Schuster bleib bei deinen Leisten? Wenn Nicht-Rapper rappen

Jan Böhmermann und Dendemann erzählen “eine deutsche Rapgeschichte”

Mit wie viel Liebe zum Detail und Respekt vor der Kultur man die Thematik angehen kann, zeigt uns „Eine deutsche Rapgeschichte“ von Jan Böhmermann. Der Polizistensohn liefert uns einen schönen Überblick der letzten 25 Jahre. Dass er mit Dendemann einen Fachmann zur Seite stehen hat, der sich fast seit Tag Eins in diesen Gefilden bewegt, kommt ihm natürlich zu Gute. Wie hoch der Aufwand ist, sich durch ganz Rapdeutschland zu hören, die Wichtigsten auszuwählen, die Texte auswendig zu lernen und eine zwölfminütige Liveperformance gemeinsam mit Band einzuüben, kann man sich vorstellen. Und die Arbeit hat sich gelohnt. Der Moderator und der Rapper harmonieren in ihrem Wechselspiel perfekt miteinander und die Freie Radikale leistet auch ihren Beitrag zu dieser großartigen Darbietung, welche das Orignal von Jimmy Fallon und Justin Timberlake in den Schatten stellt. Auch die Skypekonferenz, bei der gestandene Rapper wie Curse, Jan Delay oder Samy Deluxe Hits ihrer Kollegen zum Besten geben, sollte hier nicht unerwähnt bleiben. Ganz nebenbei zeigt uns Böhmi noch seine Skills und rappt eine Doubletimepassage aus Kollegahs „AKs im Wandschrank“ fast besser als der Boss selbst. 

 

Joko macht sich zum Horst

Wer Circus Halligalli kennt, weiß die Rollen sind klar verteilt: Klaas Heufer-Umlauf spielt den „unsympathischen“ Pragmaten, der seinen Kollegen gerne blamiert und Joko Winterscheidt den liebenswürdigen Trottel mit dem penetranten Organ. Dass ihr Format „Bitte ein Beat“ Rap eine Plattform im Fernsehen bietet, klingt erst mal gut. Die Beiden laden sich einen prominenten Gast ein und führen ein Interview, bei dem das Frage-Antwort-Spiel über bekannte Instrumentals gefreestylet wird. So weit so gut. Auf welchem Niveau dies abläuft, zeigt uns die „Deluxe“ Version mit Marteria. Im Einspieler werden Thesaurus Rex und MC Rentna Plauzee vorgestellt. Ersterer trägt Hoodie, Goldkette und Mütze, während sein Kontrahent sich mit Grillz, blonden Zöpfen sowie Sonnenbrille schmückt und, wie Rapper das nun mal machen, dabbt und Geld durch die Gegend wirft. Wer sich hinter welcher unlustigen Parodie versteckt, dürft ihr raten. Dann beginnt erst der richtige Rapteil und um dem Kasperletheater die Krone aufzusetzen, steht Reinigungskraft Sabine an den Decks und streichelt die Platten. Das Traurigste ist, dass Marten den ganzen Klamauk mitmacht. Dazu hat er in der Hotbox mit Marvin Game Stellung bezogen und erklärt, dass die beiden Moderatoren rapaffin seien, worin er den Unterschied zu anderen Parodien sieht. Zugegeben, Klaas gibt sich wenigstens Mühe und liefert einen passablen Freestyle ab. Jedoch bleibt am Ehesten im Kopf hängen, wie Joachim seinem Namen alle Ehre und sich für die Leute zum Clown macht. Statt zu versuchen etwas halbwegs Ordentliches abzuliefern, ist er nur daran interessiert, seine Unsicherheit mit nervigem Lachen zu überspielen.

Einen von K.I.Z. produzierten Disstrack könnt ihr euch auf Seite 3 anschauen

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Hanfosan

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Erzähl Digger, erzähl

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