Schatten und Helden: “Als wir mit Azad auf der Bühne standen, war das schon ein sehr emotionaler Moment.”

Hauptsächlich produziert ihr fleißig eigene Musik. Wie sieht eine typische Schatten und Helden Studiosession aus? Habt ihr eine bestimmte Vorgehensweise beim Kreieren eurer Musik? Wie funktioniert eure Zusammenarbeit?

Schatten und Helden: Es gibt keine „typische“ Studiosession. Jede Session hat ihre eigene Magie und ihre eigenen Hindernisse. Manchmal ist da zuerst eine Melodie oder eine Akkordfolge, die einen Funken entfacht, wodurch dann ein Song in einem Rutsch entstehen kann. Und manchmal ist da eine Textidee oder ein Thema, welches wir darstellen möchten. Entscheidend ist die momentane Verfassung, der aktuelle emotionale Zustand, in dem wir uns befinden. Das gegenwärtige Gefühl bestimmt, was für eine Idee entsteht, aus der im Zuge der Arbeit ein Song entsteht. Vom Gefühl her ist das gleichzusetzen mit einem Eintrag in ein Tagebuch. Wenn der Song fertig geschrieben ist, gehen wir dann technisch an die Sache heran, arbeiten Details heraus und kümmern uns um den Sound.

“Jede Session hat ihre eigene Magie und ihre eigenen Hindernisse.”

Im letzten Jahr erschien eure Maxi „Hgwrts“ auf Vinyl. Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Wolfpack gekommen und was stellen die Harry Potter-Bezüge dar?

Schatten und Helden: Wolfpack wurde aufmerksam auf uns als wir angefangen haben auf YouTube die Cover hochzuladen. Sie sind von Anfang an begeistert von uns gewesen und haben uns direkt eine Zusammenarbeit angeboten. „Hgwrts“ steht sinnbildlich für das Kind in uns. In einer Welt, die trotz sozialer Medien zunehmend anonymer wird und in der sich die Menschen durch Selbstdarstellung ihre glänzende Fassade aufbauen, um von ihren eigenen Fehlern abzulenken, unterdrückt man sehr oft das Kind in sich, welches manchmal einfach gerne losrennen, sich beim Stolpern die Knie verletzt und trotzdem weiter rennen möchte. Wir alle haben viel zu viel Angst davor, was der neben uns oder der hinter dem Bildschirm von uns denken könnte, sodass wir zu selten auf unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse hören oder auch einfach mal etwas wagen wollen.

In euren Texten seid ihr durchaus sozialkritisch, im kleineren Kontext auf die Szene bezogen und im größeren Stil auf die Gesellschaft. Welche gesellschaftlichen Entwicklungen generell stimmen euch so nachdenklich und was stört euch an der Szene?

Schatten und Helden: Im Grunde genau das, was wir in der obigen Frage zu „Hgwrts“ schon beschrieben haben. Diese Fassadenwelt, in der Oberflächlichkeiten wichtiger erscheinen als echte, tiefe und zwischenmenschliche Verbundenheit. Dass es vielen Menschen wichtiger ist, wie sie aussehen als wie sie sich fühlen. Dies kann man sowohl auf die Szene als auch auf die Gesellschaft allgemein beziehen.

“Die Musik selbst sorgt für die Motivation und Leidenschaft.”

Ihr hattet in letzter Zeit eine Reihe von Live-Auftritten. Welche Aspekte sorgen für die Motivation und Leidenschaft hinter der Musik, einerseits im Studio und andererseits live vor dem Publikum?

Schatten und Helden: Die Musik selbst sorgt für die Motivation und Leidenschaft, sowohl im Studio als auch live vor Publikum. Aber natürlich unterscheiden sich die beiden Dinge grundlegend voneinander. Live kommt eine ganz andere Energie und Magie rüber als im Studio. Während man im Studio, in einem sehr persönlichen Umfeld kaum angreifbar ist, präsentiert man live vor vielen Menschen sein Innerstes – das ist manchmal schon hart, man weiß ja nie, wie das Gegenüber reagiert. Allerdings gibt es dann wiederum unbezahlbare Momente, wenn man Menschen bei Songs weinen sieht, weil man weiß: man ist nicht allein damit.

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Moin, ich bin Freddy aus der besten Vorstadt Berlins: Bernau. Rapliebhaber, Fussballfanatiker, Sneakerfreak. Immer unterwegs durch die weitläufige Medienlandschaft. Jetzt bei BACKSPIN. #WKM$N$HG?

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