Schuster bleib bei deinen Leisten? Wenn Nicht-Rapper rappen

Vor kurzem haben Mine und Fatoni ihr gemeinsames Album „Alle Liebe nachträglich“ veröffentlicht. Auf dem letzten Song rappt die Sängerin auch zwei Strophen und das sogar recht gut. Dass dies nicht selbstverständlich ist, zeigen einige Beispiele der Vergangenheit. Wir haben uns ein paar deutsche Nicht-Rapper, die sich an Sprechgesang ausprobieren, angehört und präsentieren euch die positiven sowie negativen Ausreißer. Beginnen wir mit dem bereits erwähnten Track.

 

Mine auf Abwegen

Hier tauschen die beiden Musiker die Rollen. Fatoni singt die Hook und Mine rappt die Parts. Ersteres ist jedoch in diesem Artikel nebensächlich. Wir kümmern uns um den Rap der jungen Dame aus Mainz. Natürlich hört man, dass sie hauptberuflich keine Rapperin ist, aber jeder, der selbst schon einmal versucht hat zu Rappen, weiß wie schwierig und wack die ersten Gehversuche sind. Sie rappt mehr als passabel und hat sogar noch ordentliche bis gute Reime am Start. Im Gegensatz zu einigen gestandenen Rappen, kann man auch noch dem Text von „Erdbeeren ohne Grenzen“ etwas abgewinnen. Ist der erste Part eine Hasstirade auf die Musikindustrie, so behandelt der zweite unser Konsumverhalten im Bezug auf den Import außersaisonaler Lebensmittel. Und wer jetzt skeptisch ist, ob Mine ihren Text selbst geschrieben hat, der schaut sich das DIFFUS Interview zum Album an, in dem die Beiden uns erzählen, dass die zwei 16er aus ihrer Feder stammen.

 

Carolin Kebekus und Serdar Somuncu spielen Gangster

Fremdscham empfindet man hingegen bei dem Projekt „Ghetto Kabarett“ von Carolin Kebekus mit Features von Fifty Sven, Serdar Somuncu aka Scheiß-T und MC Rene. Es fängt schon bei den „witzigen“ Namen an, die auf bekannte Rapper anspielen sollen, wobei dies eher Level Grundschulhumor ist. Man kann schon erahnen in welche Richtung es geht. Gangstarap wird so durch den Kakao gezogen, dass sich Mutti und Vati gepflegt über diese „lächerlichen Prolls“ lustig machen, „Yoyoyo ich ficke dich“ rufen und seltsame Handbewegungen zum Besten geben können. Hierfür ziehen sich die drei Hauptprotagonisten „Asi“ Klamotten in Form von Jogginganzügen, Goldketten und schief getragenen Mützen an. Ob eine solch stark überspitzte Darstellung noch zeitgemäß ist, sei mal dahingestellt. Abgerundet wird das Ganze durch verstellte Stimmen und schlecht imitierten ausländischem Akzent, womit sie wahrscheinlich verdeutlichen wollen, wie schlecht sich Rapper angeblich ausdrücken können. Leider wird sie bei dieser billigen Art der Parodie noch von einem „richtigen“ Rapper unterstützt. MC Rene trägt auch seinen Teil bei, was möglicherweise der gemeinsamen Labelheimat Improversum geschuldet ist. Fairerweise muss man noch ihr Battle gegen Favorite erwähnen. Hier verzichtet sie auf oben genannte Peinlichkeiten und rappt einfach 16 solide Zeilen, doch Favorite bringt in diesem Kontext das ganze Theater um Kebekus’ und ihre Mitstreiter mit zwei Lines auf den Punkt: „Dein Rap ist nicht witzig. Du kannst das nicht. Die Homies lachen nur aus Anstand mit.“

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1 Comment

  1. Tobias

    19. November 2017 at 14:59

    Peinlich ist eher der Mangel an Humor und Verständnis von dem Halbstarken Autor, der sich offensichtlich bedroht oder angegriffen fühlt von Kebekus und Co. Entspann dich und geniesse die Show. Wahrscheinlich gehörst du aber auch zu den Leuten, die Farid Bang den Rücken gedeckt haben, als er sich in dem bekannten Video zum Affen gemacht hat „Frauen sind auch…. Menschen“ etc

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