Romano: „Ich habe immer eine Death Row CD im Handschuhfach“

Erst gab es einen Klaps auf den Po, jetzt wird geheiratet. Verbindung statt Trennung, Mittelfinger runter und Ringfinger hoch – das ist die Devise des nächsten Streichs von Romano. Straight aus dem Herzen Berlin-Köpenicks gewährt Romano einen Blick hinter die Theke des „Copyshop“. Im Zwischen den Zeilen Interview sprachen wir mit ihm über das kommende Album, die Auswirkungen von Sekt auf leeren Magen und Inspiration durch Grime.

 

Romano, in wenigen Tagen erscheint dein nächstes Album „Copyshop“. Wie kam der Titel „Copyshop“ zustande, welche Bedeutung hat er?

Romano: Ich habe fast acht Jahre im Copyshop gearbeitet. Er ist Teil meines Lebens.

Kannst du das Album auf eine Grundaussage reduzieren?

Romano: Mittelfinger runter, Ringfinger hoch! Es geht um Liebe und die verschiedenen Facetten des Lebens.

Welche Themen werden auf dem Album behandelt, wovon erzählst du konkret?

Romano: In „König der Hunde“ berichte ich über meine Erlebnisse zur Zeit des Mauerfalls.
„Nur in meinem Kopf“ ist voll mit Psychosen. Die „Champagner Bar“ wird mein Ruhesitz, wenn ich 666 Jahren alt bin. In „Tourizocke“ verlieren Urlauber ihre Portmonnaies und Handtaschen auf der Sightseeing Tour durch Berlin. Ich stelle euch auch ein paar Familienmitglieder und Freunde vor:„Mutti”, „Ufo Joe” und meinen „Anwalt”. Ihr dürft mal mit der „Raupe” fahren und danach im „Copyshop” bei mir ’nen echten Beltracchi kaufen!

Wer zeigt sich das für das Cover verantwortlich und welche Idee steckt dahinter?

Romano: Das Cover hat Bella Lieberberg geschossen. Es war ein Schnappschuss, der mir auf Anhieb gefiel. Ich bin früher im Plattenladen oft erst durch das Artwork auf eine Scheibe aufmerksam geworden. Also spielt das schon eine wichtige Rolle.

Soweit ich gesehen habe, gibt es keine Deluxebox. Wieso nicht?
Wenn es doch eine gäbe, welche Gimmicks wären enthalten und wieso?

Romano: Das hat sich diesmal nicht ergeben. Als Inhalt wäre wahrscheinlich eine Actionfigur von mir geil gewesen. Neben Spiderman und He-Man würde sie sicher bei dem einen oder anderen in den Setzkasten passen.

Wer war für die Produktion des Albums verantwortlich?

Romano: Das Album hat wieder Siriusmo produziert. Er ist seit den 90er Jahren nicht nur ein enger Freund, sondern der beste Produzent, den ich kenne.
Moritz ist ein Genie. Es ist ein riesiges Geschenk, ihn zu haben.

Wieso hast du dich für MastaMic und Maschine als Features jeweils entschieden?

Romano: MastaMic habe ich über Friendly, die Freundin von Siriusmo, kennengelernt.
Sie kommt aus der Hongkonger Hip-Hop Szene und hat den Kontakt zu ihm hergestellt. Ein super Typ – easy, locker, entspannt!
Maschine kenne ich über Andy, seinen Sohn. Ich hatte mit Andy, der Schlagzeug spielt, gemeinsam vor Jahren einige Auftritte bei einer Drumperformance Group gehabt. Über ihn wurde Anfang 2017 der Kontakt hergestellt. Maschine rief mich an, kurz darauf gings schon ins Studio.

Was war dir wichtig bei der Auswahl deiner Featuregäste?

Romano: Ich brauche mit den Featuregästen immer eine Verbindung. Maschine war Held meiner Kindheit und ich habe mich sehr gefreut, dass es geklappt hat. Als Ostkind bin ich mit der Musik der Puhdys aufgewachsen und hab mir so einen Traum erfüllt.
Auch bei MastaMic habe ich gespürt, dass wir ne ähnliche Wellenlänge haben. Dafür muss man kein kantonesisch können.

Wer oder was hat dich für dieses Album in welcher Weise inspiriert, was a) Sound und b) Inhalt betrifft?

Romano: Siriusmo inspiriert mich immer wieder, mit seinem eigenen und besonderen Sound, den man nicht in eine Schublade stecken kann. Natürlich auch Mr.Oizo, der Typ ist einfach genial.
Ansonsten Künstler wie Skepta, Wiley, Maxsta und D Double E. Ich bin ein großer UK Grime Fan. Ich liebe natürlich außerdem den Westcoast Sound der 90er und lass mich davon inspirieren. Too Short, E-40, Mac Mall, Brotha Lynch Hung, C-Bo, Dr.Dre und natürlich Snoop Dogg. In meinem Auto habe ich immer eine „Death Row” CD im Handschuhfach.

Sind Schreibblockaden ein Thema für dich und falls ja, was tust du, um diese zu überwinden?

Romano: Schreibblockade hat mit Druck zu tun. Den Druck verringert man in dem man die Sperre zulässt und nicht dagegen ankämpft.
Sport, Eis essen, ein Buch lesen, schlafen. Am nächsten Tag läuft’s wieder.

Wie viel Zeit hat die Produktion in Anspruch genommen?

Romano: Ich habe im letzten Jahr im Juni angefangen neue Texte zu schreiben. „Anwalt” und „Mutti” hatte ich vorher fertig und auch schon live präsentiert.
Nachdem die meisten Nummern standen, gings im Herbst ins Studio.
Siriusmo versorgt mich mit Beats. Einsingen, dran feilen, manchmal nochmal aufnehmen, bis alles sitzt. Insgesamt dauerte es von der ersten Textzeile bis zur fertigen Produktion knapp 12 Monate.

Wessen Meinung ist dir während eines Albumprozesses wichtig und wieso?

Romano: In erster Linie die Meinungen von Siriusmo und Jakob Grunert als wichtige Ideengeber. Weiterhin Jan Driver, ein langjähriger Freund und ausgezeichneter Produzent, der das neue Album gemischt hat. Natürlich auch meine Family, Mutti und der enge Freundeskreis. Das Feedback war durchweg positiv.

Gab es Schwierigkeiten im Produktionsprozess und wenn ja, welche?

Romano: Die einzige Schwierigkeit war, dass wir im Studio immer sehr früh
am Morgen anfingen aufzunehmen und ich bekanntlich eher ein Nachtfalke bin. Aber nach ’nem starken Filterkaffee waren wieder alle Lampen an.

Gibt es eine spannende/ witzige Anekdote, die du rund um den Produktionsprozess zum besten geben kannst?

Romano: Ich hatte mir vor den Gesangsaufnahmen auf leeren Magen mal ein Gläschen Sekt reingepfiffen. Die Wirkung war wie nach einer ganzen Flasche. Ich hatte einen extremen Lachflash und wir mussten die Aufnahmen auf den Nachmittag verschieben.

Welcher ist dein persönlicher Lieblingssong auf der Platte und was macht ihn zu diesem?

Romano: Das liegt an der Tagesverfassung. Ich kann mich grad nicht entscheiden.

Welche ist die beste Line auf der Platte und wieso?

Romano: „Ich liebe dich, auch wenn du anti-alles bist. Du sagst, du magst mich nicht und trotzdem lieb ich dich.“

Etwas oder jemanden „Scheiße“ zu finden ist einfach. Anstatt zu sagen: „Ich nehme dich an, mit dem ganzen Rucksack, den du zu tragen hast, mit all den Dingen, die du vielleicht selbst als Fehler hältst.“

Wie unterscheidet sich das Album von seinem Vorgänger?

Romano: Beim Ersten gab’s noch ’nen Klaps auf den Po, jetzt wird geheiratet.

Welche Relevanz haben die Charts für dich?

Romano: Charts, naja… Keine Ahnung. Erwartungsdruck sorgt für Enttäuschung. Deshalb lass ich mich einfach überraschen.

Warum sollten Fans genau dieses Album unbedingt kaufen?

Romano: Weil wir gemeinsam über den Tellerrand gucken können.

Wie geht es nach Release für dich weiter?

Romano: Es steckt so Einiges in den Startlöchern. Lasst Euch überraschen.

Wirst du mit dem Album auf Tour gehen? Ab wann? Mit wem?

Romano: Na klar, vom 25.10 – 12.11.2017 geht es auf große „Copyshop-Tour” durch Deutschland und Österreich. Ich habe eine neue Show mit 2 Drummern im Gepäck.
Es wird grell, laut und heiß. Kommt vorbei.

Auf der zweiten Seite geht’s weiter mit der Tracklist.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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