Sepalot: „Hip-Hop ist ja wahnsinnig spießig geworden die letzten Jahre.“

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Sepalot ist den meisten wahrscheinlich als DJ des Blumentopf-Kollektivs ein Begriff, doch auch solo ist er bereits seit mehreren Jahren erfolgreich aktiv. Nachdem sein letztes Album „Black Sky“ relativ melancholisch und rockig anmutete, lässt es Sepalot nun wieder etwas entspannter und elektronischer zugehen. Mit dem ersten Teil seines Zweiteilers „Hide & Seek“ liefert der Mann aus München einen passenden Soundtrack zum Frühling. Wir haben uns den gebürtigen Münchener geschnappt und mit ihm ein wenig über „Hide &“ geplaudert.
 
 
 

Dein aktuelles Album ist als Zweiteiler angedacht, inwiefern wird der zweite Teil mit dem Ersten verknüpft sein und warum die Entscheidung einen Zweiteiler zu kreieren?

Sepalot: Zweiteiler aus dem Grund, weil es mir Spaß macht, mich über einen längeren Zeitraum einer bestimmten „Vision“ oder einem Gebilde zu widmen. Ich vermeide dabei bewusst den Ausdruck „Album“, weil ich diese Albumstruktur eigentlich aufbrechen möchte und unabhängig davon eine längere Periode einem inhaltlich „roten Faden“ folgen möchte. Ein weiterer Grund ist, dass ich nicht alles, was ich zu dem Gebilde produziert habe, auf ein Album klatschen möchte, sondern lieber noch mal etwas Zeit verstreichen lasse um quasi eine Antwort auf das aktuelle Album zu liefern.

Heißt das, dass die Tracks für den zweiten Teil schon im Kasten sind oder dauert die Schaffensphase noch an?

Sepalot: Das Grundgerüst steht auf jeden Fall schon, aber fertig ist der zweite Teil noch nicht.

Du hast es bereits angesprochen: Deine Alben klingen mitunter sehr unterschiedlich. Willst du bewusst für jedes Album einen bestimmten Stil ausprobieren oder passiert das eher spontan?

Sepalot: Das breche ich jetzt nicht übers Knie, sondern das beginnt an sich schon vor der Albumphase. Dann fange ich bereits an „Layouts“ zu kreieren ohne mir groß darüber Gedanken zu machen, ob es beispielsweise im Club funktioniert oder radiotauglich ist. Ich arbeite eher recht schnell und ohne große Hintergedanken daran, bis das Gefühl kommt: „Jetzt habe ich wieder Lust ein Album zu machen“. Dann höre ich mir alles, was ich die letzten Monate so produziert habe, wieder in Ruhe an. Anschließend fängst du an zu filtern und auszusortieren, sodass der Rest den Rahmen vorgibt in dem das Album stattfindet.

Du bastelst also an den passenden Layouts weiter und beginnst nicht mit etwas Neuem in dem passenden Stil?

Sepalot: Nein, ich verwende schon die Layouts und arbeite an diesen weiter. Natürlich entstehen dabei automatische gänzlich neue Sachen, aber die Layouts sind schon der „Blueprint“, den man unbewusst geschaffen hat. Das ist glaube ich auch ganz wichtig, dass diese Initialzündung ganz losgelöst vom Kopf entsteht.

Ich stelle es mir allerdings schwer vor nach einer längeren Zeit wieder in das Grundgerüst reinzufinden und daran weiterzubasteln.

Sepalot: Ich finde das super, da die Kernidee so oder so in den ersten 15 Minuten fällt. Und während dieser Zeit sollte es bereits hörbar sein. Für mich ist es dann praktisch nach einer gewissen Zeit die Sachen anzuhören und zu trennen was gut und was schlecht ist. Ich bin eher schlecht darin während des Schaffens einzuschätzen was wirklich brauchbar ist. Das geht glaube ich vielen kreativ Arbeitenden so: Am einen Tag denken sie „Das ist wirklich geil“ und am nächsten Tag hören Sie es nochmal und fragen sich was daran jetzt so geil gewesen sein soll (lacht). Und daher ist der Abstand wirklich gut für mich. 

Du lässt aber keinen Dritten abschließend darüber urteilen um deinen Tunnelblick zu umgehen?

Sepalot: Den Tunnelblick versuche ich ja durch die beschriebene Vorgehensweise zu umgehen. Aber trotzdem lasse ich auch andere Leute reinhören. Das ist aus zweierlei Hinsicht auch sehr interessant: Zum Einen hört man seine eigenen Sachen immer etwas anders, weil man sich in den Zuhörer versetzt und bestimmte Details, die man vorher abgefeiert hat, fallen einem nicht mehr so auf, eben weil der Zuhörer sie nicht registriert. Zum anderen fühle ich mich oft auch bestätigt, wenn mein Gegenüber bestimmte Dinge nicht registriert. Das ist dann völlig okay, zeigt mir aber, ob ich auf dem richtigen Weg bin (lacht).

Dein Cover bat vor kurzem den Anreiz zu einem Gewinnspiel. Deine Fans sollten sich eine passende Geschichte dazu ausdenken. Gibt es eine „echte“ Geschichte zum Cover, beziehungsweise Interpretation.

Sepalot: Die Interpretation sollte meines Erachtens beim Betrachter bleiben. Ich war total geflasht was für wahnsinnige Geschichten dabei herauskamen. Das Foto selbst stammt von einem Fotografen aus Paris für den ich mal ein paar Sachen gemacht habe.

„Am einen Tag denken sie „Das ist wirklich geil“ und am nächsten Tag hören Sie es nochmal und fragen sich was daran jetzt so geil gewesen sein soll.“

Das Foto wurde also nicht speziell für das Album konstruiert?

Sepalot: Nein, das Foto gab es bereits. Ich meinte nur: „Das Bild ist es, das will ich für das Album haben.“ Ich mochte einfach dieses Bild und in meinem Kopf haben Sound und Stimmung sehr gut zum Album gepasst.

Hard Rain“ soll als „Metapher“ zum Bombenhagel im zweiten Weltkrieg dienen. Hast du bestimmte Geschichten im Kopf, wenn du an einem Beat bastelst und vermisst du hier und dann den Rapper, der diese Geschichte auch klar rüber bringt?

Sepalot: Also eine fertige Geschichte habe ich jetzt nie im Kopf und ich weiß auch nicht ob das überhaupt jemand hat, wenn man so ein Stück Musik macht (lacht). Was ich allerdings schon im Kopf habe, ist ein bestimmtes Gefühl oder eine Emotion, wobei natürlich jeder wieder was andere hinein interpretiert. Aber mir ist immer schon immer recht früh klar, was für ein Vibe ein bestimmtes Stück haben muss.

Hast du das Thema des zweiten Weltkrieges bewusst gewählt, auch im Bezug auf die Geschehnisse in der Welt gerade?

Sepalot: Es ist jetzt nicht so, dass man sich hinsetzt und darüber nachdenkt was in dieser Zeit passiert, über was man reden müsste. Es ist wahrscheinlich vielmehr umgekehrt, dass einen das Zeitgeschehen unterbewusst packt und man das dann verarbeitet. Man ist da in gewisser Weise eine Art Katalysator von dem was um einen herum passiert. Und du hast vorhin gefragt, ob ich manchmal einen Vokalisten vermisse, der die Geschichte quasi zu Ende erzählt. Ich genieße es gerade sehr sparsam mit Vocals umzugehen, weil ich es liebe wenn Kunst nicht alle Fragen beantwortet, sondern eher welche aufwirft. Und ich finde ein Instrumental, das eine bestimmt Emotion auslöst, aber nicht genau erklärt wieso, viel spannender als ein Vocalist ist, der ganz klar sagt um was es geht. Für mich als Hörer ist es viel spannender wenn ich noch Platz habe meine eigene Geschichte darin zu finden.

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Daniel hat seine Ausbildung im Büro der Schädlingsbekämpfung gemacht und anschließend Informationswissenschaft studiert. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Rap4Fame ist er bei der Backspin gelandet und hilft seit 2011 als freier Mitarbeiter aus.

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