, mit diesem Label zusammenzuarbeiten?

Sero: Das Album erscheint über Four Music. Ich kann nicht sagen, was Four Music besser als andere Labels macht, da ich nur mit denen arbeite. Ich bin dort wahnsinnig glücklich. Die haben mich gesignt, obwohl ich noch nie einen Song released habe und keine Fanbase hatte. Die gehen mit mir den harten Weg von Anfang an. Obwohl sie ein Majorlabel sind, lassen sie mir alle Freiheiten, die ich will. Allein dieser Kamikaze-Move, das Album jetzt einfach aus dem nichts zu veröffentlichen. Da herrscht unfassbares Vertrauen. Ich bin von ihrer Philosophie überzeugt und die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, was Four Music für ein erfolgreiches Label ist.

Gibt es eine Randanekdote, die du rund um das Album erzählen kannst?

Sero: Um Alexis kennenzulernen, bin ich nach Düsseldorf gefahren. Wir wollten Tracks machen, weshalb ich bereits Texte dabei hatte. Damals war ich sehr broke und bin Flixbus gefahren. Im Bus bin ich meine Texte noch einmal durchgegangen und habe solch eine krasse Panikattacke bekommen und war davon überzeugt, dass alles, was ich je geschrieben habe, schlecht ist. Auf der Busfahrt habe ich dann einen neuen Song geschrieben, damit ich noch etwas besseres habe. Am Tag, als wir uns kennengelernt haben, haben wir drei Songs aufgenommen. Anschließend bin ich nachhause gefahren und habe gedacht, dass es doch nicht so scheiße ist (lacht).

Welcher ist dein persönlicher Lieblingssong auf der Platte und was macht ihn zu diesem?

Sero: Das kann ich nicht sagen, das kommt auf die Situation an. Jeder Song hat seinen eigenen Charme.

Welche ist die beste Line auf der Platte und wieso?

Sero: Da müsste ich jetzt das Album von Anfang bis Ende durchrappen. Ich liebe „Sero Baby, Regenmacher“ und ich mag die Hook von „Sushi“ wirklich gern. Das gefällt mir sehr gut, was ich da geschrieben habe (lacht). Außerdem mag ich die „Mera Mera no Mi“-Line sehr gern. Die verstehen nicht viele, aber diejenigen, die sie verstehen, feiern mich übertrieben dafür und das freut mich zu sehen. Das ist ein kleines Geheimnis, das die Leute, die sie verstehen, und ich miteinander teilen.

Welche Auswirkungen hat diese Platte auf künftige Releases? Hat sie dir bereits Inspiration für kommende Projekte geliefert?

Sero: Definitiv! Abläufe sind etwas, das ich gelernt habe. Immerhin habe ich in den letzten sechs Monaten alles zum ersten Mal gemacht: Ich habe das erste Video gedreht, ich habe das erste Mal live gespielt, ich habe die ersten Interviews gegeben und ich bin zum ersten Mal seit Jahrzehnten überhaupt aus Berlin raus gefahren. Dementsprechend habe ich jetzt wesentlich mehr Einblick,wie diese Branche funktioniert und wie man Dinge organisatorisch handhaben kann. Dann habe ich natürlich gelernt, wie es sich mit Feedback verhält und raptechnisch habe ich mich auch weiterentwickelt.

Welche Relevanz haben die Charts für dich?

Sero: Natürlich ist der finanzielle Aspekt immer da. Meinem Label und mir ist aber auch völlig klar, dass ich ein Newcomer bin. Ich erwarte keine Einser-Chartplatzierung. Ich gönne jedem Künstler, dass er hoch chartet, seinen Lebensunterhalt gut verdient und sich eine Villa bauen kann. Wenn jeder Künstler aber die Chartplatzierung postet, wird das Album oft darauf reduziert und das will ich nicht.

Dieses Album ist wesentlich mehr als ein Platz in den Charts.

Für mich ist es Herzblut und mir ist egal, wie es chartet. Menschen hören dieses Album, ich kriege Feedback und vielen Menschen gibt dieses Album etwas. Das ist, was für mich sehr schön ist.

Welche Zielgruppe soll dieses Album ansprechen?

Sero: Alle schönen Frauen.

Was wird die Hörer an der Platte überraschen? Womit rechnet man zunächst nicht?

Sero: Die Singles, die man von mir kennt, hatten eine krasse Hau-drauf-Attitüde. Dort war ich sehr unnahbar und habe die Leute nicht an mich rangelassen. Gegen Ende des Albums öffne ich mich den Hörern und die Platte wird ruhiger. Ich glaube, das ist etwas, das man so nicht erwartet hätte.

Wie sieht’s live aus? Spielst du diesen Sommer Festivals und ist bereits eine Tour zum Album geplant?

Sero: Festivals spielen wir auf jeden Fall, eine Tour ist noch nicht geplant. Sobald die Möglichkeit da ist, natürlich sehr gerne – ich habe mega Bock drauf!

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