Review: Vestax VCI-380 (aus der BACKSPIN MAG #110)

Was die VCI Controller-Serie angeht, lässt sich Vestax nicht lumpen und bringt nach seinem neuesten Schlachtschiff, dem VCI- 400, eine weitere All-In-One-Lösung auf den dicht besiedelten Controller-Markt. Es gibt gerade kaum einen namhaften Hersteller, der nicht mindestens eine Steuerkonsole im Sortiment führt, so auch Vestax, die vor einigen Jahren mit der Veröffentlichung des VCI-100 einen wahren Hype um DJ-Controller dieser Art ausgelöst hatten. Grund genug, dem neuesten 2-Kanal-Ableger mal etwas auf den Zahn zu fühlen.

Optisch macht der Controller mit seinem Metallgehäuse einen sehr robusten Eindruck und scheint im harten Cluballtag gut bestehen zu können. Obwohl die Funktionsvielfalt im Vergleich zum VCI-300 bzw. VCI-300 MK2 deutlich zugenommen hat, wirkt die Aufmachung der Bedienoberfläche sehr aufgeräumt und die Anordnung der einzelnen Bedienelemente fällt sehr schlüssig und logisch aus. Wer bereits mit solchen Controllern gearbeitet hat, wird sich hier schnell zurechtfinden. Alle einzelnen Funktionen aufzuzählen, würde hier jedoch den Rahmen sprengen, daher berichten wir einfach mal von den Highlights, die uns beim Testen aufgefallen sind. Als Software liegt Serato Itch bei. Als aktiver Serato-User für mich schon mal ein Pluspunkt, denn die bereits vorhandene Library aus Scratch Live kann auch in Itch – und umgekehrt – eingesetzt werden. Auch das Video-Mixing-Plug In Serato Video kann mit dem VCI-380 betrieben werden. Klanglich gibt’s dank der integrierten 24 Bit / 96 kHz Soundkarte nichts zu bemängeln.

Als Prachtstücke kann man zweifelsfrei die fünf Performance-Modi Hotcue, Auto Loop, Slicer, Roll und SamplePlayer bezeichnen, mit denen man seiner Kreativität beim Mixen freien Lauf lassen kann. Vor allem der Slicer-Modus, der erstmalig im Novation Twitch aufgetaucht ist, macht wirklich Laune. Die Faderkurven lassen sich über die Regler auf der Vorderseite stufenlos einstellen. Der Crossfader öffnet auch bei kleinster eingestellter Kurve für meinen Geschmack nicht schnell genug. Abhilfe soll hier, wie früher bei den PMC-Mixern von Vestax, die schmalere Crossfader-Aufsatzplatte schaffen. Das erscheint mir hier jedoch etwas schwierig, daher würde sich wohl als Alternative der Austausch des Crossfaders in den digitalen CFX-2 anbieten, welcher aber nicht gerade eine günstige Anschaffung wäre.

Dafür sind die acht unterschiedlich beleuchteten Performance Pads top verarbeitet und besitzen ein hervorragendes Ansprechverhalten. Generell sind die Tasten, Regler und Buttons, wie man sie von den Vorgängern kennt, robust gebaut und zuverlässig im Live-Einsatz. Ebenso die Joghweels, die Wheel-Bewegungen mit geringer Latenz übertragen und sich unabhängig voneinander im Widerstand sowie Empfindlichkeit des Touch-Sensors variabel justieren lassen. Bei schnellen Wheel-Bewegungen wie z.B. bei einem Chirp-Scratch merkt man die Latenz aber schon deutlich. Dafür aber sehe ich nun, sehr zu meiner Freude, erstmalig auch eine Nadel-Positions-Anzeige in den Jogweels verbaut, die sich mitdreht und anhand derer die Songpositionen nun direkt am Joghwheel abgelesen werden können. Persönlich wäre es mir aber noch immer am liebsten, wenn sich die Wheels synchron zu dem Song mitdrehen würden – wie beim guten alten Vinyl.

Apropos Vinyl: Der VCI-380 kann auch als Standalone-Mixer in Verbindung mit Turntables und/oder Line-Geräten genutzt werden. In Verbindung mit einer SSL-Box hätte man dann quasi einen Battlemixer und Midi-Controller in einem. Ein Mapping für Scratch Live ist laut Vestax in Arbeit. Ein weiteres nützliches Feature sind die beiden Touchstrips, mit denen die Pad-Parameter verändert und virtuelle Needle Drops gemacht werden können. Weitere Funktionen, die nicht unerwähnt bleiben sollen, sind z.B. pro Kanal die Effektsektion, Hi-Pass-Filter, Trim, 3-Band-EQ, Pitchfader, PAD FX und das Scrollen durch die digitalen Crates per Regler und Knopfdruck. Um dem Dancefloor am Mic einzuheizen und/oder eine Freestyle-Session zu starten, stehen zwei Mic-Eingänge bereit. Allerdings sind diese lediglich mit einem Gainregler auf der Rückseite und ohne EQ ausgestattet. Für die DJ-Booth gibt es einen passenden Booth-Out, der sich unabhängig vom Master-Signal regeln lässt. Als Ausgang hat Vestax dem Controller nur symmetrische XLR-Anschlüsse verpasst. Den Soundmann im Club wird ́s freuen, kann er sich die DI-Boxen nun gleich sparen.

FAZIT

Der VCI-380 ist vorbehaltlos allen Club-DJs zu empfehlen, die hauptsächlich mit Controllern auflegen. Für die Turntablisten aber ist er noch keine ernstzunehmende Alternative zum klassischen Vinyl bzw. dem digitalen Vinyl System. Die Joghwheels arbeiten zwar präzise und mit geringer Latenz, aber dennoch hinkt die Technologie im Vergleich zum Vinyl-Feeling etwas hinterher. Könnte ich es mir aussuchen und meinen eigenen Controller designen, kämen für mich nur sich drehende Wheels aus Vinyl wie z.B. im V7 von Numark in Frage. Trotzdem hat der VCI-380 einen hohen Spaßfaktor, ist intuitiv zu bedienen und klingt sehr gut. Der Controller ist kompakt ausgefallen und bietet viele kreative Funktionen und Zugriffsmöglichkeiten. Ein würdiger Nachfolger.

TECHNISCHE DATEN:

Anschlüsse: USB-Port
2x Mikrofoneingang (Klinke/XLR) 2x Line/Phono In (Cinch)
1x Kopfhörerausgang (Klinke)
1x Master Out (XLR)
1x Booth Out (Cinch)
1x Erdungsschraube
Maße: 427 x 304 x 60 mm Gewicht: 3,5 kg
Preis: 799,- EUR

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit einem Interview mit Robert Wong (Product-Manager Vestax Deutschland).

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Orginaler Pottboi! Ich liebe das 45er Areal, doch hass‘ mich nicht. Ich komm‘ vorerst nicht zurück zu dir.

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