Robert Winter: Hohe Fünf mit dem Fotografen zu „(prod. by)“

Robert Winter

Robert Winter stellt mit „(prod. by)“ ein Projekt der besonderen Art auf die Beine. Es handelt sich um ein Fotobuch über diese hiesige Beatszene, das per Crowdfounding finanziert wird. Abgebildet wird die Zeit, in der die sogenannten „Bedroom Producer“ aus dem Schatten der Rapper gestiegen sind und plötzlich selber auf den Bühnen standen. Als Fotograf und jahrelanger Begleiter der Szene ist Robert Winter mit einem großen Teil der Szene vernetzt. Über 80 Cover hat er in diesem Genre bereits gemacht und durch die „Hi-Hat-Club“-Reihe oder Beat-BBQ hat er auch großen Einfluss auf die Darstellung der Szene. Wir haben uns mit Robert getroffen und ihm fünf Fragen zu „(prod. by)“, der Produzentenszene und der Finanzierung des Projekts gestellt. 

Wie bist du Teil der Produzentenszene geworden?
Alkohol und gute Laune (lacht). Nein, ernsthaft. Ich glaube, ich bin recht gesellig und komme mit vielen Leuten einfach ins Gespräch. Außerdem wollten die Produzenten schon damals Musik veröffentlichen und ein Plattencover haben oder ein Musikvideo, aber sie wussten nicht wie. Die meisten saßen in ihrer kleinen Wohnung und hatten ein Homestudio und waren sehr dankbar, dass jemand vorbei kam und den Fokus auf sie gerichtet hat. Auch wenn die meisten nicht so gerne groß fotografiert werden wollen.
Wann hast du gemerkt, dass diese Generation der deutschen Beatszene eine ganz besondere ist?
Ob sie besonders ist, kann ich nicht sagen, das müssen Außenstehende bestimmen. Ich kann nur sagen, die Jungs machen ihr Ding. Ich versuche das alles zu verpacken und der Welt zugänglicher zu machen. Deutschland ist flächenmäßig ja gar kein so großes Land und das Internet hat dazu geführt, dass sich immer mehr Leute ausgetauscht haben. Man hat Beats getauscht, untereinander Techniken erklärt, man hat sich geholfen. Ich glaube, die Qualität der Musik liegt darin, dass es kein Hauen und Stechen wie im Rap gibt. Dafür gibt es eher einen gemeinsamen Vibe.
Denkst du, dass Produzenten heute größeres Ansehen genießen als noch vor zehn Jahren?

Ja. Früher war der Produzent eines Songs immer im Hintergrund und durfte neben dem Rapper höchstens mal als DJ mit auf der Bühne stehen. Heute spielen viele von den Jungs Tourneen oder regelmäßig in irgendwelchen Clubs. Man kennt ihre Namen. Noch viel wichtiger ist, dass sich in Deutschland innerhalb der Szene ein anderes Selbstbewusstsein entwickelt hat. Angefangen von der eigenen Darstellung und Wertschätzung als Künstler bis zu Verhandlungen bei Deals.

Ziehst du in Erwägung mit einem weiteren Teil die kommende Produzentenriege abzudecken?
Na ja, für mich sind Leute wie Bluestaeb, S. Fidelity und Melodiesinfonie schon die nächste Generation. Solange mir die Musik gefällt und der persönliche Vibe stimmt, reise ich weiter den Jungs hinterher. Letzte Woche war ich bei Wun Two und im November muss ich mich unbedingt bei Crada melden.
Wieso hast du dich für Kickstarter/Crowdfounding entschieden?
Ich mag den DIY-Gedanken. Ehrlich gesagt habe ich aber auch nie darüber nachgedacht, bei einem Verlag Klinken zu putzen oder das irgendwie abzugeben. Der große Vorteil jetzt ist, dass so viele Leute aus der Szene an dem Projekt mitarbeiten. Es fühlt sich an wie ein großes gemeinsames Album. Ich hätte eher Angst, dass ein Verlag auch mitsprechen und gestalten will, wenn man das Projekt mit Verlagsgeld finanziert. Wir sind jetzt sehr unabhängig und sprechen nur mit den Fans und Kunden des Produkts. Ich will, dass das alles geil wird und nicht diskutieren, warum wir jetzt nicht dies oder das Papier machen. Wieso die Kunstdrucke nicht auf dem für mich bestem Material sind usw.
 
Alle wollen immer wirtschaftlich denken. Durch Crowdfunding konnte ich erst das Finanzielle klären und dann auch noch vom Endkunden direkt. Jetzt bin ich frei in meiner Ausführung.

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