Sadi Gent „Mintgold” (Review)

sadigentmintgold_505Mit Mintgold bringt Sadi Gent nicht nur sein zweites Album auf den Markt, er erweitert auch sein musikalisches Farbspektrum um eine weitere Facette. Da Mintgrün bereits Thema in seinem Debütalbum „Bis dato“ war, ist Gold nun also der nächste Schritt, quasi die Veredelung dessen, was zurück liegt. Inwiefern sich das Ganze auch auf den Inhalt des Albums auswirkt, schauen wir uns mal genauer an.

Vom Soundbild ähneln sich „Bis Dato“ und „Mintgold“ insofern, dass beide elektronisch und auf eine sehr atmosphärische Art und Weise daherkommen. Wahrscheinlich ist „atmosphärisch“ auch das Wort, das Sadi Gents Musik am ehesten beschreibt. Sowohl mit Beats als auch Worten schafft es der Künstler, einen komplett in seine Welt eintauchen zu lassen. Er selbst ist der mintgrüne Punkt in dieser vorwiegend grauen Welt („Mintgraue Welt“). Der Berliner beschreibt aus der Ego-Perspektive Probleme und Gedanken, mit denen wohl jeder, der mit dem nötigen Maß an Selbstreflexion durch das Leben geht, schon mal zu kämpfen hatte. Da sind zum Beispiel Dinge wie die Angst, etwas zu verpassen, Rast-, aber gleichzeitig Ziellosigkeit und die Tatsache, nur von wenigen wirklich verstanden zu werden. Alltägliche Dinge, die nicht leicht in Worte zu fassen sind, aber die Sadi Gent geschickt in seine Lyrics verpackt. Diese Themen bringen natürlich eine gewisse Schwere mit sich, die nicht so einfach zu verdauen ist. Viele Tracks regen zum Nachdenken an und verlangen nach einem Zuhörer, der bereit ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Die Platte nur nebenbei laufen zu lassen und trotzdem etwas daraus mitzunehmen, wird nicht so leicht funktionieren.

Ein besonderer Anspielpunkt des Albums ist mit Sicherheit der Titel „Zwilling“, da er uns einen sehr intimen Einblick in das Leben des Rappers gibt. Es geht um den Verlust seines verlorenen Geschwisterchens, mit dem sich Sadi zwar den Platz im Bauch der Mutter geteilt hat, das die Geburt aber nicht überstand. Generell merkt man, dass viel Gefühl und Seele in jedes Lied gepackt wurde, doch hier steigt der Gänsehautfaktor bei Zeilen wie „Irgendwie fehlt mir was und ich glaub du bist das“ erheblich.

Wer jetzt glaubt, dass man durch „Mintgold“ ausschließlich in Tiefe Melancholie gerissen wird, liegt allerdings falsch. Zum einen bringen die Beats, die mit zahlreichen organischen Klänge versehen sind, eine gewisse Leichtigkeit mit sich. Zum anderen zaubert einem die eine oder andere Geschichte auch ein verstehendes Lächeln auf das Gesicht. Außerdem weiß Sadi Gent letztendlich auch, wie man mit dieser verkorksten Welt umzugehen hat: „Ich versteh nur Spanisch und ich muss gar nichts. […] Ich hab keine Lust Spanisch zu lernen, man muss nicht immer alles verstehen.“ („Alle Mania“)

„Mintgold“ ist somit ein ebenbürtiger Nachfolger für Sadis erste Platte „Bis Dato“. Er hat sich oder seine Musik dabei vielleicht nicht neu erfunden, aber logisch weitergeführt. Wer in Sachen Rap ganz allgemein nicht auf dieser tiefgründigen Schiene fährt, wird wahrscheinlich Schwierigkeiten haben, mit dem Album warm zu werden. Wer allerdings schon vorher Gefallen an der Musik des Herren „Sadi Anubis Zamunda Siddartha Mitikaya Gautama Galapagos Judokus Aurora Zaccaria Gent“ gefunden hat, wird auch diesmal wieder Gefallen an seiner mintgold gestrichenen Welt finden.

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Sie verknallte sich schon lang vor ihrem Journalistikstudium in die Rapmusik und schreibt gerne mal via BACKSPIN.de den ein oder anderen Liebesbrief.

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