Sido – „VI“

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Mittlerweile ist Sido bei seinem sechsten Studioalbum angelangt und längst nicht mehr nur der Rapper mit der Maske oder dem „Arschficksong“. Nach einem Gamechanger („Maske“) folgt in der Regel auch eine Veränderung des Künstlers durch das „Game“.

Heute ist Sido ein Projekt mit hochgesteckten Zielen, 200 000 Einheiten wolle er vom neuen Album verkaufen. Dazu benötige er eben auch das Radio. Mit „Bilder im Kopf“ ritt er in die hiesigen Radioschlösser ein, um sich kürzlich mit „Astronaut“ auf den Thron der Singlecharts zu setzen. Dass der Song mit Andreas Bourani ein einziger Fremdkörper ist, scheint wohl auch Sido bewusst zu sein. Das neue Album soll trotz Chancen auf Airplay mehr Rap sein als die letzte Geburtstagsscheibe. Dafür hat Sido besonders auf die Drums geachtet. Richtig und wichtig, stellen diese doch das Fundament eines jeden Beats dar.

Doch Sidos musikalischer Unterbau gleicht einem Piratenschiff, auf dem sich erstaunlicherweise auch der ein oder andere Bauarbeiter befindet (und damit ist sicherlich nicht Olexesh gemeint). Dass die Symbiose aber auch gelingt, beweist DJ Desue unter anderem in „Ackan“, das an 2004 erinnert. In derselben Zeit war der Aidstestvergleich aber bereits ein alter Hut. Auf abgetrampelten Pfaden bewegt sich Paul Würdig auch, wenn er über die Vergangenheit berichtet, die nach Film und mehreren Alben im Gedächtnis der Hörer verortet sein müsste. Damit mal wieder etwas los ist, braucht jemand wie Sido Gegner. Diese findet er glücklicherweise in den „armen Reichen“, spießigen Nachbarn, die ihn nicht zurückgrüßen, und nervigen Selfiekandidaten, deren Air Max er signieren darf.

Daneben ist Sido sehr auf das Allgemeinwohl und die Gerechtigkeit in der Gesellschaft bedacht, eine Verhaltensweise, die zum Älterwerden dazugehört. Nicht verkehrt, aber auch kein Grund, gegen Ende von „Zu wahr“ eine Ansage zu machen, die so unangenehm pathetisch ist, als würden Helene Fischer und Til Schweiger eine gemeinsame Bambi-Laudatio halten.

Es heißt, mit dem Alter kommt auch die Gemütlichkeit. Aber Mensch, Siggi, du bist doch noch jung. Zeit für neue Abenteuer, vielleicht hat Harry ja noch mal Lust?

Zum Schluss noch ein Vorschlag für die nächste Box: die Radiosingles einzeln beigeben. Wie wäre es zum Beispiel in einem Küchenradio?

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