Samson Jones: „Wenn ich eine Platte mache, auf die ich keinen Bock habe, wäre ich einen künstlerischen Dreck wert.“

Acht lange Jahre lang war Samson Jones von der Bildfläche verschwunden. Einigen ist er vielleicht noch besser unter dem Namen Jonesmann bekannt. Private Probleme haben ihn ausgebremst und Musik unmöglich gemacht. Nun ist er mit „Angekommen“ bereit, wieder Fuß im Musikgeschäft zu fassen. Bezüglich seiner neuen Labelheimat bleibt der Frankfurter seiner Stadt treu und veröffentlichte sein neues Album am 15.04. über Vegas neuem Label „Über die Grenze“. Genug Gründe um den 37 jährigen zum Gespräch mit der BACKSPIN zu bitten.

Man merkt schon jetzt nach den ersten Interviews, gerade in den Kommentaren, dass es viele positive Resonanzen auf dein Comeback gibt. Haben dich während deiner Auszeit viele Nachrichten mit der Bitte wieder anzufangen erreicht?

Samson Jones: Ich habe immer mal wieder Mails bekommen, aber es ist alles ein wenig eingeschlafen, da ich lange nichts gemacht habe. Natürlich habe ich von Freunden immer wieder gehört „Ey, du musst rappen. Wo bleibt dein RnB-Album?“ Aber jetzt, wo das neue Album angekündigt wurde, auf dem ich beim Pop gelandet bin, worauf ich auch immer Bock hatte, ist die Resonanz riesig. Ich habe aus der Rap-Ecke ein bisschen mehr Hate erwartet als ich darüber nachgedacht habe, aber das ist ausgeblieben und ich freue mich mega darüber.

Du hattest mit „Fick dich“ einen guten Hype erwischt, warst mit Xavier Naidoo auf Tour, galtest als vielversprechender Hybrid aus Rap & Gesang. Was glaubst du, warum du acht Jahre später letztendlich nicht die Karriere hingelegt hast, die sich viele erhofft haben?

Samson Jones: Also nach „Echte Musik“, muss ich ehrlich sagen, war ich erst einmal geknickt. Das „S.J.“-Album davor hat auch schon nicht richtig funktioniert mit den RnB-Sachen, was ich mir nicht wirklich erklären kann. Ich bin heute aber auch überzeugt davon, dass Azad und Ich damals die falsche Single ausgewählt haben und damit schon der Weg nach unten begonnen hat. RnB gibt’s ja heute immer noch nicht so wirklich in Deutschland, aber die Kultur dafür ist ja auch einfach nicht vorhanden hier. Deshalb lässt es sich leicht erklären, dass es damals nicht so hingehauen hat. Am Ende von „Echte Musik“ habe ich noch eine RnB-EP gemacht, die auch nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt hatte. Danach bin ich durch die Erlebnisse und private Probleme in ein Loch gerutscht und hatte gar kein Bock mehr auf Business und Musik. Ich bin aber mega froh, dass ich da wieder rausgekommen bin und wieder zur Musik gefunden habe.

Ich bin heute aber auch überzeugt davon, dass Azad und Ich damals die falsche Single ausgewählt haben und damit schon der Weg nach unten begonnen hat.


Hattest du in der Zwischenzeit denn überhaupt nichts mit dem Musikgeschäft zu tun? Viele Leute schreiben ja im Hintergrund für andere.

Samson Jones: Nee, mir ging’s wirklich nicht gut. Bei mir ging gar nichts mehr. Ich konnte nicht einmal mehr Mucke machen, außer ab und an mal ein Feature. Irgendwann hatte ich dann auch mal ein Comebackversuch und wieder ein Comebackversuch, aber ich habe dann schnell gemerkt, dass ich dafür noch nicht ready war. Ich bin dann durch viel Arbeit an mir selbst wieder zur Mucke gekommen und das hat mir dann auch einfach gut getan. Es ging Schritt für Schritt nach vorne.

Wie kam denn der Kontakt mit Vega zustande, wenn du in der Zwischenzeit keine Berührungspunkte zur Musik hattest?

Samson Jones: 
Ich hatte immer noch mit Andreas Schnell Kontakt, der zusammen mit Vega das Label gegründet und „Echte Musik“ damals schon Promo- und Pressemäßig begleitet hat. In der Zeit als die beiden ihr Label gegründet haben, hat er mir dann angeboten mit mir zu arbeiten, wenn ich wieder was mache und wirklich an den Start komme. Dann hat’s zwei, drei Monate gedauert und wir waren startklar. Vega kannte ich jetzt nicht so richtig, wir waren cool, aber so richtig kamen wir über Andreas Schnell zusammen.

Nee, mir ging’s wirklich nicht gut. Bei mir ging gar nichts mehr. Ich konnte nicht einmal mehr Mucke machen […].

Ist’s ein Unterschied als Signing und nicht als Labelchef zu releasen?

Samson Jones: Das ist auf jeden Fall ein Unterschied, aber es ist cool für mich, sich ein wenig unterzuordnen und mit Leuten, die Plan haben, einen neuen Start zu wagen. Es ist cool, dass sie den Überblick haben, alles ein wenig führen und mir auch mal Ratschläge geben. Es ist natürlich schon etwas anderes, aber ich bin sehr glücklich, weil ich einfach kein Bock mehr auf das ganze Business habe. Ich will einfach Künstler sein und Mucke machen.

Niko hat im Gespräch mit Eko mal die These aufgestellt, dass Eko kein Geschäftsmann sei. Ist Samson Jones denn auch kein Geschäftsmann?

Samson Jones: Ich bin definitiv kein Geschäftsmann, das weiß ich. Auch damals als ich „Echte Musik“ gestartet habe, hatte ich von nichts ‘nen Plan und 20 Euro in der Tasche. Da habe ich schon nach drei, vier Wochen gemerkt, dass ich gar keine Ahnung hatte. Ich habe mir damals dann meinen Kumpel Chan zur Hilfe genommen, der sich da reingefuchst hat, sehr gut darin geworden ist und jetzt immer noch klasse Arbeit leistet. Ich bin einfach nur ein Künstler, der schreibt, singt, rappt und genau da muss ich auch bleiben.

Immerhin hast du einen gewissen Haftbefehl entdeckt.

Samson Jones: Natürliche checke ich andere Künstler ab und habe bei einigen das Gefühl, dass da was geht, aber Labelarbeit und das ganze Business drum herum – das sind nochmal fünf Schritte mehr. Künstler abzuchecken und zu sagen: „Hey, das kann was werden“ – das habe ich natürlich schon in mir. Aber in allem anderen was dazugehört, da war ich nie gut drin.

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