Schote: „Entweder du machst gute Mucke, oder du hältst deine Fresse!“

Ab geht die Lutzi! Acht Jahre nach der ersten EP „Spektralinferno“, damals noch ein Geheimtipp im Karlsruher Untergrund, setzten Schote und Enaka zum Schuss an. Dank Erfolgen im VBT und einem zweiten Platz beim Newcomer-Contest #MOT auch überregional auf der Karte geladet, kam der Karlsruher in 2015 gemeinsam mit seinem Producer bei den Heilbronnern von WSP unter und visierte mit der EP „Neue Bars Sued“ bereits an. Rund eineinhalb Jahre später steht mit „Schuss“ jetzt das erste große Album in den Regalen. Stilistisch hat sich darauf nicht viel verändert, noch immer huldigt Schote mit seinem schnörkeligen Battlerap den alten Berliner Helden, untermauert wird das von „Boom-Trap“ aus der Feder von Enaka. Wir haben uns mit Schote zum Release unter anderem über Wie-Vergleiche, Rap im Rentneralter und Karlsruhe unterhalten.

Schote

 

Du machst seit deinen Anfängen Musik zusammen mit Enaka, lange ist eure Musik in der WG entstanden. Wie hat sich die Zusammenarbeit verändert, seit das Studio nicht mehr im Nebenzimmer ist?
Wie du schon sagst, es hat sich erstmal örtlich verändert. Wir haben jetzt ein richtiges Studio und müssen nicht mehr in der Wohnung aufnehmen. Dadurch hat man gleich eine ganz andere Arbeitsatmosphäre. Wir haben hier auch kein Internet, also kannst du dich da nicht so leicht ablenken lassen.

Wird Musik dadurch vom Hobby zur Vorsatzarbeit?
Ja, voll. Das hat sich auch mit der Labelsituation geändert. Wenn ein bestimmter Druck da ist, dann hat man das Gefühl, etwas machen zu müssen. Es geht nicht nur noch um Bock. Man muss aber aufpassen, dass Musik nicht zur Arbeit wird. Es muss sich immer die Waage halten. Wenn jemand keinen Bock hat und trotzdem Arbeiten muss, hört man das.

Du rappst auf dem Intro „Wenn du nur einen Schuss hast, dann nutz ihn.“ Auf was für einem Stand würdest du deine Karriere einordnen?
Ich würd’ noch gar nicht Karriere dazu sagen. Wir machen Mucke und hoffen, dass wir irgendwann chillig davon leben können. Und das ist jetzt das erste Album, das auch von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen und besprochen wurde. Da war es uns wichtig, dass es ballert, dass wir den einen Schuss nutzen.

Die Entscheidung, nicht weiterzustudieren hast du damit begründet, dass du dich nicht dein Leben lang in diesem Job siehst. Als Rapper schon?
Ich habe immer gesagt, ich will mal Grönemeyer-Mucke machen. Vielleicht läuft es darauf hinaus. Man kann sich ja noch nicht vorstellen, wie Rapper mit 60 sind, sowas gibt’s ja einfach noch nicht. Ich mein, wie alt ist KRS-One?

Der dürfte in seinen 50ern sein…
Siehst du? Der ist ja schon einer der ältesten, die noch rappen. Es wird spannend, was Savas mit 60 macht. Wenn der dann noch cool ist, rapp ich mit 60 auch noch. Man weiß halt noch nicht, wo das hinführt:

„Wie macht man Rapmusik, wenn man alt ist?“

Du hast als Trompeter und Sohn einer Musikerfamilie ja eine gewisse musikalische Basis, da kann es ja auch ganz woanders hingehen.
Krass, woher weißt du das denn? Ja, ich bin einfach mit Musik aufgewachsen. Meinen Eltern war es wichtig, dass ich eine klassische musikalische Ausbildung mache, weil Musiker immer der Meinung sind, dass Musik alles heilen kann. Musik macht einen besseren Menschen.
(lacht)

Gäbs denn einen Plan B?
Naja, ich habe mein Studium zwar abgebrochen, aber ich habe nur kein Diplom. Ich kann das, was ich dort gelernt habe ja. Wenn es hart auf hart kommt, dann mache ich meine eigene Agentur auf und fick die Welt mit Grafik. (lacht) Aber ich würde auch jeden anderen Job machen, solange ich nebenher locker Mucke machen kann.

Apropos Grafik: Kümmerst du dich bei deinen Releases selbst ums Artwork?
Schwieriges Thema. Für sich selbst Grafiken zu machen ist oft komisch, weil man denkt, jemand anders hätte das vielleicht besser gemacht. Das neue Cover war zwar meine Idee, aber gestaltet wurde es von anderen. „Neue Bars Sued“ habe ich noch selber gemacht, aber das ist spontan aus der Not heraus passiert. Ich gebe es lieber aus der Hand, weil sowas sonst nie fertig
wird. Ich denk dann: ‚Ahh, das geht noch besser‘.

 

 

Curly hat sich vor einiger Zeit entschieden, nach Berlin zu gehen, ihr seid in Karlsruhe geblieben. Ist das Heimatliebe, oder hat Karlsruhe auch einen Einfluss auf das Musikmachen?
Es ist uns schon klar, dass man als Musiker in Berlin ein viel größeres Netzwerk hat und viel schneller Kontakte knüpfen kann. Aber wenn jeder in Berlin wohnen würde, würde doch auch so eine Einheitlichkeit im Sound entstehen. Früher hatte man noch den charakteristischen Sound für Hamburg, den für Stuttgart und so weiter. Es ist uns schon wichtig, dass wir unsere Stadt da so ein bisschen representen. Boah, das klingt jetzt aber schon arg Hip-Hop… (lacht)
Aber ich glaube schon, dass man in Karlsruhe andere Musik macht, als in Berlin zum Beispiel. In Berlin würde ich mich auch in der Hip-Hop-Ausgeh-Szene verlieren, weil es da einfach so ein großes Angebot gibt. Hier bin ich abends halt im Studio.

Wieso sagt man dir denn, dass dein Sound besser zu Leipzig passen würde?
In Leipzig sind alle so künstlerisch frei und Karlsruhe ist schon eine Beamtenstadt. Ich pass’ mit meinem Lifestyle eigentlich nicht in eine Beamtenstadt.

Du bist durchs Internet bekannt geworden, hast deine Karriere aber auf der Bühne und mit Freestyles begonnen. Wie beurteilst du den Durchbruch vieler junger Rapper, die komplett im Internet gestartet haben?
Denen fehlt Live-Erfahrung. Wenn du im Internet bekannt wirst und noch nie vor Publikum gerappt hat, bist du auf der Bühne überfordert. Die Leute merken dann schnell, dass es nicht so geil klingt, wie im Studio. Gerade, wenn du mit Freestyles anfängst, bist ein ausgebildeter MC, wenn man so will. Jemand, der nur Internetsongs macht, der ist verloren, wenn er aus dem Text kommt. Ein richtiger Rapper macht dann einen Freestyle. Auch als Rapper musst du lernen und wenn du nur hoffst, das deine Sachen geliked und geteilt werden, hast du ein Problem, wenn Leute sehen wollen, was du kannst. …außer du bist ein Naturtalent.

Ist ein Live-Battle z.B. bei DLTLLY für dich dann sowas wie Training? Und warum sieht man dich dort so selten?
Wenn das zeitlich nicht so aufwändig wäre, würde ich das viel öfter machen. Ich bin extrem Fan von diesem Acapella-Ding, grade bei Don’t let the Label label you. Ich bin da schon ein Junkie, was sowas angeht, ich kenne echt jedes Battle. Und wenn man etwas geil findet, will man da mitmachen. Aber sowas schluckt extrem viel Zeit. Wenn du es gut machen willst, brauchst du einen Monat zum Schreiben und auswendig lernen. Im Vergleich zu den Meisten, die dort battlen hat bei uns auch Musik eine Priorität. Mein jetziger Gegner z.B. hat nur einen einzigen Song gemacht, dann hast einfach du mehr Zeit für Battles.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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